Eschenbach
18.03.2024 - 15:49 Uhr
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Stadtrat tagt im Eschenbacher Stadtwald: Inzwischen 15 verschiedene Baumarten

Der Umbau des Eschenbacher Stadtwaldes ist relativ weit fortgeschritten. Die Stadträte sind überrascht über die Artenvielfalt. Um Wasser zurückzuhalten folgt nun das Schließen von Entwässerungsgräben.

Vor einem neu angelegten Wassertümpel, der bei Waldbrand als Wasserentnahmestellen dienen kann, informiert Martin Gottsche auch über Erschließungsmaßnahmen im Stadtwald. Bild: rn
Vor einem neu angelegten Wassertümpel, der bei Waldbrand als Wasserentnahmestellen dienen kann, informiert Martin Gottsche auch über Erschließungsmaßnahmen im Stadtwald.

Der Stadtrat verlegte seine Sitzungsstätte in den Stadtwald und tagte in den Bereichen "Großes Dessenreuth" und "Sperberholz". An der Waldbegehung mit Revierleiter Martin Gottsche nahm erstmals Dr. Günter Dobler, der neue Leiter der Forstdienststelle Pressath des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, teil. Er war zum "Schauen und Bewundern" des Eschenbacher Stadtwaldes gekommen.

Im Klimawandel und dessen Auswirkungen sieht Gottsche eine "maximale Herausforderung". Da das Rad nicht mehr zurückgedreht werden kann, gelte es die Wälder anzupassen. Vor einem neu angelegten Wassertümpel, der als Entnahmestelle bei Waldbrand dienen kann, erinnerte er an Weiher, die noch im 17. Jahrhundert im Gebiet der Dessenreuth bestanden hatten, und sprach von erforderlichen Erschließungsmaßnahmen, zu denen er auch Wegebau zählte.

Die seit Jahren fehlenden Niederschläge nannte er als Grund dafür, alte Entwässerungsgräben zu schließen und dadurch Wasser zurückzuhalten. "Wir werden eine erste Gruppe von Gräben dicht machen", versicherte der Forstmann den Stadträten und verwies auf eine Artenschutzkomponente.

Ferner beklagte er, dass der Boden trotz der Niederschläge der vergangenen Monate ab einer Tiefe von 50 bis 60 Zentimeter "noch trocken" ist. Bis sich der Boden vollgesaugt hat, dauere es noch lange. Mit einem Blick in die Wipfelbereiche sprach er von "schwer geschädigtem Nadelholzbestand" und berichtete von Verhandlungen mit der Naturschutzbehörde für Förderkleinstmaßnahmen. Der Hintergrund dazu sei eine Artenschutzmaßnahme.

Weg vom reinen Nadelholz

Ortswechsel: Im Sperberholz, unweit des ehemaligen Biergartenweihers, stellte Gottsche erfolgreiche Maßnahmen zum Waldumbau vor. Mit Blick auf eine zehn Jahre alte Weißtannenkultur und eine acht Jahre alte Rotbuchenkultur räumte er ein: "Ohne Zäune funktioniert nichts." Eine Absage erteilte er den lange Zeit üblichen Nadelholzreinbeständen und überraschte die Mandatsträger mit der Botschaft: "Zum Stadtwald, der grünen Lunge Eschenbachs, gehören inzwischen 15 verschiedene Baumarten. Der Waldumbau ist relativ weit fortgeschritten. Unsere Quote liegt höher als vorgegeben."

Aus dem Rahmen sei allerdings eine großflächige Rodung von 20 Hektar gefallen. Darin sah Bürgermeister Marcus Gradl jedoch keinen Kahlschlag. Der Kommune sei es gelungen "mit Maß und Ziel die Industrie zu stärken und sich mit einer weiteren Kartierung Gedanken zur Entwicklung der Stadt zu machen". Sein Resümee lautete: "Wir haben noch genügend Entwicklungspotential." Reinhard Wiesent sprach sich dafür aus, "soweit möglich weiterhin Privatwald zu erwerben, eventuell auch auf dem Tauschweg."

Zur Offenlegung des Jahresbetriebsnachweises trafen sich Stadtrat und Forstleute im Besprechungsraum der Kläranlage. Martin Gottsche überraschte das Gremium mit einem dicken Wälzer, dem 169 Seiten umfassenden "Forstwirtschaftsplan Stadtwald Eschenbach", der die gesetzliche Grundlage für die Bewirtschaftung der gut 500 Hektar umfassenden kommunalen Bestände darstellt. Die "Verordnung über die Bewirtschaftung des Körperschaftswaldes" beinhaltet Planungen für einen Zeitraum von 20 Jahren.

Zurückhaltung aufgegeben

Seinen Informationen zum Stand der Fällung stellte der Revierförster den vorgegebenen jährlichen Hiebsatz von 2 600 Festmetern (fm) voraus, der dem natürlichen Nachwuchs entspreche. Die im Jahr 2023 erreichte Hiebmenge von beachtlichen 4043 fm begründete er mit der Einschlagszurückhaltung vergangener Jahre. Dazu nannte er im Einzelnen 936 fm für 2017, 1856 fm für 2018, 1165 fm für 2019 und 1322 fm für 2020.

Dem Gesamteinschlag der vergangenen 12 Jahre mit 20 880 fm stellte er ein Soll von 31 200 fm gegenüber. Der nun erhöhte Einschlag, 3076 fm im Jahr 2021 und 3330 fm im Jahr 2022, liege daher noch im Rahmen der Nachhaltigkeit. Den Zustand der Forstwege mit einer Gesamtlänge von 15,8 Kilometer, in erster Linie den der Holznutzungswege, bewertete Gottsche "relativ besser als im Umland".

Die Informationen Gottsches zum Jahresbetriebsnachweis gipfelten in der Aussage, dass sich der Reinertrag entgegen der ursprünglichen Planung von 41 000 Euro auf 169 000 Euro erhöht hat. Er räumte ein, dass eine "hohe Quote" der Holzverwertung auf Käfer-, Windwurf- und Trockenheitsschäden beruht. Für Neuanpflanzungen wurden 42 000 Euro, für Schutzzaunbauten 14 600 Euro und für Bewässerungsmaßnahmen, die vor Jahren noch für undenkbar galten, 9380 Euro ausgegeben.

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