Eschenbach
08.05.2020 - 14:18 Uhr

Marienverehrung in Zeiten von Corona

Unter allen Monaten hat der Mai den besten Ruf: Wonnemonat. Eigentlich eine lebensbejahende Zeit mit vielen Bräuchen und der Verehrung der Gottesmutter als "Maienkönigin". Wenn da nicht die Coronakrise wäre.

Die Eschenbacher Gößweinstein-Wallfahrer ziehen stets mit der Mutter der Gnade im Wallfahrer-Bild gen Gößweinstein. Heuer jedoch nicht. Bild: do
Die Eschenbacher Gößweinstein-Wallfahrer ziehen stets mit der Mutter der Gnade im Wallfahrer-Bild gen Gößweinstein. Heuer jedoch nicht.
Die Mariensäule gibt dem Eschenbacher Marienplatz seinen Namen. Seit der letzten Restaurierung im Zuge der Altstadtsanierung 1999 erstrahlt die Säule in neuem Glanz. Bild: do
Die Mariensäule gibt dem Eschenbacher Marienplatz seinen Namen. Seit der letzten Restaurierung im Zuge der Altstadtsanierung 1999 erstrahlt die Säule in neuem Glanz.

„Im Galarock des heiteren Verschwenders, ein Blumenzepter in der schmalen Hand, fährt uns der Mai, der Mozart des Kalenders, aus seiner Kutsche grüßend, über Land“, schreibt Erich Kästner und eine Volksweise bestätigt: „Alles neue, macht der Mai, macht die Seele frisch und frei.“ Die Natur zeigt sich gerade im Mai von seiner ganzen Schönheit und auch die Menschen sollten erfüllt sein von der Freude am Leben. Diese Lebenslust ist derzeit aber leider stark eingeschränkt. Denn die Menschheit wird vom Katastrophenszenario des Coronavirus beherrscht.

Aus diesem Grund entfallen derzeit die meisten Bräuche, die in der Maienzeit gepflegt und gelebt werden. Unverrückbar bleibt der Mai allerdings als Marienmonat. Im Zeichen der Corona-Pandemie besteht für die Marienverehrer sogar doppelter Grund, die Mutter der Gnade anzurufen. In einem der vielen Marienlieder heißt es: „Oft hat in schicksalsschwerer Zeit, dein gläubig Volk sich dir geweiht.“

Auch das Eschenbacher Land ist Marienland. Die Verehrung der Schutzfrau Bayerns hat gerade im Raum Eschenbach eine besondere historische Bedeutung. Seit Jahrhunderten prägt marianische Spiritualität das kirchliche Leben in Stadt und Land. Vorbild war die Entscheidung des Königreiches Bayern, Maria in aller Form und Feierlichkeit zur Landesherrin zu erheben. Maria hat geholfen, hieß es schon früh. Dieser prägende Satz gilt auch heute noch. Auf dem Hauptplatz der Residenz in München wurde die berühmte Mariensäule zum Sinnbild der Beschützerin Bayerns und damit aller Landesteile, der Gemeinden und der Menschen. Die Patrona Bavariae auf der Münchener Mariensäule ist die Mitte des bayerischen Landes. Von dieser Stelle aus sind auch alle Wege in Bayern vermessen.

In der ehemaligen Kreisstadt Eschenbach äußerte sich die Rolle Mariens im Glauben und Leben nachweisbar seit Beginn des 18. Jahrhunderts nicht nur in marianischen Festen und Gedenktagen, in Wallfahrten, Bittgängen und Maiandachten. Die Gläubigen schufen sich zum Teil bemerkenswerte Orte der Andacht und Anbetung. Marianische Symbole entstanden, zum Beispiel die Eschenbacher Mariensäule am Marienplatz als Abbild des Münchener Monuments, die Maria-Hilf-Bergkirche, der golden glänzende Marienaltar in der Stadtpfarrkirche und die Mariengrotte.

