24.05.2021 - 16:49 Uhr
EschenbachOberpfalz

Gymnasien und Realschulen im Landkreis Neustadt/WN und in Weiden: Ein "Auf und Ab" beim Übertritt

"Das ist immer eine Wundertüte." Kilian Graber (Realschule Vohenstrauß) bringt es auf den Punkt. Die Anmeldezahlen für die Gymnasien und Realschulen im Landkreis Neustadt/WN und in Weiden sind stets für Überraschungen gut – gerade heuer.

Das Gymnasium Neustadt/WN verzeichnet als einziges im Landkreis und in der Stadt Weiden ein deutliches Plus bei den Anmeldungen für den Übertritt zum Schuljahr 2021/2022.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Vorsicht und Verunsicherung: Diese beiden Faktoren sind prägend in Coronazeiten – auch für den Bildungsbereich. Die Übertrittszahlen für den Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Weiden für das Schuljahr 2021/2022 zeigen deutlich: Der Aufwärtstrend bei den Gymnasien ist – bis auf eine Ausnahme – gestoppt, verkehrt sich teilweise sogar ins Gegenteil. Aber auch bei den Realschulen gibt es nicht nur Gewinner.

Gymnasium Eschenbach

Im vergangenen Jahr Spitzenreiter, heuer auf Rang drei: Das Gymnasium Eschenbach ist bei den Anmeldungen zweistellig geworden. Schulleiter Peter Schobert sieht den Rückgang von 109 auf 90 Fünftklässler (2019: 103) jedoch gelassen: In Coronazeiten sei "ein Auf und Ab normal". Zumal "auf jeden Fall" wieder vier Klassen an den Start gehen. Eine der Ursachen für das deutliche Minus ist dabei klar: Aus einer Ortschaft habe man "in Relation zur Größe der Grundschule" eine "sehr, sehr geringe Anzahl" an Anmeldungen bekommen, weil "etliche Mädchen mit entsprechenden Schnitten trotzdem auf die Realschule gehen", informiert Schobert. Als weiteren Faktor führt er mit Blick auf die Coronakrise an: "Viele Eltern sind verunsichert durch die Situation an den Schulen." Manche hätten Zweifel, ob ihre Kinder auf das Gymnasium vorbereitet sind und dieses auch schaffen: "Man traut den Schulnoten nicht in dem Maße, weil die Basis coronabedingt relativ schmal ist", spricht der Schulleiter die geringe Anzahl an Leistungsnachweisen infolge der Schulschließungen an. "Was mit eine Rolle spielt", sei nicht zuletzt, dass "Infoveranstaltungen nur noch online stattfinden". In Eschenbach sei es Tradition gewesen, "dass fast alle Kinder mit dabei waren" und für sie "ein eigenes Programm kindgerecht" gestaltet worden sei, so dass sie selber entscheiden konnten, "da will ich hin". Andere Gymnasien macht Schobert für den Schwund bei den Übertritten nicht verantwortlich: "Wir sind im Wesentlichen ein Flächengymnasium und haben bis auf Randgebiete keine Konkurrenzsituation." Aus Auerbach, von wo aus Schüler auch nach Pegnitz ins Gymnasium gehen, seien die Anmeldezahlen "aber stabil".

Gymnasium Neustadt

Schulleiter Anton Hochberger ist "sehr zufrieden": 78 Anmeldungen verzeichnet das Gymnasium Neustadt/WN für das nächste Schuljahr. Das bedeutet das zweite Jahr in Folge ein Plus von acht Schülern. Somit können wie 2020 drei fünfte Klassen gebildet werden. Der Grund für den erneuten deutlichen Anstieg – um über elf Prozent diesmal – ist für Hochberger klar: "Die Generalsanierung nähert sich dem Ende." Im Herbst werde der zweite Bauabschnitt abgeschlossen. "Dann haben wir ein schönes modernes neues Gebäude mit digitaler Ausstattung."

