Hat es Auswirkungen auf das Wahlergebnis, wenn man auf Plakate im Wahlkampf verzichtet? Dieses Experiment haben auf lokaler Ebene in Sulzbach-Rosenberg die Freien Wähler Umland (FWU) gestartet. Als einzige der acht Parteien bzw. Wählervereinigungen, die bei der Kommunalwahl im März für den Stadtrat antraten, verzichteten sie darauf, die Gesichter ihrer Kandidaten auf Plakaten in der gesamten Stadt zu präsentieren. Der kommunalpolitische Verein beschränkte sich auf Flyer sowie auf Wahlkampf in den sozialen Medien.
Natürlich gingen die FWU dabei auch ins Risiko. Weniger Sichtbarkeit – weniger Wählerstimmen? Wir haben bei Fraktionsvorsitzendem Michael Schulz nachgefragt, ob die FWUler mit ihrem Ergebnis zufrieden sind, welche Lehren sie ziehen und ob sie das Thema in der Stadt politisch weiter bespielen und damit auch andere Parteien motivieren wollen, ihrem Weg zu folgen.
Zwei Sitze: Schulz und Schmalzl
Zunächst zum Wahlergebnis: Die Freien Wähler Umland haben beim Urnengang im März mit einem Plus von 0,1 Prozent minimal besser abgeschnitten als bei der vorherigen Kommunalwahl. Im März 2020 bekamen sie in Sulzbach-Rosenberg 8,8 Prozent der Stimmen, diesmal waren es 8,9 Prozent. Damit stehen sie nach CSU, SPD und SURO2030 auf Platz vier der insgesamt acht Wahlvorschläge und konnten ihre zwei Sitze im Stadtrat halten. Bislang saßen Michael Schulz und Alexandra Ottmann (kandidierte nicht mehr) für die FWU im Gremium, künftig sind es Michael Schulz und Uli Schmalzl.
Schulz sagt, um Umweltschutz sei es den FWU eigentlich gar nicht so sehr gegangen. "Das war für uns zweitrangig." Zuvorderst wollten sie nicht mehr dazu beitragen, die Bürger mit einer Plakatflut zu nerven. "Die meisten haben uns gesagt, sie können mit so vielen Gesichtern auf den Plakaten, gerade bei einer Autofahrt, überhaupt nichts anfangen." Die FWUler stellten ihre Kandidaten dafür ausführlich in den sozialen Medien vor, zum Beispiel auf Instagram, verteilten Flyer und suchten das persönliche Gespräch.
Sie haben nun bei der Wahl zwar nicht wirklich hinzugewonnen, wurden aber auch nicht abgestraft. "Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, vor allem mit den Einzelbewertungen unserer Kandidaten", sagt Michael Schulz. "Ich habe meine Stimmen verzweieinhalbfachen können und Uli Schmalzl hat 500 Stimmen mehr bekommen als ich, als ich 2020 zum ersten Mal kandidierte." Der selbstständige Elektromeister weiter: "Wir freuen uns, dass wir wieder zwei Sitze erhalten haben, im Gegensatz zu SPD, Grüne und FDP/FWS, die je einen Sitz verloren haben."
Etwas an CSU "durchgesickert"?
Die Frage ist nun aber: Hat sich das Nicht-Plakatieren gelohnt? Bekamen die FWU dadurch mehr Stimmen bzw. hätten sie mit Plakaten noch mehr Stimmen bekommen? "Wir haben intern eine Wahlanalyse gemacht. Wir tun uns ehrlicherweise schwer, zu bewerten, ob uns das nun Stimmen gebracht hat. Was wir aber wissen ist, dass es uns Sympathien gebracht hat. Denn sowohl auf Social Media als auch im persönlichen Gespräch haben uns alle in unserem Kurs bestätigt."
Es ist jedoch nicht so, dass die Freien Wähler Umland die einzigen wären, denen das Thema am Herzen liegt. Bereits im November 2025 – vier Monate vor der Wahl – hat die CSU/JU-Fraktion im Stadtrat den Antrag eingebracht, die Flut an Wahlplakaten zu begrenzen, indem nicht mehr an Einzelstandorten, "sondern stattdessen alle Parteien und Wählergruppierungen an fünf bis zehn zu schaffenden Stellen an einer Plakatleinwand gleichmäßig verteilt Plakate anbringen".
Ist es vielleicht so, dass die Freien Wähler Umland sich von dem CSU-Antrag haben inspirieren lassen? Nein, wenn dann sei vielleicht eher das Gegenteil der Fall, sagt Michael Schulz. "Wir haben bereits im September 2025 beschlossen, dass wir nicht mehr plakatieren wollen. Deshalb waren wir, ehrlich gesagt, ein bisschen überrascht, als dann im November die CSU den Antrag gebracht hat. Ich weiß nicht, ob da bei uns was durchgesickert ist oder es an etwas anderem liegt."
Wie geht es weiter?
Letztlich tut das aber auch kaum was zur Sache, denn das Ziel – den Plakatdschungel reduzieren und auf den Wunsch der Bürger nach weniger Reizüberflutung eingehen – ist identisch, allerdings war die Herangehensweise verschieden. Während die CSU über den Antrag versuchte, alle Parteien ins Boot zu holen, wollten die FWU nicht länger warten und haben für sich entschieden, überhaupt nicht mehr zu plakatieren. Denn der CSU-Antrag wurde, weil es schon zu knapp vor der Wahl war, zur Beratung in den Hauptausschuss verwiesen – und dort dümpelt er seitdem vor sich hin.
Gerät das Plakat-Thema nun dort in Vergessenheit, bis es kurz vor der nächsten Wahl wieder aus der Schublade gezogen wird? Womöglich so spät, dass erneut nicht mehr rechtzeitig reagiert werden kann? Das wollen die FWUler verhindern. "Für uns ist das Thema nicht gegessen. Ich werde im Hauptausschuss nachhaken, was der Stand ist." Zugleich relativiert Schulz aber die Sache auch. "Wir haben noch ein paar andere, wichtige Dinge zu besprechen, die auch eine Rolle spielen." Heißt wohl: Es sollte rechtzeitig vor der nächsten Wahl geklärt werden, aber alles andere deshalb stehen und liegen lassen müsse man jetzt auch wieder nicht.
Gespartes Geld kriegen Vereine
Durch ihre Aktion haben die FWU übrigens circa 120 Plakate eingespart – so viele hatte der kommunalpolitische Verein bei der letzten Wahl 2020 aufgehängt. Das eingesparte Geld, so kündigten sie vor der Wahl an, wolle man örtlichen Vereinen zugute kommen lassen. Nun steht fest, wer das Geld erhält. Laut Fraktionsvorsitzendem Schulz handelt es sich um insgesamt 1500 Euro, drei Vereine erhalten jeweils 500 Euro:
- Technisches Hilfswerk (THW) für die Jugendarbeit
- Wasserwacht (ebenfalls für die Jugendarbeit, unter anderem als Unterstützung für den Bademeisterdienst im Waldbad)
- MEINE (Menschen in Not erreichen): Bedürftige sollen von einem Grill/Barbecue-Stand ein leckeres Essen bekommen
Durch den Verzicht auf die Plakate seien die 1500 Euro jedoch nicht zustande gekommen, gibt Schulz offen zu. "Wir haben das ordentlich aufgestockt. Durch die Plakate allein haben wir circa 450 Euro gespart." Ganz direkt: "Aber es schaut ja auch blöd aus, wenn wir jedem Verein bloß 150 Euro geben, also haben wir aufgerundet."


















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