12.06.2019 - 13:58 Uhr
EschenbachOberpfalz

Auf geschichtsträchtigem Boden

Erst die Dolomiten und Verdun, nun Slowenien: Die Wandergruppe der Reservistenkameradschaft Eschenbach setzt in Kobarid (Karfreit) und Tolmein ihre Erinnerungskultur-Tour fort. Dabei bewegt sie sich auf den Spuren Erwin Rommels.

Auf einer Anhöhe über Kobarid liegt das Beinhaus für mehr als 7000 gefallene Italiener.
von Walther HermannProfil

Ihr militärhistorisches Interesse weckte die Berglandschaft an der Soca (Isonzo) deshalb, weil im Oktober 1917 der damalige Oberstleutnant mit Einheiten der bayerischen und württembergischen Gebirgstruppe in der zwölften Isonzoschlacht, dem „Wunder von Karfreit“, die 2. italienische Armee zerschlug und zum ungeordneten Rückzug zwang. Damit beendete er ein weiteres Blutvergießen in diesem Teil der Julischen Alpen.

Nach einem Zwischenstopp an der Festung "Flitscher Klause" bezog die Gruppe für vier Tage Quartier im geschichtsträchtigen Kobarid, zur K.u.k-Zeit "Karfreit" genannt. Dessen Museum dokumentiert die Ereignisse während des Ersten Weltkriegs an der Soca, die sich auf italienischem Gebiet "Isonzo" nennt. Die Reservisten erfuhren dabei neben umfangreichen Informationen über elf verlustreiche Bergschlachten, die keine Veränderung der Front brachten, auch viele Details zur zwölften Isonzoschlacht, dem bedeutsamsten militärischen Aufeinandertreffen auf slowenischem Boden.

„Dies war der erfolgreichste Fronteinbruch des Ersten Weltkriegs und einer der ersten Kämpfe mit gewissen Elementen eines Blitzkriegs“, erläuterte der Museumsführer. Die Front habe sich daraufhin von der Soca zum Piave hin verschoben und dabei etwa 300 000 gefallene Soldaten, ein verwüstetes Land und zerstörte Dörfer hinterlassen. Da das Museum auch die Geschichte Kobarids von der Urzeit bis zur Gegenwart vorstellt, wurde es 1993 vom Europarat zum europäischen Kulturerbe erklärt.

Ein vordringlicher Besuch galt dem deutschen Beinhaus bei Tolmin. Die bei der zwölften Isonzo-Offensive gefallenen deutschen Soldaten waren zunächst in Militärfriedhöfen im Ober-Isonzotal begraben, ihre Überreste jedoch in den 1930er Jahren in ein eigens errichtetes Beinhaus umgebettet worden. Der Eingang zum Park, in dem das Beinhaus liegt, führt durch eine kunstgeschmiedete Tür, geformt aus Gewehrröhren. In der Kapelle sind die Namen von mehr als 1000 gefallenen Soldaten auf Eichenplatten und zum Teil auf einer goldenen Mosaikunterlage aufgeschrieben.

Der Grabplatz mit den Überresten der Gefallenen befindet sich im zweiten Teil der Kapelle, dessen zentralen Raum die Gruft des unbekannten Soldaten darstellt, auf die die Sonnenstrahlen nur bei der Sommersonnenwende leuchten. Das Beinhaus hat den Status eines Kulturdenkmals. Ein weiterer Besuch galt dem italienischen Beinhaus, in das 1938 die Überreste von 7014 bekannten und unbekannten Soldaten überführt wurden.

Zum Pflichtprogramm der Slowenienfahrt wurde der historische Lehrpfad „Auf Rommels Spuren“ mit Freilichtmuseum und teilweise erneuerten Schützengräben. Zu sehen bekamen die Eschenbacher Spurensucher unterschiedliche Arten befestigter Schützengräben der italienischen Armee, betonierte Schießscharten, geflochtene Drahtnetze und Blechbedachungen. Vom 1642 Meter hohen Matajur aus bot sich ein herrlicher Panoramablick über das Socatal, die Friauler Ebene und die Adria.

Der Weg zurück war der gleiche, den Erwin Rommel mit seiner Abteilung am 26. Oktober 1917 genommen hatte. Besichtigungsziel waren auch österreichische Kampfgräben und Artilleriestellungen auf dem Kolovratrücken, die während der Isonzoschlachten für Italiener uneinnehmbar waren. Bei den abendlichen „Dienstbesprechungen“ ergänzten historische Lagekarten die gewonnenen Eindrücke.

Auf einer Anhöhe über Kobarid liegt das Beinhaus für mehr als 7000 gefallene Italiener.
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