08.12.2019 - 12:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Volkshochschule Eschenbach: Vortrag über "Fake News"

Die Fülle von Falschmeldungen und verfälschten Nachrichten im Internet vermehrt sich unkontrolliert. Diesem Themen-Komplex widmet sich ein Experte bei einem Kursabend der Volkshochschule Eschenbach.

"Fake News": Worum geht es und was wir tun können - diese Fragen beantwortet bei einem Kursabend in der Volkshochschule Eschenbach Studiendirektor a.D. Friedrich Wölfl.
von Robert DotzauerProfil

„Fake News“ sind nicht neu. Ein Politikum seien sie aber erst seit 2016, als Behauptungen im USA-Wahlkampf das Netz vergifteten , betonte der Referent. Falschmeldungen sind seitdem „Fake News“. Worum geht es und was kann der Einzelne tun? Mit diesen Fragen beschäftigte sich in einem VHS-Vortrag Friedrich Wölfl.

Der Pechbrunner untersuchte zunächst anhand von Beispielen die „Maschen“ absichtlicher Falschmeldungen in den unterschiedlichsten Medien. Beispiele stammten zum Teil aus tagespolitischen Zusammenhängen der letzten Wochen aber auch aus extremistischen Gedankenwelten. Wölfl verwies auf verwirrende Desinformationen. Daraus entstehe ein großes Maß an Unsicherheit und schüre Misstrauen gegenüber Medien und staatlichen Dienststellen. Aus der Häufung heraus entstehe schließlich eine Vergiftungswelle gegenüber demokratischen Entscheidungen, stellte der Referent fest.

Wölfl bedauerte, dass sich raffinierte "Fake News" oftmals nur durch professionelle Recherchen entlarven ließen. Leichter zu erkennen seien propagandistische und satirische Beiträge und mediale Inszenierungen von Politikern. Im Gegensatz dazu seien Verschwörungstheorien und die gefühlte Entlarvung „finsterer Zusammenhänge“ schwerer zu erkennen. Ziel aller Unterstellungen sei es, mit Theorien und einfachen Erklärungen in der Bevölkerung Ängste vor bösen Mächten zu schüren. Als Beispiel nannte Friedrich Wölfl die sogenannte „Chemtrail-Verschwörung“, die Glauben mache, der Kondenzstreifen am Himmel verbreite einen chemischen Sprühregen.

Zusammen mit den Besuchern diskutierte der Kursleiter auch Wahrnehmungsgewohnheiten. Psychologische Phänomene wie etwa die selektive Wahrnehmung mache viele Signale aus der Umwelt bewusster und fördere „Voreinstellungen“. Auch darauf verwies Wölfl und warnte vor den immer gleichen Mustern, objektive Tatbestände abzuwerten oder auszublenden. Als Beispiele nannte der Referent die Impfpflicht-Diskussion für Kinder und die Debatten zu Glyphosat, zum Klimawechsel oder zur Ausländerkriminalität. Dieser Mechanismus sei auch das Geschäftsmodell mancher sozialer Netzwerke. „So werden manche Meldungen in den sozialen Netzen zu einer Art Wohlfühl-Bälle-Bad“, argumentierte der Kursleiter. Damit erhöhe sich für die Nutzer die Gefahr, sich an die eigene Filterblase zu gewöhnen und andere Positionen und Argumente auszublenden. Diese Selektion der Wahrnehmung führe praktisch zu einer Voreinstellung der Meinungsbildung.

Auf Fragen zu Gegenstrategien eingehend empfahl der Referent eine sorgfältige Quellenrecherche oder den Blick auf die Glaubwürdigkeit der Autoren. Allgemein notwendig seien, so die Teilnehmer der Diskussionsrunde, ein kritischer und pluraler Medienkonsum, ein solides politisches Grundwissen und eine geschärfte Urteilskraft. Nur so verliere der Satz „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ an Bedeutung.

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