16.02.2021 - 16:10 Uhr
EschenbachOberpfalz

Keine Freigabe am Rußweiher: Zu dünnes Eis für Spaziergänger

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Ein Spaziergang auf der Eisfläche des Rußweiher in Eschenbach ist schon verlockend, doch der Schein trügt. Stadt und Wasserwacht haben ein genaues Auge auf die Beschaffenheit der Eisschicht. Der Rußweiher selbst macht die Sache komplex.

Rußweiher Winter
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die Temperaturen im teilweise zweistelligen Minusbereich waren für einige Personen wohl eine Verlockung sich auf das Eis am Rußweiher in Eschenbach zu wagen – allerdings ohne Freigabe der Stadt. Die misst regelmäßig die Dicke der Eisschicht, so auch am Montag. "Unser Bauhofleiter Norbert Braun hat am Montag elf Zentimeter gemessen. 15 Zentimeter sollten es schon sein, eine Freigabe ist daher nicht möglich", erklärt Bürgermeister Marcus Gradl.

Er erinnert auch an das Unglück vergangene Woche, als ein Reh ins Eis am Rußweiher einbrach und nicht überlebte. Gerade entlang der Stege und Bootshäuser seien noch nasse Stellen zu sehen. Dass sich gerade am vergangenen Wochenende dennoch einige Personen auf das Eis trauten, findet der Bürgermeister verantwortungslos: "Selbst, wenn das Eis eine Person trägt, problematisch wird es wenn ganze Gruppen auf der Fläche sind. Das ist ein zu hohes Risiko."

Die Eisstärke, ihre Beschaffenheit und somit die Tragfähigkeit können stark schwanken und sich selbst in einem kleinen Umkreis enorm verändern. Die Entwicklung des Eises ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise von Luft- und Wassertemperatur, Wind, Strömung, Wassertiefe und einem sich ändernden Wasserstand, Pflanzenbewuchs unter Wasser, Schnee auf dem Eis oder Erwärmung des Eises durch Sonnenschein.

Josef Ott von der Wasserwacht Eschenbach erklärt die Problematik: "Der Rußweiher ist sehr komplex. In der Nähe des Zu- und Abflusses ist die Eisschicht meist dünner. Außerdem gibt es Strömungen unter dem Eis, die ebenfalls für verschiedene Stärken der Eisschicht sorgen können." Laut Bürgermeister Gradl sei zudem die Anstauphase des Rußweihers noch nicht vorbei. Das bedeutet, dass weiterhin Wasser zuläuft, was nicht förderlich für die Bildung einer dicken Eisschicht ist.

Es muss in der Regel mehrere Wochen strengen Frost geben, damit Gewässer richtig zufrieren. Aufgrund der vielen Einflussfaktoren auf die Eisdicke, gebe es keine verlässliche Antwort auf diese Frage. "Aber auch dann sollte man nur mit Freigabe der Behörden und ausschließlich das Festeis betreten. Dunkle und schneebedeckte Stellen sollte man meiden", sagt Ott. Falls das Eis knistert und knackt, gilt es sich am besten flach hinzulegen, um das Gewicht zu verteilen und sich in Bauchlage ruhig in Richtung Ufer zu bewegen.

Die Wasserwacht Eschenbach muss es wissen, denn sie trainieren regelmäßig die Rettung von Personen, die ins Eis eingebrochen sind. Im kalten Wasser kann sich ein Mensch in der Regel nur wenige Minuten über Wasser halten. Schnell lassen die Kräfte nach, um sich über Wasser halten zu können. Wer ins Eis einbricht, verliert bei den niedrigen Wassertemperaturen schnell das Bewusstsein und läuft so Gefahr zu ertrinken. "Wir simulieren das, indem einer von uns im Neoprenanzug in ein vorher gebohrtes Loch in der Eisdecke steigt. Er ist natürlich gesichert. Bei einem Eiseinbruch ist zu beachten, dass man sich nicht zu viel bewegt, nicht unter das Eis gerät und sich wenn möglich irgendwo festhält", erklärt Ott. Bei der Rettung koordinieren sich dann die Einsatzkräfte, um die bestmögliche Versorgung des Verunglückten zu ermöglichen.

Vom Betreten des Rußweihers rät Ott ab: "Das geht nur mit Freigabe durch die Stadt. Das Betreten ist risikoreich und im Hinblick auf die angesagten Temperaturen würde ich es lassen." Die Wasserwacht Bayern rät grundsätzlich Eisflächen auf natürlichen Gewässern zu meiden.

Reh überlebt trotz Rettung aus Rußweiher nicht

Eschenbach
Info:

Regeln der Wasserwacht Bayern für den Ernstfall:

  • In jedem Fall vermeiden, dass man unter das Eis gerät
  • So wenig wie möglich bewegen, um möglichst wenig Körpertemperatur zu verlieren
  • Sofort den Notruf 112 wählen und die eingebrochene Person beruhigen
  • Nur mit Hilfe von Hilfsmitteln wie Rettungsring, Leitern, Ästen, Abschleppseil oder ähnliche Gegenstände die eingebrochene Person absichern
  • Nur ans eisige Wasser gehen, wenn sie selbst über eine dritte Person mit einem Seil gesichert sind
  • Den Verunfallten an Land bringen, in der stabilen Seitenlage lagern und vor Kälte schützen, bis der Rettungsdienst eintrifft

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