Die Benennung der unteren Stadt zum Marienplatz, Kapellenbauten, zum Beispiel in Thomasreuth und Breitenlohe, Bildstöcke und Marterln zeugen von der tiefen Verehrung der Schutzfrau Bayerns. Die Beweggründe für die Errichtung dieser Denkmäler waren vielfältig. Etwa Rettung aus Not oder schwerer Krankheit oder Dankbarkeit nach Rückkehr aus einem Krieg: die kleinen Schätze sind noch heute berührende Botschaften gegen Vergessen und Vergänglichkeit.

Für Speinshart ist es die Stiftskirche Maria Immaculata und das Rosenkranzfest, für Eschenbach ist Kristallisationspunkt marianischer Verehrung die Maria-Hilf-Bergkirche. „Vor dem oberen Tor“ errichteten laut Unterlagen im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg einige Bürger im Zusammenhang mit den Turbulenzen des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648), geprägt in einer Zeit der Gewalt, von Hungersnöten und Krankheiten eine „Martersäule“ mit Marienbild. An gleicher Stelle entstand ab 1771 eine Wallfahrtskirche.

Bald danach stand das Gnadenbild „Maria Hilf“ als Herzstück des Hochaltars in einem Verzeichnis marianischer Wallfahrtsorte in Deutschland. Eine rege Wallfahrt setzte ein. Das wertvolle Gnadenbild soll bereits zwischen 1673 und 1680 entstanden sein. Als Vorlage diente laut Kirchenführer das Marienbildnis von Lucas Cranach in der St. Jakobskirche in Innsbruck und eine Kopie dieses weltberühmten Kunstwerks aus der Mariahilfe-Bergkirche in Amberg. Die Eschenbacher ergänzten „ihre“ Kostbarkeit mit einer Fürbitte: „Mit deiner Hilf sieh uns an, Hunger, Krieg, Pest wend' hintan, vom Feind beschütze uns fortan, in Todesnot nimm dich unser an.“

In der Stadtpfarrkirche widmeten die Eschenbacher der Mutter Gottes einen Seitenaltar. Der Altar besaß als Zentrum eine barocke Maria mit Kind im Strahlenkranz. Der historische Marienaltar wurde in den 1960er Jahren Opfer der liturgischen Neuausrichtung nach dem II. Vatikanischen Konzil. Nur die Figur der Maria mit Jesuskind überlebte. Sie ist nun Mittelpunkt des neuen Seitenaltars, der 2008 nach großzügigen Spenden neu errichtet wurde.

Im Rahmen der Altstadtsanierung konnte am 2. Juli 1999 die Mariensäule nach gründlicher Restaurierung gesegnet werden. Die stadtbildprägende Säule verleiht dem Marienplatz auch seinen Namen. Historisch sicher sind die Jahre der Entstehung. Auf dem Sockel ist die Jahreszahl 1720 eingemeißelt. Die Marienfigur stammt nachweisbar aus dem Jahr 1788. Die Säule steht seit der Altstadtsanierung auf einem neuen, imposanten Sandsteinsockel. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurden Sternenkranz und Blumenzweig der „Schutzfrau Eschenbachs“ neu vergoldet und die Inschrift des Säulensockels neu herausgearbeitet. Übersetzt wünscht sich die Stadt: „Die unbefleckte Empfängnis der liebreichen Jungfrau Maria sei uns Heil und Schutz.“

Regen Zuspruch erfährt die Mutter Gottes in der Lourdesgrotte neben dem Choraufgang zur Stadtpfarrkirche. Sie wurde 1905 nach dem Vorbild des weltberühmten Marienheiligtums in Lourdes errichtet. Auch in der Friedhofskirche steht die heilige Maria im Mittelpunkt. Den Altar, um 1800 entstanden, schmückt das Bild der schmerzhaften Mutter. Auch die Marienkapellen, Bildstöcke, Marterln und die Madonnenbilder und Figuren an mancher Hausfassade und in Mauernischen gehören zu den Zeitzeugen tiefer Marienverehrung. Die Thomasreuther setzten schon im Jahr 1700 mit dem Bau eines Kirchleins ein großes Ausrufezeichen von Volksfrömmigkeit. Die Kapelle gehört wohl weit und breit zu den ältesten Wahrzeichen der Marienverehrung. Das steinerne Altarbild zeigt die heilige Familie auf der Wanderschaft. Traditionell beginnen die Maiandachten am 1. Mai in Thomasreuth. In Breitenlohe errichtete die Familie Graf 1987 an exponierter Stelle eine Marienkapelle. Außerhalb der Stadtgrenzen ist besonders die Haarkapelle, am Rande des Naturschutzgebietes Eschenbacher Weiherkette gelegen, ein Kristallisationspunkt der Marienverehrung. Bildstöcke mit Madonnenbildern, meist aus mächtigen Kiefernstämmen gesägt, laden Wanderer und Naturfreunde in die Stille des oberen und unteren Stadtwaldes zur Andacht und Entschleunigung ein. Zudem ermuntern im Generationenpark und in Apfelbach Bildstöcke zur Verehrung der Gottesmutter.

