In einer Sondersitzung des Stadtrats stellte Patrick Schwenteck von der Planungs- und Betriebsberatungsgesellschaft Consult aus Nürnberg das Ergebnis der Untersuchung der Leistungsfähigkeit am "Knotenpunkt B470 / Gewerbegebiet Am Stadtwald" vor, mit dem im Auftrag der Stadt unter Berücksichtigung der Niederlassung weiterer Unternehmen Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrsführung erbracht werden sollen. Zu den Erweiterungsstufen zählte der Planer die Erweiterung des Gewerbegebiets durch zwei Wachstumsszenarien: Erweiterung des vorhandenen Gewerbegebiets "Am Stadtwald" um bis zu 1800 Mitarbeiter (1300 in Stufe I, und zusätzlich 500 in Erweiterungsstufe II) und Gewerbeansiedlungen am Birschlingweg mit bis zu 500 Mitarbeitern. Darüber hinaus sollte der verkehrliche Einfluss einer Verbindungsstraße nördlich des Gewerbegebiets über die Hammermühlstraße überprüft werden.
Den dadurch zusätzlich entstehenden Verkehr schrieb Schwenteck unmittelbaren Einfluss auf die Verkehrsqualität des umliegenden Verkehrsnetzes, vor allem auf die Richter-Kreuzung, zu, die es auf die zukünftige Verkehrsqualität hin zu überprüfen galt. "Die Verkehrserhebungen dienen hierbei zur Bestimmung der Umlegungen des zukünftiges Verkehrs", kündigte er an.
Zum Fazit des 40 Seiten umfassenden Gutachtens zählte zunächst, dass mit einer Belastung von 764 Fahrzeugen zur Morgenspitze beziehungsweise 752 Fahrzeugen zur Nachmittagsspitze der derzeitige Zustand an der Kreuzung als unkritisch zu betrachten ist. Mit dem Ausbau des Gewerbegebiets "Am Stadtwald" in Stufe I sieht es jedoch eine Erhöhung der Verkehrsbelastung zu Spitzenstunden um 22 Prozent (Morgenspitze) beziehungsweise um 21 Prozent (Nachmittagsspitze) voraus. Leicht erhöhen werden sich die Verzögerungen für die Linksabbieger und den querenden Verkehr von den Nebenstraßen. In der Erweiterungsstufe II sieht Consult einen Anstieg der Verkehrsstärke gegenüber dem Ist-Zustand um 44 Prozent (morgens) und 50 Prozent (nachmittags) voraus, was stärkere Auswirkungen auf die Verkehrsqualität mit sich bringt: "Es kommt zu größeren Verzögerungen beim von den Nebenstraßen kommenden Verkehr." Auch durch den Neuverkehr vom und zum neuen Gewerbegebiet am Birschlingweg mit Tankstelle und möglicher Betriebsansiedlung sieht das Gutachten Verzögerungen für die Verkehrsteilnehmer voraus.
Das Gutachten endet mit der Empfehlung: "Vor dem Hintergrund einer erhöhten Unfallrate am Knotenpunkt würde eine Lichtsignalanlage nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Qualitätsstufe einiger Verkehrsströme verbessern. Vor dem Hintergrund eines steigenden Verkehrsaufkommens vom Birschlingweg kommend kann die Ampelanlage als vitale Alternative verstanden werden. Eine erhöhte Effizienz und Sicherheit der LSA erfordert jedoch eine modifizierte Kreuzungsgeometrie, welche bei dieser Voruntersuchung unterstellt wurde."
In seinen gut einstündigen Ausführungen konfrontierte Schwenteck die Stadträte mit den Ergebnissen der Verkehrserhebungen, der Verkehrserzeugung von Wachstumsszenarien, den Möglichkeiten der Verkehrsumlenkung und mit Leistungsfähigkeitsberechnungen. Er berichtete von "Querschnittserhebungen" an Industrie- und Gossenstraße und "Knotenpunktserhebungen" im Kreuzungsbereich der B 470, die am 9. April mit Hilfe von Kameras vorgenommen worden waren. Er sprach von 762 Fahrzeugen auf der Gossenstraße und 802 Fahrzeugen auf der Industriestraße – in der Zeit von 6 bis 22 Uhr. Im gleichen Zeitraum seien im Kreuzungsbereich 8637 Fahrzeuge erfasst worden. Er ging auf die arbeitszeitbedingten "Tagesganglinien" zur Ermittlung der Spitzenstunden ein, die als Basis für spätere Prognosen und Verkehrsumlegungen dienen werden.
Den Leistungsfähigkeitsberechnungen lag die Ermittlung der Verkehrsqualität zugrunde, die nach dem Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS) ermittelt wurde. Schwenteck stellte dem Gremium zeichnerisch dargestellte Szenen der Verkehrsbelastung im Kreuzungsbereich auf HBS-Basis vor und leitete daraus einen Signalzeitenplan mit Vorfahrtsregelung ab. Nach seinen Vorstellungen gelte es, mit einem Optimierungsprogramm möglichst viele Verkehrsteilnehmer über die Kreuzung zu bringen. Den Vorteil einer Ampelanlage sah er darin, dass sie bei Schichtwechsel steuerbar wäre.
Während der intensiven Aussprache zeigte sich Franz Fuchs überzeugt, dass aus der künftigen Tankstelle mehr Ausfahrten erfolgen als angenommen und es die Anfahrtszeit der LKW zu berücksichtigen gelte. Mit Hinweis auf die hohen Verkehrszahlen zu Zeiten der Getreideanlieferung an das Lagerhaus Schloderer forderte Hans Bscherer daher eine Abbiegespur. Die Sicherheit der Fußgänger in Richtung Tennisanlage und Grüngut hinterfragte Lina Forster. Schwenteck antwortete mit einer "erweiterten Ampelprogrammierung könnte dies berücksichtigt werden". Da er in seinem Vortrag auch ein Gespräch mit dem Straßenbauamt erwähnt hatte, bemängelte Karl Lorenz die Teilnahmemöglichkeit der Stadt. Während sich Thomas Riedl die Sperrung der Industriestraße für LKW-Verkehr wünschte, favorisierte Sabine Schultes mit Blick auf eventuelle Feuerszenarien eine weitere Zufahrt über die Hammermühlstraße.
Als Matthias Haberberger als abgespeckte Version der Spange Ost einen Brückenbau mit Tieferlegen der B 470 vorschlug, fand er Zustimmung bei Klaus Lehl. Beide zeigten sich jedoch überzeugt, dass die Spange Ost "noch nicht gestorben ist". "Über einen möglichen Brückenbau habe ich mit dem Straßenbauamt aufgrund der Vorgeschichte auch kurz diskutiert", warf Schwenteck ein und bekräftigte, dass eine Brücke die Sicherheit im Vergleich zu einer Ampel nicht signifikant erhöht und sowohl die aktuelle und prognostizierte Leistungsfähigkeit, als auch eine mögliche Berechnung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses ein derartiges Bauwerk aktuell wohl eher nicht rechtfertigt. Auch Bürgermeister Peter Lehr griff die Spange Ost nochmals auf und ließ wissen: "Die Wirkungsfrist eines Bürgerentscheids beträgt nur ein Jahr. Dann hat der Stadtrat Entscheidungsfreiheit. Die Spange Ost ist im Bundesstraßenausbauplan noch enthalten."















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