Augustinus-Gymnasium Weiden

Stabile Zahlen meldet Ulrich Winter – und das hat er auch erwartet: "Wir haben immer so zwischen 95 und 100 Übertritte." 97 Viertklässler, und damit einer mehr als im vergangenen Jahr, werden im September an das Augustinus-Gymnasium Weiden wechseln. Den Schulleiter freut dabei besonders, dass sich 28 von ihnen (2020: 23) für Latein als erste Fremdsprache entschieden haben. Somit nehme "fast jeder dritte Schüler" dieses Angebot wahr, das das "Augustinus" – ein ehemaliges humanistisches Gymnasium – als einziges Gymnasium in Weiden vorhalte. "Und es gibt wieder eine Sportklasse mit 26 Schülern." Die Geschlechterverteilung mit 48 Prozent Mädchen und 52 Prozent Buben "passt auch". Die Corona-Pandemie habe auf die Zahl der Anmeldungen "eigentlich keine Auswirkungen" gehabt, erklärt der Schulleiter. Sie spiele nur "insofern eine Rolle", als "dass der persönliche Kontakt gefehlt hat". So sei kein Tag der offenen Tür möglich gewesen. "Das kommt schon dazu."

Elly-Heuss-Gymnasium Weiden

Nach 51 Anmeldungen 2019 und 52 im vergangenen Jahr findet sich das Elly-Heuss-Gymnasium diesmal unter der 50er-Marke wieder: 45 Mädchen werden im Schuljahr 2021/2022 in zwei fünften Klassen unterrichtet. Schulleiter Reinhard Hauer ist "trotzdem zufrieden": "Weil man die Gründe nie ergründen kann. Das haben wir gelernt in den letzten Jahren." Ausschlaggebend für das Minus sei aber wohl "die allgemeine Attraktivität der Realschule im Vergleich zum Gymnasium": "Die Eltern glauben, dass die Kinder leichter den Übertritt schaffen." Ob die Coronakrise die Anmeldezahlen beeinflusst hat? "Ich könnte es mir vorstellen", sagt Hauer: "Dass nach zwei Jahren Distanzunterricht die Eltern sagen, das Gymnasium ist zu schwer."

Kepler-Gymnasium Weiden

Sigrid Bloch, die Schulleiterin des Kepler-Gymnasiums Weiden, hat das "sehr häufig" gehört. Bei Schulhausführungen, die sie statt Präsenzveranstaltungen angeboten hat, sei ihr öfter berichtet worden, "die Freunde gehen alle an die Realschule, weil sie sich nicht ans Gymnasium trauen, obwohl sie den Notenschnitt haben". Viele Eltern seien "durch die Coronazeit verunsichert", hat sie festgestellt, und hätten "wohl Bedenken, ob es coronamäßig funktionieren kann, dass ihr Kind am Gymnasium Fuß" fasst. "Deshalb geht man den vermeintlich einfachen Weg." Das "verstehe ich nicht so ganz", merkt Bloch an. Denn sie finde das "sehr, sehr schade für das Kind": "Warum verwehrt man ihm diesen Bildungsweg?" Angesichts von Begabten- und Hochbegabtenklasse wisse sie, "dass es für Kinder sehr wichtig ist, dass sie gefördert und gefordert werden innerhalb ihres Potenzials". Bei den Anmeldungen für das Kepler-Gymnasium schlägt sich diese Problematik allerdings nicht nieder: "Wir haben ganz genau 100", teilt die Schulleiterin mit, erfreut über den erneuten Anstieg (2019: 86; 2020: 97).

Einen starken Rückgang bei den Übertrittszahlen zum Schuljahr 2021/2022 vermeldet das Gymnasium Eschenbach.

Lobkowitz-Realschule Neustadt/WN

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass es nach unten ausschlägt, weil wir rechtzeitig Rückmeldung eingeholt haben“, bekräftigt Schulleiterin Irene Sebald: Zwischen Lehrern, Schülern und Eltern der Lobkowitz-Realschule herrsche nach dem Motto „Wir sind ein starkes Team“ enge Kommunikation und großer Teamgeist. Angesichts von 134 Anmeldungen (2019: 149; 2020: 136) – weitere Übertritte mit Elternwille möglich – zeigt sich Sebald froh, dass das Angebot „so gut ankommt“: Eltern und Kinder seien „sehr zufrieden“ mit dem attraktiven Programm und Profil. Daneben verweist sie auf eine „sehr hohe Zufriedenheit“ beim Distanzunterricht sowie auf den mit 2000 Clicks „sehr gut angenommenen“ virtuellen Schulhausrundgang: „das Einzige, was wir nach außen zeigen konnten“, in Ermangelung von Präsenzveranstaltungen. Die Schulleiterin sieht die Übertrittszahlen als „Signal, dass der Weg passt, den wir eingeschlagen haben“, und führt als Bestätigung dafür auch die Nominierung für den Deutschen Schulpreis an.

