13.03.2019 - 17:09 Uhr
EschenbachOberpfalz

Sägen und "Dischkerieren"

War das Thema "Rettet die Bienen" beim Volksbegehren wirklich ehrlich gemeint oder vielleicht nur eine politische Mogelpackung?

Neben allen Diskussionen wird auch gearbeitet. Michael Altmann, Manfred Bauriedl und Josef Bauer (von links) beschäftigen sich mit dem Baumschnitt, Heinz Jantschik verleiht den Fassadenbrettern am Lehrbienenstand mit „Streichen“ neuem Glanz und die Aufgabe des Imker-Vorsitzenden Anton Schönberger ist es, die Äste der „Holzaktion“ zu stapeln.
von Georg PaulusProfil

Obwohl es "kosmetische" Arbeiten an Obstbäumen am Lehrbienenstand vorhatte, wurde bei der Schnittaktion des Arbeitsteams des Imkervereins auch diskutiert. Mit Leiter, Säge und anderen Geräten rückte der Trupp dem ausufernden Baumwuchs zu Leibe. Begleitet hat die Bienenzüchter dabei Pomologe Michael Altmann, ein Verteidiger alter, heimischer Apfelsorten und begeisterter Klein-Imker. Dass bei den "Verschönerungsarbeiten" auch das Volksbegehren zur Sprache kam, war logisch.

"Die Initiatoren dieser Aktion sollten wissen, dass nicht nur Imkerei und Landwirtschaft gefordert sind", erklärte Altmann. Jeder könne dazu beitragen, dass Bienen Nektar und Pollen für ihre Aufzucht sammeln können; dies sei Aufgabe aller Bürger. "Wenn Vorgärten Steinhalden ähneln, wenn ein Grashalm, eine Blume, die rausspitzt, gespritzt wird, hilft das den Bienen?", fragte Altmann: "Aber über Bauern und Spritzmittel schimpfen!"

"Von der Politik dauernd gesetzliche Vorschriften verlangen, aber selber keinen Beitrag leisten", sei unehrlich, fügte Imker-Vorsitzender Anton Schönberger hinzu. "Warum gibt es keinen Protest, wenn von Straßenbauämtern die schönen Hecken an vielen Straßen radikal gestutzt und Bahndämme einfach abgefackelt werden?" Damit würden Lebensraum vieler Vogelarten sowie Futterquellen von Bienen und anderen Insekten zerstört. Aber auch bei manchen Landwirten bezweifelt er den Willen zur Zusammenarbeit: "Wenn einem Bauern wegen des Mähens seiner Wiesen in der Blütezeit gesagt wird, 'auf wenigen Quadratmetern finden Tausende Bienen und auch andere Insekten Futter', und er sagt, 'Ich mäh meine Wiese, wann ich will', ist das rücksichtsvoll? Aber was würde es bei großen Mais- oder Getreidefeldern ausmachen, den Rand als Blühstreifen freizuhalten?"

Der Ärger des Vorsitzenden richtete sich dann auf jene, die behaupteten, dass es laut Statistik kein Bienensterben gebe. "Im Herbst musst du die Völker melden, aber im Frühjahr hast du dann 30 Prozent weniger. Das zählt leider nicht in der Statistik", merkte Schönberger dazu an. Schwere Geschütze fuhr er beim "Dischkerieren" auch gegen Wasserflächen infolge von Kiesabbau an: "Wenn von Steinfels bis Hütten und Josephstal nur Wasser sein wird, ist die Natur kaputt, gibt es dort nicht einen einzigen Bienenstand mehr."

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