15.07.2021 - 12:40 Uhr
EschenbachOberpfalz

Viele Mitglieder, aber keine Vorsitzende: Katholischer Frauenbund Eschenbach löst sich auf

Im nächsten Jahr hätte der Katholische Frauenbund Eschenbach sein 75-jähriges Bestehen feiern können. Doch daraus wird nichts: Die fehlgeschlagenen Neuwahlen bedeuten das Ende der als „umtriebige Gemeinschaft“ gelobten Vereinigung.

Die Ausstellungshalle der Kleintierzüchter war gut gefüllt, als der Katholische Frauenbund Eschenbach zur Jahreshauptversammlung geladen hatte – zum letzten Mal: Da sich kein Mitglied bereit erklärte, den Posten der Vorsitzenden zu übernehmen, wird die Auflösung des Zweigvereins eingeleitet.
von Walther HermannProfil

Im Vereinsheim der Kleintierzüchter, es war dem Katholischen Frauenbund nahezu zur neuen Heimat geworden, läutete Bezirksvorsitzende Elke Burger das Ende einer im Glauben verwurzelten Gemeinschaft ein, die am 9. Februar 1947 mit einer ersten geselligen Veranstaltung auf sich aufmerksam gemacht hatte. Sie sprach Vorsitzender Monika Stopfer ein "Vergelt’s Gott" für die geleistete Arbeit aus und dankte den Mitgliedern für langjährige Treue und Mitarbeit.

Als Burger nach den üblichen Regularien bei den fälligen Neuwahlen um Kandidatenvorschläge für den Posten der Vorsitzenden bat und darauf keine Reaktion erhielt, bestätigten sich die Informationen aus der bisherigen Führungsriege: Der Katholische Frauenbund Eschenbach ist Geschichte. Die Bezirksvorsitzende fand es sehr traurig, dass eine mehr als 70-jährige Tradition zu Ende geht.

„Ihr seid einfach super gewesen“ , bescheinigte sie dem Zweigverein und prophezeite für Eschenbach die baldige Erkenntnis: „Es fehlt etwas.“ Als nächsten Schritt kündigte sie Briefe des Diözesanverbandes an, in denen den Mitgliedern die Möglichkeit eröffnet werde, als Einzelmitglied weiterhin dem Verband anzugehören, sich einer Nachbarvereinigung anzuschließen oder die Mitgliedschaft zu kündigen.

Begonnen hatte die Jahreshauptversammlung mit einem reichhaltigen Angebot von Kuchen und Kaffee. Monika Stopfer hatte bei der Begrüßung der Ehrengäste das Fehlen von Räumlichkeiten für Veranstaltungen des Frauenbundes bedauert. In der Ehrung langjähriger Mitglieder, die sie gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Loni Schäffler vornahm, sah die Vorsitzende einen Akt der Wertschätzung.

Geehrt wurden für 45-jährige Zugehörigkeit Hildegard Böllath und Erika Habith. Für 40 Jahre: Elisabeth Albersdörfer, Agnes Dotzauer, Hildegard Götz, Anni Göppl, Elisabeth Hartwanger, Annerose Jantschik, Agnes Klarner, Erna Riedl, Marianne Roth, Rosa Spiegl, Luise Thurn, Christa Trummer und Marianne Waterloo. Für 35 Jahre: Lydia Gmeiner, Elfriede Hübl, Irmgard Lingl, Rita Paulus, Rosina und Theresia Stopfer, Sibylle Traßl und Agnes Walberer. Für 30 Jahre: Anneliese Dunzer, Babette Gradl und Irene Kummer. Für 25 Jahre: Monika Pscherer.

In ihrem Rückblick und Tätigkeitsbericht erinnerte Stopfer an das Buchstabieren des Wortes „Frauenbund“ durch Stadtverbandsvorsitzenden Dieter Kies in der Jahreshauptversammlung 2019: F wie Freude, R wie Respekt, A wie Anerkennung, U wie Unternehmungen, E wie Ehrenamt, N wie Niveau, B wie Bereitschaft, U wie unermüdlich, N wie Nächstenliebe und D wie Dank. Von Maiandacht und Elisabethfeier über die Kuchentheke beim Bürgerfest sowie Koch-, Weinlese- und Wohlfühlabende bis hin zu Frühstücksveranstaltungen und Vorträgen reichte seither das Geschehen. „Ein Pfarrer ohne Frauenbund ist ein armer Hund“, hatte vor Jahren ein Geistlicher über die Gemeinschaft geurteilt.

Eine Gedenkminute widmeten die Mitglieder den seit Januar 2019 verstorbenen 14 Mitgliedern. In ihrem Kassenbericht erwähnte Christine Kies auch 900 Euro an Spenden für verschiedene Einrichtungen.

Mit Blumen gratulierten Stopfer und Schäffler zu fünf runden Geburtstagen und dankten ebenfalls mit Blumen für das Austragen der Verbandszeitungen. Mit stehenden Ovationen begleiteten die Frauen die Übergabe eines Blumenpräsents an Monika Stopfer. Loni Schäffler erinnerte daran, dass diese als stellvertretende Vorsitzende nach dem Rücktritt von Karin Reul im Jahr 2013 „ins kalte Wasser geworfen wurde“.

Karl Lorenz bescheinigte dem Frauenbund ein „ausgezeichnet gestaltetes Jahresprogramm“ und rief dazu auf, sich intern Gedanken über ein Fortbestehen zu machen. Er empfahl, sich dabei am Sportclub zu orientieren, der eine feste Aufgabenverteilung vereinbart habe. Auch Stadtpfarrer Thomas Jeschner dankte Monika Stopfer und ihrem Team, die viel Herzblut für den Frauenbund eingebracht hätten. Er ermutigte die Gemeinschaft, eventuell über eine Fusion mit einem Nachbarort nachzudenken.

Stadtverbandsvorsitzender Dieter Kies sah im Frauenbund einen „festen Bestandteil des gesellschaftlichen und sozialen Miteinanders“, bescheinigte ihm Qualität und appellierte an das „sogenannte Mittelalter“, Führungsaufgaben zu übernehmen. „Euere selbst gebackenen Kuchen werden wir auf dem Bürgerfest vermissen – da sage ich nur: schade, schade, schade“, sprach er vielen Eschenbachern aus dem Herzen.

Bezirksvorsitzende Elke Burger (Mitte) fand es sehr traurig, dass eine mehr als 70-jährige Tradition zu Ende geht. Die bisherigen Vorsitzenden Monika Stopfer (links) und Loni Schäffler waren nicht zu einer Fortführung ihrer Ämter bereit.

„Euere selbst gebackenen Kuchen werden wir auf dem Bürgerfest vermissen – da sage ich nur: schade, schade, schade.“

Stadtverbandsvorsitzender Dieter Kies zur Auflösung des Katholischen Frauenbundes

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