07.02.2019 - 16:39 Uhr
EschenbachOberpfalz

So ein Schlam(m)assel

Der Rußweiher ist auf lange Sicht in Gefahr. Dieser Ansicht ist die CSU/ÜCW-Fraktion. Sie fordert deshalb in einem Antrag, "das Übel an der Wurzel zu packen".

Nach dem Absenken des Wasserpegels im Rußweihers und dem anschließenden Ablassen des Obersees werden die enormen Schlammablagerungen im westlichen Teil des Freizeitsees deutlich.
von Walther HermannProfil

Dieses führte vor einer großen Zuhörerkulisse zu einer regen Diskussion. Die Inhalte des CSU/ÜCW-Antrags vom 29. Dezember 2018 auf "Erteilung eines Auftrags für ein Fachgutachten hinsichtlich der genauen Ursachen der Verschlammung des Rußweihers" stellte Heike Biersack, die Geschäftsleiterin der Verwaltungsgemeinschaft, vor. In dem Schreiben wird Bezug genommen auf Briefe zur gleichen Thematik von Sportanglern, Wasserwacht und Campern.

Per Gutachten sollen die exakten Gründe für die Verschlammung herausgefunden werden, um gezielt dagegen vorgehen zu können. Erforderlich sei eine ganzheitliche Betrachtung für ein Maßnahmenpaket, erklärt die Fraktion in ihrem Antrag. Durch das alleinige Behandeln des Rußweihers mit dem bereits verwendeten Mittel "Schlixx" werde nicht die Ursache bekämpft, sondern nur gegen Symptome vorgegangen.

Zudem verweisen die CSU/ÜCW-Stadträte auf Vermutungen, wonach die im Zusammenhang mit der Verlegung des Kanals vom Campingplatz Götz zur Nordseite des Rußweihers eingebaute "ehemalige Behelfsstraße" quasi als "Barriere" eine Mitschuld an der Verschlammung trage: Es gelte, die Tiefe der Abwasserleitung zu klären. Der Rückbau der Straße ist als Option angedacht.

In dem Gutachten soll auch auf die vom Vorsitzenden des Sportanglervereins aufgezeigten Probleme eingegangen werden: künstlich abgesenkter Wasserstand, Zwergwelse und Schlamm aus dem Obersee. Der Antrag enthält nicht zuletzt einen Hinweis auf die Entschlammung des 25 000 Quadratmeter großen Brentanosees bei Darmstadt.

Fraktionssprecher Marcus Gradl begründete in der Sitzung noch einmal die Ziele seiner Fraktion, zu denen unter anderem die Verbesserung der Badequalität gehört. "Wir wollen niemandem den schwarzen Peter zuschieben", betonte er. Unbestritten ist für ihn die Wirksamkeit des bisher eingesetzten Mittels "Schlixx-Plus". Doch: "'Schlixx' wirkt und Schlamm kommt nach." Sein Lösungsansatz enthielt deshalb auch einen runden Tisch von Stadt, Anglern und Pächter des Obersees.

"Hinausgeworfenes Geld"

Seitens der Verwaltung nahm zweiter Bürgermeister Karl Lorenz zum Stellung (siehe Info-Kasten). Die Verschlammung des Rußweihers und deren Ursachen durch ein Gutachten zu dokumentieren, hielt Udo Müller anschließend für "hinausgeworfenes Geld". Der SPD-Fraktionssprecher zeigte sich überzeugt, dass den meisten Stadträten bekannt sei, "dass in Weihern und Seen die Sedimentierung im Wasser durch abgestorbenes Holz und Laub, besonders in Waldgebieten, und durch nährstoffreiches Wasser vonstatten geht".

Keinen Zweifel hatte er am Nutzen einer Entschlammung. Aber die Art und Weise, wie gegen die Verschlammung vorgegangen werden kann, werde in einem Gutachten "nicht herauszufinden sein". Der Fraktionssprecher war der Meinung, erst "noch die Ergebnisse des zweiten Versuchs mit 'Schlixx' in diesem Jahr abzuwarten".

Zum Thema Zwergwels erinnerte er an das Abfischen des Rußweihers im Abstand von früher zwei bis drei Jahren, jetzt fünf bis sechs Jahren. Bei wieder kürzeren Abfischzeiten könnte die Population zwar eingedämmt werden. Aber: "Wie in einschlägigen Fachberichten aus anderen Regionen nachzulesen ist, ist dieser Fisch ohnehin nicht ganz auszurotten." Auch Müller sprach von der Möglichkeit, nach dem Abfischen des Rußweihers im Herbst 2020 einen Teil des Fahrdammes zu entnehmen."Es geht uns nur um eine Beratung darüber, was die Einbringung vom Schlamm in den Rußweiher verhindern kann", versicherte Marcus Gradl und stellte mit Blick auf das Wasserhaushaltsgesetz die Frage in den Raum, ob im Zuge von Abfischaktionen auch Schlamm in den Eschenbach-Graben abgeleitet werden könne und dürfe.