Hans-Scholl-Realschule Weiden

Von „deutlich weniger Anmeldungen als sonst“ berichtet Michael Meier für die Hans-Scholl-Realschule in Weiden: nämlich 50 (2019: 60; 2020: 67). „Das ist jetzt hat mal so. Damit müssen wir leben.“ Von einer Grundschule, von der sonst immer Schüler gewechselt seien, sei diesmal kein einziger gekommen: „Weil alle die Gymnasium-Eignung bekommen haben.“ Auch blieben Schüler aus dem Landkreis nun „eher im Landkreis“: Früher habe deren Anteil an der Schülerschaft „gut 50 Prozent“ betragen, jetzt nur mehr 15 Prozent, macht Meier deutlich. Und nicht zuletzt bestanden zahlreiche Viertklässler den heuer „echt anspruchsvollen“ Probeunterricht nicht. Die Aufgaben kommen zentral aus München. Dabei sei die Bestehensquote an Realschulen „generell wesentlich niedriger“ als an Gymnasien, betont der Schulleiter: „Jeder, der es will, probiert es.“ Ein Schüler, der mit einem Schnitt von 4,33 antrete, sei von den geforderten 2,66 jedoch „ganz weit weg“.

Sophie-Scholl-Realschule Weiden

„Relativ stabil mit Tendenz nach oben“: So beschreibt Susanne Genser die Übertrittslage an der Sophie-Scholl-Realschule in Weiden. 73 Mädchen (2020: 64) haben sich dort für die fünfte Klasse angemeldet, von zwei weiteren stehe noch die Rückmeldung aus. „Insgesamt also tatsächlich ein kleines Plus, das zu verzeichnen ist.“ Für die Schulleiterin war „wichtig, dass wir drei Klassen zusammenbekommen“. Auf alle Fälle werde es „auch eine gebundene Ganztag“ mit etwa 19 Kindern geben, kündigt Genser an.

Realschule Vohenstrauß

„Das freut uns schon“, sagt Kilian Graber von der Realschule Vohenstrauß angesichts von 91 Anmeldungen – zehn mehr als 2020. Durch die Pandemiesituation habe man die Entwicklung „schlecht vorhersehen können“, erklärt der Schulleiter, der vier Klassen bilden will. Auch die Gründe für den Anstieg sind für ihn deshalb schwer zu fassen: „Das ist heuer so eine besondere Situation, so ein besonderes Jahr.“ Generell geht er aber davon aus, dass die Realschule mit ihrem zweigleisigen Angebot – sowohl auf einen Beruf als auch auf eine weiterführende Schule vorbereitend – „die Eltern anspricht“.

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Hintergrund:

Probeunterricht für den Übertritt an Gymnasien und Realschulen: Das macht ihn in Coronazeiten noch schwieriger

  • Probeunterricht ist für Kinder, deren Beurteilung für den Übertritt nicht ausreicht, die aber dennoch auf diese Schulart wollen.
  • Probeunterricht gibt es in den Fächern Deutsch und Mathe.
  • „Kinder werden auf Herz und Nieren geprüft“, sagt Susanne Genser, Leiterin der Sophie-Scholl-Realschule Weiden: Proben an drei Tagen und Unterrichtsgespräch.
    n Probeunterricht gestaltet sich laut Michael Meier, Leiter Hans-Scholl-Realschule Weiden, schwierig.
  • Gründe: „Weil wir von vornherein viele Aufgaben, die sonst gestellt wurden, nicht stellen können“, da Stoff nicht behandelt wurde. Deshalb auch Erarbeitung eines eigenen Notenschlüssels für Mathe und Deutsch für jede Grundschule. „Schüler da abholen, wo sie sind“, wird nach Meier „das Entscheidende“ und „unsere Aufgabe in der fünften Klasse“ sein. Wissensstand der Kinder werde nach Distanzunterricht „nicht sein, wie er sonst ist“.
  • Ergebnis des Probeunterrichts: „Bin selbst gespannt“, sagt Susanne Genser, Sophie-Scholl-Realschule Weiden. „Wegen Corona ist das heuer noch unwägbarer als sonst.“

 

 

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