09.11.2018 - 16:56 Uhr
EschenbachOberpfalz

Auf ein "schnelles Seidl"

Wirtshaus und Kirche bilden in Bayern oft eine harmonische Nachbarschaft, denn nach dem Gottesdienst strömen viele Männer in die Wirtsstube zum Frühschoppen. Wenn dann die Gaststätte auch noch über eine eigene Metzgerei verfügt, ist der "Himmel der Bayern" vollkommen.

Nicht nur für Organist Fred Schuhmann lag die Sporrer-Gaststätte ideal: Nachdem er die Predigt schon zwei Mal gehört hatte, kehrte er während des letzten Sonntagsgottesdienstes gerne in dem Wirtshaus gegenüber der Stadtpfarrkirche ein.
von Autor HEVProfil

Bestes Beispiel dafür in der Rußweiherstadt war das "Frischn-Anwesen", so der Hausname, am Marienplatz, das sich direkt neben der Pfarrkirche St. Laurentius befindet. Landwirtschaft, Fleischerhandwerk und Bierausschank hatten dort eine lange Tradition.

Im Jahr 1888 hatte der Metzger und Gastwirt Franz Johann Sporrer das Anwesen erworben. Beim letzten Stadtbrand 1901 fiel es den Flammen zum Opfer und wurde zwei Jahre später neu errichtet. Das selbst gebraute Bier durfte nicht nur in der eigenen Gaststube ausgeschenkt, sondern auch vertrieben werden. Sohn Ignatz setzte diese Tradition fort, braute aber im Dezember 1950 das letzte eigene Kommunbier.

Der Gerstensaft für die Gaststätte kam ab 1951 von der benachbarten Löwenbrauerei in Grafenwöhr, und dies blieb auch unter Sohn Franz Sporrer so - bis 1976. Nach dem Verkauf der Löwenbrauerei an die Kulmbacher Reichelbräu wurde bis zur Schließung der Gaststätte im Jahr 1980 "Edelherb" ausgeschenkt.

Dann waren die Zeiten des "schnellen Seidl" unter anderem auch für Organist Fred Schuhmann zu Ende: Er war während der letzten Sonntagsmesse gerne im Sporrer-Anwesen eingekehrt, nachdem er die Predigt schon zweimal Mal gehört hatte. Die ehemalige Gaststube ist nun die gute Stube, die Schankanlage fand am Hotzaberg in der Feier-Gaststätte der Familie Kallmeier eine neue Bleibe.

Neben den ehemaligen werden natürlich auch die aktuellen Gasthöfe in der Ausstellung "Im Wirtshaus - Historische Gaststätten im Eschenbacher Land" im Taubnschusterhaus vorgestellt. Diese wurde bis 16. Dezember verlängert. Am morgigen Sonntag ist das Museum "Beim Taubnschuster" wieder von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für die Besucher gibt es im Museumscafé Kaffee und Kuchen oder eine Halbe Zoiglbier.

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