Auch Reliefs und kleine Statuen an Hausfassaden und in Mauernischen erinnern an die Anliegen der Gläubigen. So befindet sich in der Hausfassade des Gasthofs Burger ein besonders farbenprächtig gefasstes Maria-Hilf-Relief mit einem Anruf Mariens: „O Maria hielff, verlass uns nit. Hier zeitlich undt dorth ewiglich.“ An der Südseite des „alten Schlosses“, heute das ehemalige Landratsamt, ist eine künstlerisch interessante Darstellung von St. Anna, der Mutter Mariens und Maria mit dem Jesuskind zu finden. Das Hochrelief aus Stein stammt aus der Zeit um 1530.

All diese steinernen und künstlerischen Zeugnisse bestätigen: Die Wertschätzung der Gottesmutter als „Helferin in aller Not“ ist im Eschenbacher Land ein Stück gelebte Heimat. Leider verhindert die Coronakrise in diesem Jahr öffentliche Huldigungen der „Himmelskönigin“, etwa mit Maiandachten, Lichterprozessionen und Wallfahrten. Umso bewusster werden die Gläubigen derzeit zur Patrona Bavariae aufschauen, um sich und die Heimat unter den Schutz der Mutter des Herrn zu stellen.

Ein Muss für gläubige Wanderer ist ein Innehalten vor der Haarkapelle. Bild: do
Ein Muss für gläubige Wanderer ist ein Innehalten vor der Haarkapelle.
Die Maria-Hilf-Bergkirche in Eschenbach war über Jahrhunderte Zentrum einer Wallfahrtstradition. Noch heute steht das barocke Gotteshaus im Mittelpunkt der Marienverehrung. Das wertvolle Gnadenbild ist eine Kopie der Mariendarstellung von Lucas Cranach. Bild: do
Die Maria-Hilf-Bergkirche in Eschenbach war über Jahrhunderte Zentrum einer Wallfahrtstradition. Noch heute steht das barocke Gotteshaus im Mittelpunkt der Marienverehrung. Das wertvolle Gnadenbild ist eine Kopie der Mariendarstellung von Lucas Cranach.
Auch geschichtsreiche Kirchlein laden zum marianischen Gebet, wie zum Beispiel die schon 1770 erbaute Kapelle in Thomasreuth. Bild: do
Auch geschichtsreiche Kirchlein laden zum marianischen Gebet, wie zum Beispiel die schon 1770 erbaute Kapelle in Thomasreuth.
1905 entstand die Lourdes-Grotte in Eschenbach. Bild: do
1905 entstand die Lourdes-Grotte in Eschenbach.
Auf dem Eschenbacher Stadtberg begegnet man vielen Zeugnissen der Mutter Gottes-Verehrung. Auffallend ist zum Beispiel das farbenfrohe Relief an der Nordfassade des Gasthofes Burger. Bild: do
Auf dem Eschenbacher Stadtberg begegnet man vielen Zeugnissen der Mutter Gottes-Verehrung. Auffallend ist zum Beispiel das farbenfrohe Relief an der Nordfassade des Gasthofes Burger.
Viele Marterln und Bildstöcke zeugen im Eschenbacher Land von der Verehrung der Mutter Gottes. Unser Bild zeigt ein Marterl bei Tremmersdorf. Bild: do
Viele Marterln und Bildstöcke zeugen im Eschenbacher Land von der Verehrung der Mutter Gottes. Unser Bild zeigt ein Marterl bei Tremmersdorf.
Bayern24.04.2020
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