30.01.2019 - 17:15 Uhr
EschenbachOberpfalz

Schulleiter Knut Thielsen nimmt Abschied vom Gymnasium Eschenbach

Nach neun Jahren als Schulleiter am Gymnasium Eschenbach geht Dr. Knut Thielsen in den Ruhestand. Er verabschiedet sich im Interview mit Oberpfalz-Medien auch mit einer Entschuldigung.

Knut Thielsen´, Schulleiter am Gymnasium Eschenbach, verabschiedet sich in den Ruhestand.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Mit nun 64 Jahren zieht Knut Thielsen einen Schlussstrich. Zum 16. Februar geht er in den Ruhestand. Der gebürtige Bremer kam über Tübingen und Lyon nach Bayern. Zunächst als Mitarbeiter an der Universität Augsburg, dann als Lehrer für Evangelische Religionslehre und Französisch in Pegnitz. Danach lebte er mit seiner Familie sechs Jahre in Südafrika und unterrichtete an der deutschen Schule in Johannesburg. 2004 übernahm er den Schulleiterposten am Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden und wechselte 2010 an das Gymnasium Eschenbach.

ONETZ: Guten Tag Herr Thielsen, seit 2010 sind Sie nun Schulleiter am Gymnasium Eschenbach. Am 16. Februar gehen Sie in den Ruhestand. Sind Sie wehmütig?

Knut Thielsen: Nein, im Moment noch nicht. Das wird aber sicher kommen, so ganz realisiert habe ich es noch nicht. Aber man diesen Job auch nicht mit halber Kraft machen. Ich bin bis zum Schluss voll im Einsatz. In den letzten Wochen ging es schließlich um die dienstlichen Beurteilungen der Lehrkräfte. Der Schulbetrieb läuft ja weiter, da kann man es nicht einfach langsam ausschleichen lassen.

ONETZ: Was werden Sie vermissen?

Das klingt vielleicht blöd, aber ich werde vor allem die Menschen vermissen. Zwar hat ein Schulleiter viel mit Verwaltungskram zu tun, aber die Menschen im Alltag, wie die Sekretärinnen, das Lehrerkollegium und die Schüler, werden mir schon fehlen. Die Hektik, das frühe Aufstehen, der Stress, die vielen Abendtermine werden mir dagegen sicher nicht fehlen.

ONETZ: Sie werden also weiterhin den Kontakt zur Schule halten?

Ja, ich hoffe doch. Aber es ist ganz klar, ab dem 16. Februar bin ich weg, und Peter Schobert übernimmt. Zu öffentlichen schulischen Veranstaltungen werde ich bestimmt kommen.

ONETZ: Ihr Nachfolger Peter Schobert ist seit 35 Jahren am Gymnasium Eschenbach. Ist eine interne Nachbesetzung nicht eher selten?

Stimmt, in der Vergangenheit war das nicht die Regel. Man kann schon sagen, dass die Zahl der Bewerber in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Schulleiter wollen nicht mehr so viele Lehrer werden. Es sind in der Regel Menschen, die der Schule oder der Region verbunden sind oder Leute, die Karriere machen wollen. Ich denke, dass wir mit Peter Schobert richtiges Glück hatten.

ONETZ: Wie schwer ist die Umstellung auf die Position des Schulleiters?

Ich denke man kann es so sagen: Gute Lehrer werden Schulleiter. Aber gute Lehrer werden nicht automatisch gute Schulleiter. Dieser Weg kann mitunter ziemlich steinig sein.

ONETZ: Welche Herausforderungen warten auf Peter Schobert?

Die Schule ist vielfältiger geworden. Schüler kommen aus den verschiedensten Haushalten. Es ist immer leichter eine homogene Lerngruppe vor sich zu haben, aber das ist hier nicht mehr so und wird auch in Zukunft nicht mehr so sein.

ONETZ: Sie haben als Schulleiter den Wechsel vom G9 zum G8 und zurück zum G9 miterlebt. 2017 haben Sie zur Wiedereinführung des G9 gesagt: "Das G8 war nicht so schlecht wie sein Ruf". Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Bei dieser Aussage bleibe ich. Grundsätzlich fand ich das Konzept des G8 nicht schlecht, aber die Art wie es eingeführt wurde, war sehr holprig und schlecht gemacht. Das neue G9 muss nun beweisen, dass es einen Qualitätszuwachs bedeutet und nicht nur die Schulzeit um ein Jahr verlängert.

ONETZ: Was wäre für Sie ein solcher Qualitätszuwachs?

Politische Bildung zum Beispiel. Demokratieerziehung soll und muss wieder eine größere Rolle spielen. Hier muss sich das G9 beweisen.

ONETZ: Sie sagten damals auch: "Das Gymnasium ist nicht mehr der Königsweg zum Abitur". Was bedeutet das nun für die Zukunft der Schule, muss sich ihr Nachfolger Sorgen machen?

Es stimmt, inzwischen gibt es vielfältige Wege zur Hochschulreife. Im Gegensatz zum Philologenverband bin ich schon der Meinung, dass das auch in Ordnung ist. Aber, ich habe es mir in meinen Jahren hier in Eschenbach zum Motto gemacht, dass wir den Kindern aus unserem ländlichen Raum den Zugang zum Abitur erleichtern. Da spreche ich diejenigen an, die sich trotz eines sehr guten Übertrittszeugnisses gegen das Gymnasium entscheiden. Diese Aufgabe bleibt auch für Peter Schobert bestehen.

ONETZ: Für Sie enden die Herausforderungen nun, suchen Sie sich neue?

Ich werde sicherlich schauen, dass ich mich körperlich fit halte und viel Radfahren. Außerdem werde ich einem Chor beitreten. Allgemein will ich mehr verschnaufen.

ONETZ: Wenn Sie auf Ihre Zeit am Gymnasium Eschenbach zurückblicken. Welche Schulnote würden Sie sich denn geben?

(lacht) Befriedigend.

ONETZ: Nach so vielen Jahren als Lehrer und Schulleiter, gibt es noch etwas zu sagen?

Ich will um Entschuldigung bitten bei allen, denen ich Unrecht getan habe. Bei allen, denen ich zu sehr auf die Pelle gerückt bin. Und bei allen, mit denen ich zu wenig Zeit verbracht habe. Vor allem bei meiner Familie und meinen Freunden. Für die hoffe ich nun mehr Zeit zu haben.

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