04.02.2020 - 09:58 Uhr
EslarnOberpfalz

"Bayerisch" kann nicht nur die CSU

Es fehlt nur der Defiliermarsch, und man sieht vor dem geistigen Auge Gustl Lang in den Saal einziehen. Aber „Bayerisch“ kann nicht nur die CSU, das demonstrieren die Freien Wähler bei ihrer Auftaktveranstaltung augenfällig.

Bürgermeisterkandidat Bernd Reil (stehend) mit dem stellvertretenden Generalsekretär der Freien Wähler, Felix Locke, der FW-Kreisvorsitzenden Gabriela Bäumler und dem Marktratskandidaten Norbert Karl (von rechts).
von Gabi EichlProfil

Der Saal ist voll, die „Schlossberger“ spielen zünftig auf. Die Fähnchen auf den Tischen sind orange, nicht weiß-blau, aber nicht wenige Gäste tragen Dirndl oder Lodenjacke. Die FWG-Vorsitzende Karin Stahl ruft in den Saal, die Bewerber der Freien Wähler seien fest mit ihrer bayerischen Heimat verwurzelt. „Wir wollen nur das Beste für den Ort“, sagt sie.

Der Schwandorfer FW-Landtagsabgeordnete Joachim Hanisch bezeichnet die Kommunalwahlen als „etwas Besonderes“. Dabei gehe es mehr denn je um die Belange vor Ort, um die keine Partei sich mehr kümmere als die Freien Wähler, die echte Praxisbezogenheit in die Politik der Staatsregierung gebracht hätten.

Und schon ist Hanisch beim großen Thema der Freien Wähler, der Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung. „Das waren wir“, sagt er. Aus der Opposition heraus sei die Forderung nach der Abschaffung mehrfach abgelehnt worden, daher habe man zu dem Instrument der Bürgerbefragung greifen müssen.

Etwa ein Drittel der Gemeinden im Freistaat habe die Anlieger nicht an den Kosten für den Straßenausbau beteiligt, und das sei ungerecht gewesen. Hanisch gibt aber zu, dass die Abschaffung der Beiträge der einen oder anderen Gemeinde in den nächsten Jahren Probleme bereiten könne, auch wenn der Freistaat massiv ausgefallene Einnahmen ersetze.

Wie vor ihm Hanisch stellte der Vize-Generalsekretär der Freien Wähler, Felix Locke, fest: „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Locke konzentriert sich auf die jungen Wähler und erläutert die Ansätze seiner Partei zur Digitalisierung der Arbeitswelt. Er bricht dabei eine Lanze unter anderem für ein lebenslanges Lernen.

Der Landratskandidat der Freien Wähler, Tobias Groß, der zuvor an der Auftaktveranstaltung der FW in seiner Heimatgemeinde Theisseil teilgenommen hat, stellt Ziele und Visionen eines Landrats der Freien Wähler vor.

Der Bürgermeisterkandidat Bernd Reil präsentiert die Gemeinderatskandidaten der Freien Wähler, ehe er sein eigenes Programm vorstellt (siehe Kasten).

Bernd Reils Wahlprogramm:

Totgesagte leben länger. Diesen Satz zitiert Bernd Reil zwar nicht, aber er macht mehrmals deutlich, dass die Freien Wähler in Eslarn alles andere als tot seien, wie immer wieder kolportiert werde. Ganz im Gegenteil, sagt Reil. Und man werde im Gemeinderat „keine Abnickpolitik“ betreiben. Gleichzeitig plädiert Reil für ein Miteinander im Gemeinderat, vor allem aber für einen Wahlkampf, der niemals unterhalb der Gürtellinie ende.

Reil unterscheidet zwischen den Pflichtaufgaben eines Bürgermeisters und den Ideen eines neuen Mannes in diesem Amt. Anstehende Pflichtaufgaben seien etwa die weitere Förderung von Gewerbeansiedlungen, die Kläranlage, die nur noch bis 2021 eine Betriebserlaubnis hat, die Schaffung neuer Bauplätze beziehungsweise das Vermarkten leerstehender Objekte und die Sicherstellung der Wasserversorgung.

Dringend notwendig sei die Sanierung einer ganzen Reihe von Straßen im Markt selbst, aber auch rundherum; Reil nennt als Beispiel den Schlossbergweg. Am Ball bleiben wolle man, um wieder eine Apotheke anzusiedeln. Sehr unbefriedigend sei die Situation auf dem Friedhof; der zweite Bauabschnitt sei offenbar in einer Schublade verschwunden, dabei müssten zum Beispiel die Gehwege saniert werden, auch über die Schaffung einer Urnenwand sei nachzudenken. Das Pflaster auf dem Rathausvorplatz und dem Gehweg an der Kirche sei für ältere Menschen teilweise eine unzumutbare Hürde; hier sei nach neuen, barrierefreien Wegen zu suchen.

Zwingend notwendig sei eine zweite Bushaltestelle im Markt, sagt Reil, denn an der bisher einzigen herrsche „Chaos pur“. In nahezu jedem Dorf gebe es inzwischen eine zweite Haltestelle.

Die großspurigen Versprechen überlasse man anderen, sagt Reil, die FWG wolle in erster Linie Ideen einbringen. So werde auch das Rathaus unter einem Bürgermeister Reil eine „Werkstatt der Ideen“ sein, immer im Meinungsaustausch mit den Bürgern.

Nicht locker lassen werde man im Bemühen, den Schlossberg, zu sanieren; Reil bringt als „gemeinsame Vision“ eine Verbindung des historischen Schlossbergs mit dem Kommunbrauhaus und einem Biergarten ins Spiel.

Verschiedene Ideen hat der FWG-Kandidat für die Jugend, der der Markt unbedingt etwas bieten müsse, etwa einen Skaterpark wie in Vohenstrauß im derzeit brachliegenden Kurpark. Reil denkt auch an eine Sanierung und Aufwertung des Atzmannsees nach dem Vorbild verschiedener gut besuchter Badeweiher und Freizeitanlagen in der Umgebung. Oder an einen Jugendraum in einem leerstehenden Gebäude. Die Jugend müsse sich wieder stärker zugehörig fühlen. Dazu bedürfe es aber auch entsprechender Angebote.

Reil will eigenem Bekunden zufolge ein digitaler Bürgermeister werden, der jederzeit zu erreichen sei, und er will eine Online-Plattform schaffen für den unmittelbaren Austausch mit den Bürgern.

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