Mariahilf-Bergkirche, der Marienaltar in der Stadtpfarrkirche, die Lourdesgrotte, Marterln und Bildstöcke, das Relief an der Nordfassade des Gasthofes Burger, das Altarbild der schmerzhaften Mutter in der Friedhofskirche und die Mariensäule mitten im Stadtzentrum. Eschenbach war über Jahrhunderte ein Herzstück bayerischer Frömmigkeit und Marienverehrung. Maria hat geholfen, hieß es schon früh. Dieser Satz gilt auch heute noch. Auf dem Marienplatz ist die Mutter Gottes zum Sinnbild der Stadt-Beschützerin geworden. „In deinen Schutz wir uns begeben, wo sicher wir und fröhlich leben“. Dies war vor 300 Jahren der Hauptgrund, mitten auf dem Stadtplatz zur Ehre der Mutter Gottes eine Statue aufzustellen. Die Namensgebung dieses zweifellos schönsten Fleckerls der Altstadt ist ein Stück Historie, ein Stück Geschichte, aber auch ein Stück Gegenwart und Zukunft.
Edle Spender für Restaurierung
Deshalb fiel es auch der Stadt nicht schwer, im Rahmen der Altstadtsanierung Ende der 1990er Jahre auch an die Mariensäule zu denken und die unter Denkmalschutz stehende Statue „Mariensäule aus Sandstein, Immaculata 1720“, so die Eintragung in der Bayerischen Denkmalliste, gründlich zu restaurieren und auch das unmittelbare Umfeld angemessen zu gestalten. Der technische und finanzielle Aufwand war hoch. Dafür können die Eschenbacher noch immer voller Stolz und Genugtuung auf ihre „Schutzfrau“ blicken. Doch auch schon vorher gab es in den vergangenen Jahrhunderten Marienverehrer, die sich dem besonderen Schatz aus gläubigem Dank annahmen. Auch die jüngste Restaurierung durch den Experten Georg Doreth aus Neustadt am Kulm fand edle Spender. So finanzierten Bauunternehmer Gerhard Prösl und Diplom-Ingenieur und Kreisheimatpfleger Hannes Oberndorfer die vor einigen Wochen abgeschlossene gründliche Überholung des Kunstwerkes.
Exposé von Hannes Oberndorfer
In einem Beitrag für „Heimat Eschenbach“ erinnerte Hannes Oberndorfer im Zusammenhang mit der Generalüberholung in den Jahren 1998/99 auch an die lange Geschichte des Festes „Maria Immaculata“ als „Fest der Unbefleckten Empfängnis der allerheiligsten Jungfrau Maria“ am 8. Dezember, das im Jahr 1854 von Papst Pius IX. zum gebotenen Feiertag und im Jahr 1879 von Papst Leo XIII. zu einem Kirchenfest der 1. Klasse erhoben wurde. In seinem Exposé beschäftigt sich Oberndorfer auch mit der Entstehungsgeschichte des Denkmals.
„Fündig“ wurde der Kreisheimatpfleger an der Frontseite des Sockels. Eingemeißelt sind die Worte „Praenobilis Reverendus Dominus“ und Parochus Eschenbachensis“, übersetzt: „Zum Gelöbnis errichtet vom edelsten Pfarrherrn Wolfgang Erasmus Prieschenk, Pfarrer zu Eschenbach, 1720“. Der Ortspfarrer stammte aus Kemnath und schien wohlhabend zu sein, wie sich auch aus Aufzeichnungen von Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm aus einer Grafenwöhrer Kirchenrechnung von 1718 ergibt: „Herr Wolfgang Erasimus Prüschenk, gewesten Pfarrer allhier hat bei sein Abzug so von allhiesiger uf die Eschenbacher Pfaar beschehen, als ein sonderbarer Gutthäter des allhiesigen Gotteshaus zu Beyschaffung neuer seithen altär 36 fl verschafft“. Ab 1717 war der Geistliche dann Pfarrer in Eschenbach.
Hochfest am 8. Dezember
Die Mariensäule steht heute auf einer neuen Plattform aus Sandstein, die an der südlichen Rückseite wegen der Geländeneigung mit einer kleinen Sandsteinmauer eingegrenzt ist. Die heutige Fassung besteht aus den Teilen der Hl. Maria Immaculata mit der typischen Darstellung mit Mond und Schlange, deren Schwanz als Pfeilspitze geformt ist. Der Mittelteil zeigt Schmuckelemente aus der Rokokozeit. Es lässt sich die eingehauene Jahreszahl 1788 erkennen. Im Sockel aus dem Jahr 1720 ist das Familienwappen der Prieschenks zu erkennen. Im Rahmen der Sanierung im Jahr 1999 folgte aus stilistischen Gründen die Unterlegung des Sockels mit einer Fußplatte.
Der Sockel und die zirka zwei Meter hohe Säule bilden architektonisch eine Einheit. Auch die Seiteninschrift am Säulensockel ist bemerkenswert. „Beata Maria Virgo“ heißt es da oder „die Unbefleckte Empfängnis der liebreichen Jungfrau Maria sei uns Heil und Schutz“. Heil und Schutz waren zu dieser Zeit lebensrettend, wie zum Beispiel 1714 in Kemnath, als die Nachbarstadt von der Pest verschont wurde. Die Erinnerungen an Elend und Leid und die gleichzeitigen Hoffnungen auf glücklichere Zeiten mögen auch die Gläubigen in Eschenbach bewogen haben, die Mariensäule unter das Patronat der Maria Immaculata zu stellen. Maria Immaculata ist in der Kloster- und Pfarrkirche Speinshart Kirchenpatronin. Das Hochfest steht zum achten Dezember im Heiligenkalender. In Bayern war der Feiertag bis 1969 staatlich geschützt.
Als naheliegenden Baumeister der Säule vermutet Hannes Oberndorfer Johann Michael Doser aus Auerbach. Nicht zuletzt deshalb, weil die Familien Prieschenk und Doser in verwandschaftlicher Beziehung standen. Einige Elemente der Darstellungen von Maria Immaculata in Eschenbach und künstlerische Arbeiten in Auerbach stehen in auffallender Beziehung. Über den tatsächlichen Künstler kann allerdings nur gemutmaßt werden. Was ewig bleibt, ist das Vermächtnis der Verehrung Mariens, das die Eschenbacher schon vor 300 Jahren den Gläubigen über Jahrhunderte hinweg zur ehrenvollen Aufgabe empfahlen.
Mariensäule Eschenbach: Daten aus 300 Jahren
- 1720 wurde die Säule gesetzt
- 1881 veranlasst Oberamtsrichtersgattin Margaretha Plasi eine Restaurierung
- 1909 im Werk „Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Eschenbach“ erstmals offiziell erwähnt
- Nach 1928 und 1977 auch im Jahr 1999 im Rahmen der Altstadtsanierung erneut restauriert (rn)















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