18.10.2020 - 13:17 Uhr
EschenbachOberpfalz

Schragoschn und Pfitscherpfaal: Eschenbacher Mundarttage lassen Dialekt hochleben

Nach gut 100 Minuten war ein begeisterter Zuhörerkreis im Eschenbacher "Taubnschuster" überzeugt: Mundartkenntnisse sind ein unschätzbares Plus an sprachlicher Ausdrucksfähigkeit, an situationsgerechter Kommunikation.

"S woa schöi bei eich", bescheinigt Ferdinand Schönberger dem Heimatverein.
von Walther HermannProfil

Zu einem Hörgenuss wurde der zweite Abend der Mundarttage 2020. Der Eschenbacher Heimatverein hatte den ehemaligen Pirker Konrektor Ferdinand Schönberger zu Gast, der in der Schriftsprache eine Brücke von Hirn zu Hirn, im Dialekt jedoch eine Sprache von Herz zu Herz sah und sich einig war mit dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe: „Der Dialekt ist das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“

Karlheinz Keck zeigte sich „Beim Taubnschuster“ erfreut, dass „viele den Mut aufgebracht haben, in schweren Zeit auszugehen, um Mundart zu genießen.“ In Schönberger sah er eine wichtige Person, die „als Konrektor den Schülern bereits mitgegeben hat, Oberpfälzer Mundart zu reden“. Der Gast aus Weiden, Mitarbeiter am Bayerischen Wörterbuch und Autor von zwei Mundartbüchern, ließ in seine unterhaltsamen Ausführungen immer wieder Äußerungen bekannter Mundartverfechter einfließen und fand große Zustimmung mit einer Aussage: „Mundart is a wengerl gscheid und grodaa, ungschminkt, drastisch und lebensfreudig.“ Dass sie auch poetisch, bildmalerisch und gar melodisch ist, demonstrierte er mit Schragoschn, malädda, Pfitscherpfaal und der Aussage: „A Bou mou dou, wos a Bou dou mou.“ Hochdeutschfanatikern schrieb er ins Stammbuch: „Dialekt ist nichts fürs Heimatmuseum, er ist Rhythmus, Pulsschlag und Leben.“

Der Auftakt der Eschenbacher Mundarttage 2020

Eschenbach

Da man sich im Dialekt treffender ausdrücken kann als in Hochdeutsch, sah Schönberger in der Mundart ein Kulturgut höchsten Ranges. Eingehend befasste er sich mit der Herkunft der Mundart, der er neben französischen, jiddischen, italienischen und tschechischen Einflüssen auch antike und germanische Wurzeln bescheinigte und gar resümierte: „Hochdeutsch ist ein sprachlicher Dialekt.“ Geradezu anprangernd äußerte er sich zum „Medienkauderwelsch“ in Radio, Fernsehen und Werbung mit einer „modischen Neusprache, die die bodenständige Muttersprache unterwandert, überwuchert und erstickt“. Geradezu anklagend warf er auch Verantwortlichen vor: „Oft genug herrscht schon im Kindergarten der brennende Ehrgeiz, den Drei- bis Fünfjährigen ein dialektfernes, nördlich getöntes Standarddeutsch beizubringen. Dabei haben nicht wenige Schüler ernste Schwierigkeiten, sich überhaupt auf Deutsch auszudrücken.“

Mit zahlreichen Beispielen wie „Kouh und Kuah“ belegte Schönberger auch, wie sehr sich das Nordbayerische mit seinen markanten Lautmerkmalen und den „gestürzten Diphthongen“ im Vokalsystem vom Lautsystem des Mittelbayerischen unterscheidet. Mit zahlreichen erheiternden Textbeispielen bescherte der Gast im ausverkauften Saal des Taubnschuster-Museums einen, so Karlheinz Keck, „erquickenden Abend“ und endete mit einem Zitat des ehemaligen Bezirksheimatpflegers Adolf Eichenseer: „Unsa Sprach ies gaoua niad schwaa(r), haousd koi Meih mied daou, waou, wos und wei, wennds as kannsd, naou iss schei.“

Da man für die Umrahmung eines Mundartabends natürlich Mundartlieder braucht, bot das Trio Georg Baierl, Franz Geigenberger und Heiner Kohl den „lieben Freunden des oberpfälzischen Dialekts“ musikalische Leckerbissen. Als Sprecher erinnerte Kohl an die Gaststätte Obersee, die in den 1960er und 1970er Jahren mit den Wirtsleuten Klara und Toni Löw eine Hochburg des Dialektgesangs war, und kündigte das Hauslied „Mir Alt’n“ an. Mit dem Entenlied „San zwoa Ant’n übern Weiher üwe g’schwumma“ blieben sie im Oberseegebiet. „Oitza how e mei Haisl“ garnierten sie mit Breeder, Howerstrouh, Schnupfdowak, Heirat und Saustool. Nicht fehlen durfte „Wenn da Voda mit da Mouda“ als „Visitenkarte des oberpfälzischen Dialekts“.

Heiner Kohl, Georg Baierl und Franz Geigenberger (von links) singen von "a boar Stiefl" bis zum "doudaranixdouzou".
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