Das Mädchen konnte es in der Nacht zum Sonntag offenbar kaum erwarten, seinen Freund zu sehen. Gegen 2.30 Uhr büchste es aus der elterlichen Wohnung aus, um mit dem Hyundai ihres Stiefvaters zu seinem Angebeteten zu fahren. Das hätte es besser per Rad oder zu Fuß gemacht, denn der Freund wohnt nach Angaben der Polizeiinspektion Eschenbach gerade mal einen Kilometer entfernt.
Dass der Wagen nicht vor dem Haus stand, fiel dem 17-jährigen Bruder des Mädchens auf. Er hatte wohl eine Ahnung und machte sich auf die Suche. Ein paar Minuten später fand er Schwester und Auto. So weit ging die Sache gerade nochmal gut. Doch dann traf auch der 17-Jährige eine Fehlentscheidung. Er wollte Schwester und Auto hinterm Steuer nach Hause bringen.
Dumm nur, dass die beiden irgendjemand bei der Polizei verraten hat. Die jedenfalls erhielt einen Anruf und stoppte die unternehmungslustigen Geschwister. Der junge Mann hat zwar einen ausländischen Führerschein, der ihm in diesem Fall aber nichts nutzt, das Mädchen hat gar keinen. Folglich sind beide wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis dran.
Dabei macht es juristisch kaum einen Unterschied, ob die beiden mit einem Auto unterwegs waren oder ein Mofa frisiert hatten. "Insgesamt kommt so ein Delikt recht häufig vor", sagt Landgerichtssprecher Matthias Bauer. Sollten die Geschwister Ersttäter sein, kämen sie wahrscheinlich mit Arbeitsleistungen davon, im Wiederholungsfall ist Wochenendarrest oder bis zu vier Wochen Gefängnis möglich.
Finanziell ist die Sache ebenfalls unangenehm. Die Führerscheinstelle nimmt in solchen Fällen Kontakt mit den Jugendlichen und den Eltern auf und führt ein Gespräch. Wenn die Jugendlichen dann regulär den Führerschein beantragen, müssen sie eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) über sich ergehen lassen. Die kostet 500 bis 600 Euro, heißt es aus dem Landratsamt. Das Jugendamt erhält den Polizeibericht, wird aber in der Regel nicht weiter tätig. Die Behörden führen auch keine Statistik, wie oft Jugendliche ohne Führerschein ertappt wurden.













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