11.03.2019 - 15:18 Uhr
EschenbachOberpfalz

Wälder zukunftssicher gestalten

Waldbesitzer aus dem Landkreis erhalten bei Praxistag im Stadtwald forstwirtschaftliches Grundwissen vermittelt.

Mit neuen Herausforderungen in der Forstwirtschaft macht Martin Gottsche (Zweiter von links) die Teilnehmer an einem Praxistag des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vertraut.
von Walther HermannProfil

Er ist nahezu eine Vorzeigeeinrichtung: Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nutzt den Stadtwald seit Jahren für Unterrichts- und Weiterbildungszwecke. Nach sechs Unterrichtsabenden zur Vermittlung von forstlichem Grundwissen an der Dienststelle des Amtes sollte für 14 Seminarteilnehmer dort auch ein Praxistag das „Bildungsprogramm Waldwirtschaft 2019“ beenden. Die Witterung hielt jedoch einige davon ab.

Zu Beginn der Exkursion zum Thema „zukunftssichere Wälder“ machte Martin Gottsche den Waldbesitzern mit Blick in die Wipfelregion deutlich, dass die Klimaänderung auch die Forstwirtschaft vor neue Herausforderungen stelle und sich die Wachstumsbedingungen der Baumarten ändern werden, wenn auch regional unterschiedlich. Die langlebigen Wälder könnten sich aber nur langsam und schrittweise an die neue Klimasituation anpassen.

Fichte und Kiefer bezeichnete der Experte als „Bäume der kühlen Klimaregionen“. Während die Kiefer mit weniger Wasser auskomme, sei die Fichte anfällig gegen Trockenheit und in deren Folge auch gegenüber Borkenkäferbefall. Hinzu komme die permanente Windwurfgefahr.

Vor diesem Hintergrund befasste sich der Forstmann bei seiner „Stationsausbildung“ vor allem mit Walderschließung und -verjüngung, Laubholzpflege, Wertholzproduktion, Nadelholzpflege, Verkehrssicherung und Holzsortierung. In der Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft sah er nach heutigem Verständnis auch die Förderung der Anpassungsfähigkeit der Wälder und ihre Gestaltung zu einem vielfältigen Lebensraum. „Dies kann nur mit einer Vielzahl von Baumarten mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften erfolgen“, gab er den Seminarteilnehmern mit auf den Weg.

Als Ziel aller waldbaulichen Maßnahmen nannte Gottsche daher den Aufbau stabiler, gemischter und vielfältiger Wälder. Nur dadurch könne eine Risikostreuung und -minderung erreicht werden. Er gebrauchte dazu einen Spruch aus der Winterzeit: „Wer streut, rutscht nicht.“ In die Praxis umgesetzt bedeute dies den Umbau von Reinbeständen, insbesondere von Fichten und Kiefern, in Mischbestände mit mehreren Baumarten, vor allem mit Laubhölzern. Damit werde auch der Biodiversität Rechnung getragen.

Sein Merksatz dazu lautete: „Mehrere Baumarten bieten in unseren Wäldern einen attraktiveren Lebensraum für mehr spezialisierte Tier- und Pflanzenarten als Reinbestände.“ Ergänzend dazu gelte es, jüngere Waldbestände zur Stabilisierung und Förderung zu pflegen und zum Erhalt der Mischung beizutragen. An den jeweiligen Stationen entwickelten sich rege Frage- und Antwortrunden.

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