Eschenbach
29.08.2019 - 11:11 Uhr

Margitta Weissel stößt auf ihren 90. Geburtstag an

Aus der rund 57.000 Einwohner zählenden schlesischen Maschinenbau- und Textilstadt Schweidnitz verschlägt es sie 1945 in das kleine Örtchen Tremmersdorf. Dort hat Margitta Weissel, die nun ihren 90. Geburtstag feiert, ihre Liebe gefunden.

Auf ein bewegtes Leben blickt Margitta Weissel zurück. Zu den Gratulanten des Tages gesellen sich mit den Söhnen Jürgen (rechts) und Werner (mit Urenkel Felix) auch dritter Bürgermeister Klaus Lehl, Laura Künneth (Sparkasse) und Seniorenbeauftragter Udo Müller (stehend von rechts). Bild: rn
Auf ein bewegtes Leben blickt Margitta Weissel zurück. Zu den Gratulanten des Tages gesellen sich mit den Söhnen Jürgen (rechts) und Werner (mit Urenkel Felix) auch dritter Bürgermeister Klaus Lehl, Laura Künneth (Sparkasse) und Seniorenbeauftragter Udo Müller (stehend von rechts).

Wie für viele Schlesier und Ostpreußen begann im Winter 1944/1945 für die Jubilarin eine monatelange Odyssee. Mit Mutter und Schwester, bedroht von Tieffliegern, Eis und Schnee, trat sie zu Fuß die Flucht nach Westen an. Wenige Habseligkeiten waren auf Fahrrädern verstaut. Einer kurzen Lastwagenfahrt folgte eine Bahnfahrt, die nach Westen durchs Sudetenland führte. Nach einem Aufenthalt in Wasserau bei Bischofteinitz im südlichen Egerland, es herrschte inzwischen Waffenstillstand, gelang bei Schönsee der Grenzübergang nach Bayern.

Der weitere Weg ins Unbekannte führte in langen Fußmärschen über Waldsassen und Speinshart und fand im Schulhaus Tremmersdorf endlich ein Ende. Das Arbeiten in der Landwirtschaft sicherte damals vielen Entwurzelten das tägliche Brot. Nach russischer Gefangenschaft fand Vater Paul Schmatzler 1947 schließlich seine Familie in Tremmersdorf wieder. Dort lernte Margitta auch Hugo Weissel kennen, der mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen worden war, in Ungarn in Gefangenschaft geriet und nach mehreren Lageraufenthalten in Bernreuth bei Auerbach entlassen wurde. Da er nicht mehr in seine ostpreußische Heimat zurückkehren und keinen Wohnsitz nachweisen konnte, vermittelte ihn das Arbeitsamt als landwirtschaftlichen Helfer nach Tremmersdorf. Am Silvestertag des Jahres 1949 wurde geheiratet.

Als leidenschaftlicher Fußballer kickte Hugo Weissel beim FC Tremmersdorf und schloss sich nach dessen Auflösung 1952 dem SC Eschenbach an. Seine Sportfreunde sorgten dafür, dass die junge Familie 1953 vom „Herllenz’n“ nach Eschenbach umziehen konnte. 1964 schaffte sie den Einzug ins eigene Heim in Apfelbach. Gerne erinnert sich Margitta Weissel an die familiäre Atmosphäre unter den damaligen Fußballern. Ihr Hugo war 18 Jahre lang als Chef der Abwehr eine feste Stütze in der SCE-Elf. Die Jubilarin sang 40 Jahre im evangelischen Kirchenchor, arbeitete über Jahrzehnte im Bastelkreis mit, schmückte 16 Jahre die Kreuzkirche und führte 15 Jahre den Kiosk auf dem städtischen Campingplatz Großkotzenreuth, der nach dem Anbringen einer Malerei die Bezeichnung „Hexenhäusl“ erhielt. Ein schwerer Schicksalsschlag traf sie vor elf Jahren mit dem Tod ihres Ehemannes.

Zu den Gratulanten gesellten sich neben den beiden Söhnen, vier Enkeln und drei Urenkeln auch dritter Bürgermeister Klaus Lehl, Seniorenbeauftragter Udo Müller, Walter Trötsch als Vertrauensmann der evangelischen Kirchengemeinde und Laura Künneth als Repräsentantin der Sparkasse. In geselliger Runde schwärmte die Jubilarin von ihren vielen erlebnisreichen Reisen und verbrachte einen schönen Tag mit ihren Liebsten.

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