03.11.2019 - 15:39 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Pfadfinder-Romantik" im Nagaland

Die Regenzeit ist vorbei, die Moskitoplage nimmt zu, und die Internat-Buben feiern mit Wespenlarven, Seidenraupen, Schnecken und Schweinefleisch. Zubza im indischen Nagaland bereitet sich auf die Reisernte vor. Mittendrin: ein Eschenbacher.

Hans Rupprecht (rechts) mit einem Teil der Schulgeld-Patenkinder vor dem "Childrens's Park Eschenbach" im Nagaland.
von Walther HermannProfil

Seit zwei Monaten lebt Hans Rupprecht in den Ausläufern des Himalayas. Aus dem Nagaland, das im Laufe der Jahre nahezu zu seiner „zweiten Heimat“ geworden ist, meldet sich der Entwicklungshelfer mit einem längeren Zwischenbericht. Er schreibt von Erdrutschen und unpassierbaren Straßen und räumt ein: „Für europäische Verhältnisse unvorstellbar, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.“ Die lange Regenzeit war für ihn deswegen mehr als hinderlich, weil „im Außenbereich ein geregeltes Arbeiten ständig durch mehr oder minder lange Regenfälle unterbrochen wurde“ und manche Regenschauer vorausgegangene Arbeiten zunichte machten. Doch die Natur belohne dafür durch sattes Grün, und der Rückgang der Wassermassen im nahen Fluss habe bereits den Vorteil, „dass das normale Brauchwasser wieder eine ‚fast klare‘ Farbe bekommen hat“.

Dem Rückgang der Temperaturen auf rund 25 Grad bei Tag und maximal 15 Grad bei Nacht schreibt es Rupprecht zu, dass viele Nagas bereits dicke Jacken und Mützen tragen und in den Bambushütten oft die ganze Nacht das Feuer brennt. Da sich die wenigsten ein Bett leisten können, wird fast ausschließlich auf gestampftem Lehmboden geschlafen – die ganze Familie unter einer Decke.

Zum Hauptnahrungsmittel Reis erzählt er, dass in den Reisparzellen die Wasserzufuhr bereits unterbrochen ist, die Parzellen trocken gelegt werden, die Ähren schwer nach unten hängen und deren Grün bereits in Goldgelb übergeht. Er rechnet damit, dass bald mit der ersten Ernte begonnen werden kann. Zum „Greenhouse“ der Don-Bosco-Station berichtet er: „In dem Gewächshaus sind die Papayas reif und die darunter angebauten Tomaten, Gurken, Radieschen und der Salat sind größtenteils erntefähig.“ Die Eschenbacher Sämereien zeigen Erfolg.

Mit einer Erfolgsnachricht wartet er auch zu dem von ihm geschaffenen „Childrens‘ Park Eschenbach“ auf: „Die Wände der Einfriedung erstrahlen wieder in frischen Farben, und die Spielgeräte sind wieder einsatzbereit. Hier waren einige Schweißarbeiten von Nöten, da vor allem die Nagajungs nicht zimperlich mit den Gerätschaften umgehen.“ Erfreut zeigt er sich über die Nachricht des verantwortlichen Paters der Don-Bosco-Werkstatt, nach der das von ihm bestellte Kinderkarussell auf jeden Fall noch vor seiner Heimreise fertiggestellt sein wird. Für ihn ist es wichtig, dass vor der Anlieferung das Betonfundament ausgehärtet ist und er noch ausreichend Zeit hat, Schweißgrate abzuschleifen und das Karussell zu bemalen.

Für den bevorstehenden „Kulturtag“ studieren die Kinder bereits seit Wochen Lieder und Tänze ein. Mit dieser Nachricht kündigt Rupprecht den Besuch einer Abordnung aus Weisendorf bei Erlangen an, dem Initiator der Zubza-Aktionen. Er weiß auch von Briefen, die ein Großteil der Patenkinder bereits für die Pateneltern in Eschenbach geschrieben hat. Einige sollen sogar ein kleines Gegengeschenk enthalten.

Seine derzeitige Haupttätigkeit sieht Rupprecht im „wunderschönen Garten“ der Little-Flower-Schwestern in deren angrenzenden Konvent und berichtet dazu: „Ich vermittle einer jeweils kleinen Gruppe, wie diverse Sämereien ausgebracht werden müssen, wann die beste Zeit dafür ist, und bringe ihnen bei, wie man Rosen und Weinreben richtig schneidet und pflegt. Die Schwestern betreiben einen ‚kleinen Handel‘ mit den für sie ‚exotischen Blumen‘ aus Deutschland.“

Eine Frohbotschaft kommt aus dem nahen Noviziat, weil die vom Projekt „Hand in Hand fürs Nagaland“ gesponserte Warmwassersolaranlage rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit installiert wurde und auch einsatzbereit ist. Die Novizen haben dadurch erstmalig die Möglichkeit, sich im kalten Winter mit warmem Wasser zu waschen.

Als ehemaliger Pfadfinder führt Rupprecht nach dem „Wespenlarven-Gericht“ eine Internatsklasse nochmals zu einem Erlebnisaufenthalt ins Dzueleketal und schreibt dazu: „Aus dem vorbeifließenden Bach wurde Wasser zum Kochen geholt, und nach knapp drei Stunden war aus den mitgebrachten Lebensmitteln ein köstliches Essen gezaubert. Die Jugendlichen genossen das Nass des Baches zum Baden und hatten auch noch das Glück, einige wilde Büffel zu sehen. Pfadfinder-Romantik pur.“

Die Don-Bosco-Novizen strahlen und freuen sich mit Novizenmeister Joseph (Mitte) über die Installierung der Warmwassersolaranlage noch vor der Winterzeit, die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt bringt.
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