Sulzbach-Rosenberg
20.02.2026 - 10:07 Uhr
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Freie Wähler Umland gehen ins Risiko und machen Wahlkampf ohne Wahlplakate

Sie wissen selbst, dass es ein Wagnis ist: Die Freien Wähler Umland (FWU) Sulzbach-Rosenberg treten bei der Kommunalwahl an – im Gegensatz zu anderen Parteien aber ohne eigene Plakate. Sie wollen die Wähler nicht nerven und neue Wege gehen.

Der Schutz der Umwelt spiele auch eine Rolle, aber vor allem gehe es darum, eine Plakatflut zu verhindern und wieder stärker auf die Wünsche der Wähler zu hören – diesen gefalle es nämlich gar nicht, wenn ihnen im Wahlkampf gefühlt an jeder zweiten Laterne die Köpfe von Kandidaten entgegenblicken, sagt Peter Böhm. Der 43-Jährige ist Vorsitzender der FWU Sulzbach-Rosenberg und kandidiert selbst für den Stadtrat.

Aber Plakate von ihm und seinen Mit-Kandidaten sieht man in der Stadt trotzdem nicht. Die FWUler haben sich nämlich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Als einzige der insgesamt acht Parteien oder Wählervereinigungen, die in den Stadtrat wollen, werben sie für sich nicht mit Wahlplakaten.

"Wenn wir immer gesagt bekommen, dass wir die Umwelt schonen müssen, und zugleich von den Leuten hören, dass sie die Plakatflut nervt, dann muss man etwas unternehmen. Wir wollen deshalb bewusst einen anderen Weg einschlagen", sagt Böhm gegenüber Oberpfalz-Medien. Auf der Jahreshauptversammlung habe er den Mitgliedern des FWU-Ortsverbandes diesen Vorschlag unterbreitet – und das sei angenommen worden. Das Geld, das so eingespart wird, wollen die FWU nicht im eigenen Kreis belassen, sondern komplett an lokale Verein spenden. Welche, steht noch nicht fest und soll nach der Wahl bekanntgegeben werden.

Strategie in Sitzung besprochen

Die FWU wissen, dass diese Strategie nicht frei von Risiko ist. Zwar lässt sich heutzutage ein Großteil der Bürger im Internet mithilfe sozialer Medien erreichen, dort können die eigenen Inhalte auch viel ausführlicher und besser präsentiert werden, als dies jemals auf einem Plakat möglich wäre. Dennoch verlieren die FWU Umland an Sichtbarkeit. Bei der letzten Kommunalwahl waren es laut Böhm immerhin 120 Plakate, mit denen die Wählergruppe für sich geworben und versucht hat, Bekanntheit zu erlangen. 2020 erhielten die Freien Wähler Umland knapp neun Prozent, das reichte für zwei Sitze im Stadtrat – derzeit mit Michael Schulz (kandidiert wieder) und Alexandra Ottmann (kandidiert nicht mehr) besetzt. Diese Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, fällt nun weg. Was also, wenn das schief geht und das Wahlergebnis deutlich einbricht?

Dazu sagt Peter Böhm: "Eine gewisse Unsicherheit haben wir. Aber wenn man nichts riskiert, kann man auch nichts verändern. Wir haben auf unserer Sitzung offen darüber gesprochen. Sollten wir wirklich deutlich schlechter abschneiden, dann ist das vermutlich nicht auf die Plakate zurückzuführen. In diesem Fall müssen wir auf die Leute zugehen und sie fragen: Warum mögt ihr uns nicht mehr?" Der selbstständige Mediengestalter berichtet, er würde bei skeptischen Bemerkungen dazu immer fragen: "Haben Sie irgendwann schon mal jemanden gewählt, nur, weil Sie ihn auf einem Plakat gesehen haben?" Das sei doch sehr unwahrscheinlich.

