02.12.2019 - 10:35 Uhr
EschenbachOberpfalz

Revierförster warnt vor Eichenprozessionsspinner

Nach der Waldbegehung des Stadtrats benannte Revierförster Martin Gottsche die Klimaveränderung als „Urheber“ aller aktuellen Probleme in den heimischen Wäldern. Dazu zählte er auch das Gefahrenrisiko durch den Eichenprozessionsspinner.

Bei einem Informationsgang im Juli dieses Jahres warnte Martin Gottsche bereits vor dem Entfernen derartiger Gespinstsäcke ohne passende Schutzkleidung. Die in den Härchen enthaltenen Proteine können auch nach fünf Jahren noch starke Allergien hervorrufen.
von Walther HermannProfil

Gottsche berichtete von gezielten Absaugaktionen, insbesondere in Naherholungsbereichen wie Rußweiher und Obersee. Er riet, die vom Eichenprozessionsspinner ausgehenden gesundheitlichen Risiken nicht zu unterschätzen und warnte nachdrücklich vor den Härchen der Raupen. Er schrieb ihnen eine lange Risiko- und Wirkungsdauer zu, sah in den Gespinsten ein mehrjähriges Problem und gab seinen Zuhörern Verhaltensmaßregeln mit. Befallen von den Spinnern seien vor allem freistehende Solitärbäume mit viel Sonneneinstrahlung.

Da wegen lang anhaltenden niederschlagsarmen Zeiten vielfach Bäume im Randbereich von Straßen absterben, erinnerte er an die allgemeine Verkehrssicherungspflicht. Dazu gehörten regelmäßige Kontrollgänge als Vorlauf zu eventuell erforderlichen Fällaktionen.

Der Jungholzpflege mit Herausnahme von Schwachholz maß er einen hohen Stellenwert bei. Ziel sei es, verbleibende Stämme zu stärken und ihnen die Bodenfeuchtigkeit zu belassen. Gottsche sprach von einer Fläche von 25 Hektar, die im Stadtwald gepflegt wurde, „um nach circe 85 Jahren schlagreife Bäume zu erhalten“. Mulcharbeiten in Waldbeständen gab er den Beinamen „Klimaretter“. Der Forstmann begründete dies damit, dass durch derartige Maßnahmen die „Konkurrenz Beerenkraut“ wegfalle und die entstandene Mulchauflage Feuchtigkeit und Wasser speichere.

„Wo wächst weltweit eine Baumart, die unseren Klima- und Witterungsverhältnissen angepasst ist?“ Mit dieser Frage verband Gottsche auch das Bestreben, mit verschiedenen Baumarten zu experimentieren. Er war überzeugt, dass bei einer Zunahme der Durchschnittstemperatur um bis zu fünf Grad, „Fichte und Kiefern weg“ sind. Als Alternative nannte er unter anderem Libanonzeder und Esskastanie. Für erforderlich hielt er es zudem, alle Förderprogramme zu nutzen und „nicht auf 2, sondern auf bis zu 30 verschiedenen Füßen zu stehen“. Eine gute Mischung sei das Gebot der Stunde.

Da der Holzmarkt in diesem Jahr mit Sturm- und Käferholz übersättigt ist, informierte Gottsche Bürgermeister und Stadträte über die deutlich herabgesetzte Holznutzung im Stadtwald. Als erfolgreiche Sondermaßnahme bezeichnete er die Bereitstellung von Stangen für die Hopfenanlagen der Hallertau. Da es außer der Entnahme von Rechtholz „keine größeren Hiebe“ geben wird, sagte er zwar einen deutlichen Rückgang von Einnahmen für den kommunalen Haushalt, Bereich Forstwirtschaft, voraus, „besänftigte“ die Mandatsträger jedoch mit konkreten Hinweisen zu Fördermaßnahmen für den Stadtwald.

Staunen machte sich breit, als Gottsche einen Einblick in das Ausgleichsflächenmanagement gewährte und von 50 Hektar Ökoausgleichsflächen sprach. Vielsagend fiel sein Kommentar dazu aus: „Dort sieht es zum Teil vogelwild aus.“ Artenschutz hielt er für wichtig für die Zukunft und nannte als schützenswert im Stadtwald unter anderem Habichtskauz, Kreuzotter und Sonnentau. Er rief dazu auf, mit der Ansichtspostkarte „Grüße aus der Adlerstadt Eschenbach“ für Eschenbach Werbung zu machen und überraschte mit der Aussage: „Der Fischadler hat sich bereits bei meinem Kollegen in Cadiz zum Überwintern gemeldet.“ Der Forstmann blieb beim Artenschutz, als er über eine Auszeichnung mit Urkunde durch Umweltminister Thorsten Klauber berichtete, mit der Stadt und Waldjugend zum „Natura-2000-Paten“ ernannt werden. „Wir werden international beäugt“, ließ er durchblicken.

Die Frage von Korbinian Dunzer zur Größenordnung des kommunalen Holznachwuchses beantwortete Gottsche mit konkreten Zahlen: „Jedes Jahr wachsen 3000 Festmeter nach, der jährliche Hiebsatz beträgt 2500, genutzt wurden 1500 Festmeter – wir bauen Vorräte auf.“ Reinhard Wiesend, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft, ergänzte diese Angaben: „Der Käferholzausfall erreicht nicht die Menge des Zuwachses."

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