05.03.2019 - 09:16 Uhr
EschenbachOberpfalz

Veranstaltungshalle auf der Wunschliste

Was Grafenwöhr hat, wünscht sich eine Fraktion auch für Eschenbach. Doch eine neue Veranstaltungshalle stößt nicht bei jedem Bürger auf Begeisterung.

Eine Veranstaltungshalle wie in Grafenwöhr wünscht sich die CSU/ÜCW-Fraktion auch für Eschenbach.
von Walther HermannProfil

Dem Stadtrat lag ein Antrag der CSU/ÜCW-Fraktion zum Bau einer Veranstaltungshalle vor. Starke Kritik kam jedoch vonseiten des Rathauschefs sowie von SPD und FW. Zum Antrag seiner Fraktion nahm Korbinian Dunzer Stellung. Er befasste sich mit der "Grundproblematik", zu der er den Wegfall des Pfarrheims und des alten Feuerwehrgerätehauses als Veranstaltungsorte zählte. Die verbliebenen Räume wertete er als zu klein, architektonisch problematisch, zu teuer, oder als schwierig, weil keine Außenflächen verfügbar seien. Er brachte vor, dass "unsere großen Firmen für Feiern auf Nachbarstädte wie Pressath, Kemnath oder Grafenwöhr ausweichen", und Vereine auf Feste verzichten, weil sie keine Räume fänden.

Dunzer sprach Planungen mit der Firma KonzeptBau GmbH Bayreuth, die Vorstellung eines Konzepts in der Fraktion, die Ideenwerkstatt mit Vereinen im Juni 2017 und die Einbringung dieser Ideen in das Konzept der Fraktion an. Dieses stellte Dunzer nun seinen Ratskollegen vor. Demnach soll das Stahlbetonbauwerk mit einer Außenhöhe von 6,5 Meter ein Ausmaß von 22,5 mal 33,50 Meter, einen Industrieboden, sechs Eingangstüren, ein Rolltor und einen Sozialtrakt mit Toiletten, Lager, Hausanschlussraum und Technik erhalten. Lichtkuppeln am Dach und Seitenbelichtungen sollen für Helligkeit und mobile Trennwände für flexible Nutzung sorgen. Für die Heizung sehe das Konzept "befeuerte Gasdunkelstrahler" vor. Als Regelung zur Hallenbelegung schlug Dunzer einen "Buchungs-Link auf der Homepage der Stadt und Freigabe durch die Verwaltung" vor. Die Über- und Rückgabemodalitäten könnten analog zur Malzhausregelung erfolgen, die Finanzierung durch Mieteinnahmen.

Die Fraktion hatte sich mit KonzeptBau Gedanken über die Kosten gemacht und ohne Erschließungskosten, Innenausstattung, Außenanlagen, Bühne, Küche und Raumteiler eine Summe von 1,5 bis 2 Millionen Euro errechnet. Als mögliche Orte schlug Dunzer Privatflächen am Friedhofsweg, das Bahnhofsgelände und als Favoriten die Fläche bei der ehemaligen Volksschule II vor. Durch Einstellung in den Haushalt 2020/2021 mit Entnahme der Baukosten aus den Rücklagen der Kommune könnte die Umsetzung des Vorhabens zeitnah erfolgen. Bei der Nutzung der Halle geht die Fraktion von 30 bis 40 Veranstaltungen im Jahr aus. Aus Datenschutzgründen wollte er nicht sagen, welche Vereine in der Ideenwerkstatt ernsthaftes Interesse an der Nutzung bekundet haben.

Dunzer nannte auch eine Alternative: Er brachte die "Nutzung der Kantine eines neuen Eschenbacher Unternehmens als Veranstaltungshalle am Wochenende" ins Gespräch. Mit dessen Geschäftsführer habe die Fraktion Gespräche geführt. Auch hier wollte Dunzer keinen Namen nennen. Allerdings gab es im Februar einen Infobesuch von MdB Albert Rupprecht im Medical-Center der Firma Schug (wir berichteten).

