07.10.2018 - 11:10 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Wie der Schnowl gwaggsn is"

„Dialekt ist etwas Verbindendes.“ Mit diesem Merksatz des Lehrers Dieter Radl wirbt der Heimatverein für seine „Eschenbacher Mundarttage“.

Karlheinz Keck, Eckhard Bodner und Angelika Denk werben für die Eschenbacher Mundarttage
von Walther HermannProfil

"Mit eitler Rede wird hier nichts geschafft": Dieses Zitat aus Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" reizt geradezu, sich an all jene zu wenden, bei deren Reden man sich in der hiesigen Gegend ins norddeutsche "Sprachausland" versetzt fühlt. Zu regionalen Hörgenüssen lädt der Heimatverein gemeinsam mit dem Kulturpreis Pressath, der VHS und der Buchhandlung Bodner in den nächsten Wochen ins Kulturzentrum "Beim Taubnschuster" ein. Den Veranstaltern ist daran gelegen, der hiesigen Mundart als schützenswertes Kulturgut ein Denkmal zu setzen und dazu aufzurufen, zu reden, "wie der Schnowl gwaggsn is". Zu einem Vorgespräch trafen sich Angelika Denk, Eckhard Bodner und Karlheinz Denk in der guten Stube des Taubnschusters. Sie befassten sich mit der Vita der ersten Gestalter der Veranstaltungsreihe "Dichtung und Wissenschaft" und sprachen von einem Hörvergnügen ohne Ende, das auf die Besucher zukommt.

Fast schon eine Lobeshymne stimmten Bodner und Keck auf Dieter Radl aus Sulzbach-Rosenberg an, der es sich nach Beendigung seiner beruflichen Zeit als Lehrer am Förderzentrum seiner Heimatstadt zur Aufgabe gemacht hat, den Dialekt, die hiesige Mundart, als schützenswertes Kulturgut zu erhalten. Sie beschrieben Radl als Menschen, der in der Mundart eine vollständige Sprache, eine Alltagssprache, keinesfalls aber eine Nischensprache sieht, die als Stück Heimat den Zugang zu Kultur darstellt. Den Kulturpreisträger der Stadt Sulzbach-Rosenberg priesen sie mit der Erkenntnis "Er ist bekannt wie ein bunter Hund" an. Radl eröffnet am Donnerstag, 11. Oktober, die "Eschenbacher Mundarttage". Die Wirtshaus-Ausstellung im Saal des Kulturzentrums bildet den dazu passenden Hintergrund.

Hans Günther Lauth aus Wiesau, geboren in Falkenstein im Landkreis Cham, beschrieb Keck als liebenswerten Menschen, der die Schönheiten der Oberpfälzer Landschaft, aber auch das Selbstbewusstsein eines besonderen Menschenschlages an der Grenze zu Franken und Böhmen schätzt. Die Oberpfalz - oftmals vom restlichen Bayern vergessen, häufig auch wegen des eigentümlichen Dialekts belächelt - sieht der langjährige Berufsschullehrer als einen der ursprünglichsten Regierungsbezirke im Freistaat. Lauth ist am Donnerstag, 18. Oktober, in Eschenbach zu Gast.

Harald Grill aus Wald im Landkreis Cham - er befasst sich am 8. November - mit dem Thema "Baustellen des Himmels", bescheinigte Bodner eine bereits gute Präsenz in den Medien. Als Beispiel nannte er dessen Berichte über Reisen und Wanderungen wie zum Beispiel "Vom Nordkap nach Sizilien" oder "Von Nürnberg nach Prag". Bodner erinnerte daran, dass Goethe und Schiller "handfesten Dialekt" gesprochen, ihre Werke aber in Hochdeutsch geschrieben haben. "Die Veranstaltungsreihe schreit nach Fortsetzung", meinte er. Keck sah im Dialekt etwas Verbindendes, eine interessante Sprache, in der viel ausgedrückt werden kann, was im Schriftdeutsch nicht möglich ist.

Für das Jahr 2019 kündigte Keck einen weiteren Leckerbissen an. Er berichtete von Kontakten zu Professor Anthony Rowley, dem bayerischen Mundartforscher und Herausgeber des Bayerischen Wörterbuches. Der Brite hat familiäre Verbindungen zur hiesigen Region. Rowleys Auftritt "Beim Taubnschuster" wird den vielsagenden Titel "Host mi" tragen.

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