"Extremes Klimaproblem"

Unmut äußerte er darüber, dass das "Schlixx"-Gutachten der Firma Ökon den Fraktionen erst zu Jahresbeginn bekannt gegeben wurde. Kritisch sprach der Fraktionssprecher zudem die Wasserabgabe aus dem Rußweiher während des vergangenen Sommers an.

In seinen abschließenden Ausführungen verwies zweiter Bürgermeister Karl Lorenz auf das trockenste Jahr seit Beginn der Temperaturmessungen und sprach von einem "extremen Klimaproblem". Er war sich mit Marcus Gradl einig, bei einem runden Tisch der drei Parteien eventuell Lösungsmöglichkeiten zu finden. Den Antrag auf ein Fachgutachten zog Gradl vorläufig zurück.

Ökon-Gutachten:

Hoher Anteil an Nährstoffen die Hauptursache

„Die Verschlammung des Rußweihers ist nichts Neues, sondern ein Thema, das die Stadträte in den vergangen 50 Jahren begleitet hat.“ Mit dieser Aussage leitete zweiter Bürgermeister Karl Lorenz die Anmerkungen der Verwaltung zum Antrag der CSU/ÜCW-Fraktion ein. Er erinnerte daran, dass die vor mehr als einem Jahrzehnt angedachte mechanische Entlandung aus Kosten- und Umweltgründen fallen gelassen und erst im Januar 2016 der Antrag der Freien Wähler auf biomechanische Entschlammung behandelt wurde.

Der zweite Bürgermeister verwies auf die Inhalte des Gutachtens der Firma Ökon zur ersten Entschlammungsmaßnahme, das den Fraktionen am 25. Januar 2019 zugeleitet wurde. In diesem werden als Hauptursache für die Schlammbildung die erhöhte Verfügbarkeit von Nährstoffen im Rußweiher und in den oberhalb liegenden Gewässern genannt. Als vermutlicher Grund dafür wird deren Nutzung als Fischzuchtweiher angegeben.

Lorenz räumte ein, dass der Erfolg des nach wasserrechtlicher Genehmigung im September 2016 eingesetzten Mittels „Schlixx“ nicht in dem Maß eingetreten ist, wie erhofft. Der Grund dafür sei vermutlich der starke Wasseraustausch durch das im gleichen Herbst erfolgte Ablassen des Obersees, teilte er mit. „Die Firma Ökon bilanziert am Schluss ihres Gutachtens, das ein Gesamtgutachten für alle oberliegenden Weiher in Auftrag gegeben werden sollte, was aus Sicht der Verwaltung auch mit der Hoffnung auf Folgeaufträge verknüpft ist.“

Grundsätzlich könne über ein Folgegutachten nachgedacht werden, wenn feststehe, „dass der Schlamm mit vernunftorientierten Mitteln entfernt werden kann“, erklärte der zweite Bürgermeister. Aus Sicht der Verwaltung sollte daher im Frühjahr das Mittel „Schlixx“ nochmals angewendet werden, um ohne Gewässeraustausch und durch präzisere Einbringtechnik die Wirksamkeit deutlich zu erhöhen. Dies sollte mittels eines begleitenden Gutachtens durch eine weitere Firma geprüft und dokumentiert werden. Nach dem Ablassen des Rußweihers im Herbst 2020 sollte eine reale Bewertung erfolgen und über ein Ökon-Folgegutachten nachgedacht werden.

Brentanosee:

Nur ein Zehntel so groß

SPD-Fraktionssprecher Udo Müller ging auf die Aktion am Brentanosee 2017 ein und nannte das 2,5 Hektar große Gewässer ein Hochwasserrückhaltebecken, das nur ein Zehntel der Größe des Rußweihers hat. Für Planung, Gutachten und Abfischen habe Darmstadt 40 000 Euro, für die anschließende Entschlammung mittels Kammerfilterpressen zusätzlich 925 000 Euro ausgegeben. „Jeder mag selbst erkennen, was dies bei einem Weiher der Größe unseres Rußweihers kosten würde“, merkte er an.

„Das Thema Kanal und Straße durch den Rußweiher war bereits des Öfteren Thema im Stadtrat“, erinnerte Thomas Riedl (FW). Er stellte die Frage, ob der Kanal durch ein Entfernen des Fahrdammes Schaden erleiden könne. Wie Gradl sprach auch er sich für einen runden Tisch aus. „Die Klimaveränderung wirkt sich auch auf Wasserstand im Rußweiher aus“, war Matthias Haberberger (SPD) überzeugt. Er sah keine Entscheidungsmöglichkeit für den Stadtrat, „den Rußweiher öfter abzulassen“.

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