Bei einem Gespräch, an dem auch Vertreter der CSU/ÜCW-Fraktion teilnahmen, kam zur Sprache, dass der Schug-Geschäftsführer die "Nutzung des großen Kantinenareals für städtische Veranstaltungen und Vereinszwecke" nicht ausschließe. Gegen die Stimme von Franz Fuchs (SPD) und mit Zustimmung der CSU/ÜCW-Fraktion stimmte der Stadtrat für die Vertagung des Antrags, bis "Gespräche mit einem privaten Betreiber" (siehe Infokasten) abgeschlossen sind.

Neubau einer Veranstaltungshalle: Die Diskussion im Stadtrat:

Ausführlich nahm Bürgermeister Peter Lehr Stellung und widersprach bei der Behauptung, dass seit dem Wegfall des alten Feuerwehrhauses keine oder nur mäßig passende Möglichkeiten für Veranstaltungen vorhanden seien. Er verwies auf die regelmäßig genutzte Festhalle des SCE mit 400 Plätzen, auf den „Scherm-Karl“-Saal mit 250 Plätzen und auf die vom Landkreis erhaltene Genehmigung zur Nutzung der Mehrzweckhalle mit bis zu 600 Plätzen. Für Konzerte, Bälle oder Jubiläumsfeiern werde auch die Aula des Gymnasiums zur Verfügung gestellt.

Zu bedenken gab Lehr, dass sich die Anzahl von Veranstaltungen mit 700 bis 800 Besuchern im Rahmen halte, „denn es gibt nur wenige Vereine, die über die Kapazitäten zur Durchführung solcher Veranstaltungen verfügen“. Er verwies auf die Finanzplanungen 2019/2020, die eine Rücklagenentnahme von 6 bis 7 Millionen Euro vorsehen. „Der Stadtrat muss sorgsam abwägen, wie er mit Blick auf künftige Vorhaben mit den Finanzen der Stadt umgeht.“ Lehr verwies auch darauf, dass die Verwaltung für drei Gemeinden zuständig ist und bereits jetzt an der Belastungsgrenze arbeite.

Zweifel an der Nutzung einer Veranstaltungshalle hatte Thomas Riedl (FW). Er war überzeugt, dass die laufenden Kosten durch Mieteinnahmen nicht zu decken sind. Er dachte an einen Anbau an die MGS-Turnhalle. Dritter Bürgermeister Klaus Lehl (CSU) brachte ein „kostengünstigeres Konzept in einem schönen Gebäude“ mit einem privaten Betreiber ins Gespräch, mit dem in Bälde Verhandlungen anstünden.

Für zweifelhaft hielt Thomas Ott (SPD) die vorgeschlagenen Standorte für die Halle und erinnerte daran, dass sich der Stadtrat beim Bahnhofsgelände bereits für verdichtetes Bauen ausgesprochen hat. Stark infrage stellte er die Anzahl der erwarteten Nutzungen. Er rief dazu auf, verantwortlich mit dem Geld der Bürger umzugehen. „Ein Hallenkonzept kann nie kostendeckend sein“, warf Dunzer ein und schlug vor, die Nutzungskosten zu staffeln: Gewerbe, privat, Vereine. Mit Details aus der Ideenwerkstatt wartete Matthias Haberberger (SPD) auf: „Bei der Besprechung zeigte kein Verein Interesse an einer Großveranstaltung.“ Als bestens geeignet hielt er die SCE-Festhalle. Deren eventueller Umbau verursache nur einen Bruchteil der Kosten. Er verwies auf die Hallen in Grafenwöhr und Erbendorf, wo jährlich „höhere sechsstellige Beträge“ den Haushalt belasten. Mit Nachdruck nahm er Stellung zur Aussage, dass Firmen für Feste in benachbarte Städte ausweichen müssen, und hielt dagegen: „Wir sind als Kommune nicht zuständig für Firmenveranstaltungen.“

Auf Fraktionslinie blieb Sabine Schultes: „Wir sind doch für unsere Bürger da und sollten ihnen eine Halle gönnen.“ Als sie nachfragte, „warum jetzt erst die SCE-Halle angeboten wird“, erntete sie Protestreaktionen und den Kommentar Haberbergers: „Die Halle hat stets allen getaugt.“ An den „Wahnsinnskosten, die für den Gesamtbau nicht unter vier Millionen Euro liegen“, rieb sich Hans Bscherer (FW) und appellierte an die Stadträte: „Gebt unser Geld nicht leichtsinnig aus.“

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