04.10.2020 - 13:06 Uhr
EschenbachOberpfalz

Riesenkarpfen und Waller: Abfischen am Rußweiher

Der große Fischzug am Rußweiher in Eschenbach zeigt, wie geheimnisvoll die Natur sein kann. Für Helfer und Zaungäste geht es um die Frage, was sechs Jahre lang in dem 25 Hektar großen Gewässer verborgen blieb.

von Robert DotzauerProfil

Der Karpfen ist üble Nachrede gewohnt. Viele Genussmenschen sehen in ihm schlicht einen Fisch, der sich im Schlamm suhlt. Der Karpfen – das "Schwein unter den Fischen"? Richard Götz, Vorstandsmitglied des Sportanglervereins Eschenbach, kann da nur mit dem Kopf schütteln. Der passionierte Angler lässt nichts auf seine geschätzten Fische kommen. Stundenlang kann Götz vom Karpfen schwärmen. Im und am Rußweiher, den der Verein seit Jahrzehnten gepachtet hat, dreht sich am Freitag alles um eben jenen Süßwasserfisch. Das Loblied erweitert Vorstand Martin Schusser auf weitere Fische, wie zum Beispiel auf Hecht und Zander, die sich in dem 25 Hektar großen Gewässer wohlfühlen.

Nach sechs Jahren ist wieder einmal ein großer Fischzug angesagt. „Endlich“, wie Vorstand Schusser feststellt. Der Angler-Chef befürchtete eine Fehlentwicklung des Fischbestandes und berief sich dabei auf die Meldungen vieler Petrijünger, die nach den Schonzeiten zu Hunderten das Rußweiher-Ufer bevölkern. Besonders der Zwergwels mache dem Gewässer zu schaffen, prophezeite Schusser schon bei der Vorbereitung des Abfischens.

Nicht nur Fische: Granate taucht im Rußweiher auf

Eschenbach

Immer noch ist der Karpfen der Fisch der Oberpfalz. Er ist eine Lebensauffassung, was spätestens beim Blick auf das Eschenbacher Stadtwappen klar wird. Darin ist der Karpfen fester Bestandteil und selbst die Wetterfahne auf der Turmspitze der Stadtpfarrkirche Sankt Laurentius schmückt ein Fischsymbol. Die Eschenbacher und ihr Karpfen: Im Mittelalter war der glitschige Teichbewohner fester Bestandteil der Ernährungskette, heute gehört er zu den kulinarischen Schmankerln. Ob blau oder gebacken mit Kartoffel- und Endiviensalat, frittiert als Filet oder nach Müllerinnenart in Folie und mit viel Gemüse: Die Karpfengerichte sind für viele Liebhaber in den Monaten mit einem „r“ im Namen, also von September bis April ein Nonplusultra.

Doch der Karpfen ist im Rußweiher schon lange nicht mehr die allein seligmachende Züchtung. In dem riesigen Gewässer fühlen sich auch Aal und Waller wohl. Eben dieser Fisch in seiner Zwergpopulation, ursprünglich aus Nordamerika stammend, soll sich beim Abfischen des Rußweihers als Plage der Hobbyfischer herausstellen. „Der Laichräuber und Allesfresser ist Gift für die Edelfische“, weiß Martin Schusser. „Verbreitet er sich in Übermaßen, kann er ganze Teiche zum Umkippen bringen“. Diese Gefahr drohe auch dem Rußweiher. Auch deshalb sei es für den großen Fischzug höchste Eisenbahn gewesen, so Schusser.

Zehn Tonnen Zwergwelse

Zirka 200 Zentner oder 10 Tonnen Zwergwelse werden schließlich auf den Sortiertischen mühevoll von den Schätzen des Rußweihers getrennt. Insgesamt zeigt sich der Angler-Vorstand mit seinen 125 Aktiven und den 48 Helfern vor Ort vom Fischzug sehr zufrieden. „Biene, Schaf und Teich machen mal arm, mal reich“. Das alte Sprichwort traf am Freitag im positiven Sinn zumindest für das Rußweiher-Abfischen zu, wenngleich die heißen Sommer der letzten Jahre nicht unbedingt für die Zucht förderlich gewesen seien, so der 1. Gewässerwart Ralf Schlottke.

Auch der Fischotter macht sich am Rußweiher bemerkbar. Guter Schwimmer und Landraubtier zugleich, ist er für das Gewässer, für Angler und Fischbesatz ein ständiger Störenfried. Dennoch fällt am Samstag nach dem Nachfischen die Bilanz des Fischzuges positiv aus. Überrascht zeigen sich die Petrijünger vom guten Zander- und Hechtbestand. Der Gewässerwart zählte mit seiner begeisterungsfähigen Mannschaft über 800 Exemplare. Auch Spiegel- und Marmorkarpfen sind im Rußweiher gut vertreten, stellte Richard Götz fest und verweist auf die zum Teil mächtigen „Kaliber“ mit bis zu 20 Pfund. Fünf Tonnen oder deutlich mehr als 1000 Karpfen fischen die Vereinsmitglieder aus dem Weiher. Unübertroffen bleiben allerdings einige „Seeungeheuer“, die das Helferteam aus dem Moorwasser holt. Bis zu 150 Zentimeter lang sind einige der kapitalen und widerspenstigen Waller und bis zu 30 Kilogramm schwer. Sie werden überwiegend als Delikatessen in Feinschmeckerlokalen auf die Speisekarten kommen.

Die langen Abfischintervalle von durchschnittlich fünf Jahren begründet Martin Schusser mit züchterischen Argumenten. „Die Fische haben Zeit zum Laichen und können sich in einer Alterspyramide von fünf oder sechs Jahren besser entwickeln und vermehren“. Überschwänglich lobt der Vorstand auch die Qualität des Bestandes. „Schauen Sie nur – hier ist alles Rarität und naturbelassener Bio-Wildfisch, gewachsen ohne Zusatzfutter und Chemie“.

Angler sehen Schlamm auf Rückzug

Erstaunliche Erkenntnisse gibt es für Martin Schusser und den ehemaligen Obersee-Teichwirt Josef Riedl als aufmerksamen Beobachter des Fischzuges auch mit Blick auf die Verschlammung des größten Naturmoorbades Nordbayerns, so die städtische Werbung. Offensichtlich habe der Einsatz des biologischen Schlammlösers gewirkt, urteilten Schusser und Riedl übereinstimmend. Die Verschlammung sei sichtbar zurückgegangen, merken auch viele Helfer an.

Nicht gramen brauchen sich die vielen Petri-Jünger aus der nördlichen Oberpfalz und aus dem benachbarten Frankenland, die in dem 25 Hektar großen Gewässer seit vielen Jahren ihr persönliches Angelparadies vorfinden. „Der große Fang kommt nur vorübergehend in die Winterhaltungen des Vereins und kommt dann im kommenden Frühjahr als Wiederbesatz in den Rußweiher zurück“, versicherte Schatzmeister Richard Götz. Der große Beifang von zirka 160 Zentnern Futterfisch garantiere zudem auch künftig einer starken Population von Hecht und Zander.

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