26.11.2020 - 10:49 Uhr
EschenbachOberpfalz

Richtige Einstellung bei Rückschlägen: Osman Citir sorgt an Schulen für Lacher und Tränen

Osman Citir ist Comedian und Motivationscoach. Sein Auftritt an drei Schulen im Städtedreieck wird zum Wechselbad der Gefühle: Es wird viel gelacht, gegen Ende flossen aber Tränen.

Rektor Wolfgang Bodensteiner, Troglauer Buam Frontmann Thomas Wöhrl, Schulamtsdirektorin Elisabeth Junkawitsch, Jugendsozialarbeiterin Maria Rübe-Hitzinger und Motivationscoach Osman Citir boten einen eindrucksvollen Vortrag für die Jugendlichen an.
von Stefan NeidlProfil

Osman Citir tritt seit 2012 in ganz Deutschland auf. Seitdem hatte er über 400 Auftritte vor über 200 000 Schülern und Jugendlichen. Sein Programm ist lustig und lehrreich. Besonders eindrucksvoll ist aber seine persönliche Geschichte. Diese erzählte er in den 8. und 9. Klassen der Markus-Gottwaldt-Schule und den Grund- und Mittelschulen in Grafenwöhr und Pressath. Finanziert wurde die Veranstaltung von dem Bundesprogramm "Demokratie leben".

Der gebürtige Türke nimmt kein Blatt vor den Mund. Die eigene Abstammung wie Eigenarten der Schüler nimmt er als Thema für den Einstieg: Wehe dem, der eine Jogging-Hose trägt, was bei pubertierenden Jungen zu peinlichen Situationen im Alltag führen kann. Nationalitäten, Stereotypen und Politik sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Citir sagt selbst: "Lachen öffnet Herzen".

Im zweiten Abschnitt wird es dann schon ernster: Er erzählt von eigenen Erfahrungen im Praktikum beim Heizungsmonteur oder seinem Bekannten. Dieser war schon als Kind begeistert für Elektronik aller Art und wollte dies später zu seinem Beruf machen. Seine Eltern waren dagegen und wollten, dass er studiert, was er dann auch tat. Doch er wurde nicht glücklich - schweren Herzens brach der Bekannte sein Studium ab, begann eine Ausbildung zum Elektriker, wurde ausgezeichnet als Bester seines Jahrgangs. Später machte er seinen Meister, Bachelor und Master.

Heute arbeitet er bei der Formel 1 mit einem sechsstelligen Jahreseinkommen.

Der Motivationscoach fasst zusammen: "Eure Eltern wollen nur das Beste für Euch - Aber was wollt ihr?" Er rief dazu auf, der eigenen Berufung zu folgen, seinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen.

Citir erzählt von Sven, der Coole zu seiner damaligen Schulzeit. Sven machte jeden Unsinn vom Rauchen, über Drogen, bis hin zu frechem Verhalten gegenüber den Lehrern. Sven war aber wie Citir eher ein schlechter Schüler: Am Ende benötigten sie eine drei im Zeugnis um eine bestimmte Schule besuchen zu können. In der entscheidenden Prüfung versagten beide.

Während Sven durchdrehte und einen auf "egal" machte, verhielt sich Citir zurückhaltend. Wegen seiner guten sozialen und mündlichen Leistungen, gab ihm der Lehrer damals die wichtige Note ins Zeugnis. Er deutete auf die Lehrer und erklärte: "Verhaltet Euch immer respektvoll. Am Ende entscheiden die da hinten über Eure Leistung."

An seiner Traumschule für kaufmännische Ausbildung lief Citir aber lieber den Mädchen hinterher, statt zu lernen. So fiel er im ersten Jahr gleich durch. Seine Mutter nahm ihn mit zur Ferienarbeit in ihre große Firma, wo er den ganzen Tag putzen durfte. Am Ende der Ferien gab ihm seine Mutter eine Lektion: Sie müsse das ihr ganzes Leben lang machen, während er die Chance hat, ein besseres Leben zu führen. Diese Chance solle er nicht vergeuden.

Mit Hilfe von Mitschülern verbesserte er seine Noten Aber nicht weil er um Hilfe bat, sondern ihnen Hilfe anbot, um so im Gegenzug deren Hilfe zu bekommen. Citir nannte diese Methode: "Den ersten Schritt wagen"- eine Lektion fürs Leben. So kam er zum emotionalen Finale seiner Show: die Geschichte seines kleinen Bruders.

Er war ein "Quatschkopf", aber auch ein begeisterter Fußballer. So gut, dass große Vereine bei ihm anfragten, Zeitungen über ihn berichteten. Er hatte eine große Zukunft vor sich. 2002 bekam der damals 13-Jährige auf einmal Atemprobleme. Die Diagnose war hart: Lymphdrüsenkrebs im Endstadium. Er wurde sofort in ein künstliches Koma versetzt. Die Prognose der Ärzte war düster.

Nach dem Aufwachen fing der Bruder über Monate an Geld zu sammeln. Mit 350 Euro schickte er Citir los eine Videokamera zu kaufen und bat ihn, ihn aufzunehmen. Es sollte sein Abschiedsgruß werden. Als Citir dies damals begriff, schrie er ihn an: "Was machst du da?!" Er wollte den Abschied seines Bruders nicht hören.

Aber sein Bruder war auch ein Kämpfer. Immer wenn die Ärzte mit neuen Hiobsbotschaften kamen kämpfte er dagegen an: "Du wirst nicht mehr laufen können" - Der Bruder stand auf und ging ein paar Schritte: "Jetzt erst Recht." Bis er eines Tages nach drei Jahren das Unmögliche geschafft hatte. "Mein Bruder hat den Krebs besiegt", erklärt Citir mit brüchiger Stimme. Heute ist er 32 Jahre alt, hat geheiratet und kürzlich eine Tochter bekommen. Seit der Kindheit ist sein Bruder Citirs Vorbild.

Genau zu dieser Zeit suchte Citir einen Ausbildungsplatz und wollte zu einem Elektronik-Großmarkt als Einzelhändler. Trotz einer mündlichen Zusage bekam er letztlich eine Absage. Verzweifelt sucht er das Gespräch mit dem dortigen Chef, bis ihm mit Rauswurf und Hausverbot gedroht wurde. Bekannte fädelten ein Praktikum für ihn bei einem Möbelmarkt ein.

Dort gab er vom ersten Tag an alles - so dass eine weitere Ausbildungsstelle zum nächstmöglichen Zeitpunkt extra für ihn geschaffen wurde. Er hat sich seinen damaligen Traum einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, trotz der Enttäuschung von Absage und Zusage doch noch erfüllt: "Jetzt erst Recht."

Während des letzten Abschnitts war es mucksmäuschenstill in der Turnhalle der Schule. Nicht alle Schüler ertrugen die Geschichte des Bruders bis zum Schluss, einige mussten den Raum verlassen. Einzelnen Schülern standen die Tränen in den Augen. Ursprünglich war ein gemeinsamer großer Event für alle drei Schulen geplant. Wegen Corona trat der Motivationscoach jedoch auf drei Tage verteilt in den jeweiligen Schulen auf.

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Weiden in der Oberpfalz
Osmann Citir kann lustig, lehrreich aber auch emotional begeistern.
Anstelle eines großen Events trat der Motivationscoach und Comedian einzeln in drei Schulen des Städtedreiecks auf.
Auch in Grafenwöhr lauschten die Schüler gebannt seinen Witzen aber vor allem seiner Geschichte.

 

 

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