Instagram und Facebook

Böhm weiter: "Mal offen gesprochen, im Kommunalwahlkampf, man kennt sich doch. Man muss irgendwann anfangen, und wenn es nur kleine Schritte sind, wieder auf die Bürger zuzugehen. Wir haben immer mehr extreme Kräfte, da müssen wir uns in der Politik trauen, uns zu bewegen." Die FWU-Mitglieder seien alle stark vernetzt, im Gespräch mit unzähligen Stadtbewohnern – und: "Wir haben bislang ausschließlich positive Rückmeldungen", berichtet der 43-Jährige. Dies bestätige sie in ihrem Kurs.

Der Verzicht auf die Plakate bedeutet umgekehrt natürlich nicht, dass die FWU keinen Wahlkampf machen und mit ihren Positionen werben würden – sie tun das mittlerweile nur eben nicht mehr auf Papier, sondern entweder im persönlichen Gespräch oder konsequent im Internet. "Wir nutzen dafür vor allem Facebook und Instagram. Aber man muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen, riesige Tiktok-Kampagnen machen wir nicht." Auf Instagram präsentieren sich die FWU-Kandidaten mit persönlichen Videos. "Wir wollen in diesen Videos den Wählern zeigen, wie unsere Kandidaten wirklich sind, sie in ihrem persönlichen Umfeld, bei ihrem Beruf vorstellen. Wir sind alles keine Medienprofis, keine Berufspolitiker, sondern normale Leute."

Schulz: "Kein schlechtes Gefühl"

Außerdem gebe es auf der Internetseite der Sulzbach-Rosenberger FWU einen "digitalen Kummerkasten". Hier könne jeder, auch anonym, seine Wünsche, Anregungen oder Sorgen, was er auf kommunaler Ebene gerne ändern würde, vorbringen. "Oder ganz einfach auch mal nur Dampf ablassen und sagen, was einen stört", erklärt Böhm.

Auch Michael Schulz steht hinter der Entscheidung, auf Plakate zu verzichten. Der Elektromeister sitzt als FWU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und will da auch wieder hinein – er hat also durchaus was zu verlieren. Doch Schulz sagt: "Grundsätzlich habe ich dabei kein schlechtes Gefühl, weil wir uns in der letzten Periode im Stadtrat gut präsentiert haben. Außerdem bin ich auch beruflich sehr viel unterwegs und mit der Bevölkerung im Kontakt, ich erfahre viel Zustimmung." Deshalb glaubt auch Schulz, dass ein Verzicht auf die Plakate verkraftbar ist – "die sind letztlich einfach nicht mehr zeitgemäß".

"Denkanstoß" für andere Parteien

Die Freien Wähler Umland hoffen, mit ihrer Aktion nicht nur bei den Wählern gut anzukommen. "Wir wollen damit auch den anderen Parteien einen Denkanstoß geben", sagt Peter Böhm. Bei überregionalen Wahlen sei das unrealistisch, aber bei der nächsten Kommunalwahl "könnten alle Parteien zusammen eine Plattform nutzen und sich dort präsentieren. Man muss nicht die selben Inhalte haben, darum geht es nicht. Aber jeder hat eigene Flyer, eigene Broschüren, warum nicht in einer großen Broschüre alle Kandidaten aller Parteien zusammenfassen, gemeinsam präsentieren?"

Im November 2025 wurde bereits im Stadtrat darüber diskutiert, den Plakatdschungel zu begrenzen. Die CSU brachte damals einen Antrag ein, dass die Parteien nicht mehr einzeln plakatieren, sondern sich an wenigen, großen, Plakatleinwänden gemeinsam präsentieren sollten. Das hat sich vor der Wahl nicht mehr umsetzen lassen, es wurde damals zur genaueren Prüfung in den Hauptausschuss verwiesen. Ziel ist es, dies bis zur nächsten Wahl zu klären. Die Freien Wähler Umland wollten so lange nicht mehr warten und haben mittlerweile ihre eigene Lösung gefunden.

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