22.02.2019 - 19:04 Uhr
EslarnOberpfalz

Beratung um Eslarner Beratungsstelle

Bürgermeister Reiner Gäbl, Integrationslotse, Flüchtlingshelfer und Vertreter der Fachstellen treffen sich eigentlich zur Eröffnung der neuen Beratungsstelle für Flüchtlinge. Beim Gespräch wird deutlich: Es gibt viel mehr zu tun.

An diesem Tisch in der Eslarner Bibliothek wird Noemi Roupcova (vorne, Mitte) künftig alle zwei Wochen Geflüchtete beraten. Unterstützt wird sie von stellvertretender Sozialteam-Leiterin Ursula Hösl (vorne, rechts), Bürgermeister Reiner Gäbl (vorne, links) sowie (hinten, von links) Vermieterin Monika Brunner mit Mann Erich (rechts), Integrationslotse Wolfgang Klink und Anita Weichselmann.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

In dieser Konstellation haben sich Helfer, Vertreter der Beratungsstellen und Amtsträger noch nicht getroffen. Zum Start der vierten Beratungsstelle im Landkreis nach Eschenbach, Vohenstrauß und Pressath gab es in Eslarn bei den Beteiligten viel Gesprächsbedarf.

Noemi Roupcova wird, beginnend mit dem 8. März, jeden zweiten Freitag von 15 bis 17 Uhr in der Eslarner Bibliothek in der Friedhofstraße 2 rund um das Thema Integration beraten. Anita Weichselmann, die sich gemeinsam mit Gertraud Nickl seit 2014 für die Flüchtlinge in Eslarn engagiert, wollte sofort wissen, wie eine psychotherapeutische Unterstützung für einen ihrer Schützlinge vielleicht leichter zu organisieren sei. Roupcova wusste Alternativen.

Spitzenwert im Landkreis

Monika und Erich Brunner, die Wohnungen an acht Eritreer, drei Nigerianer und drei Iraker vermieten, überlegten, wie sie die Hemmungen der Einwanderer abbauen könnten, das Angebot in der Bibliothek zu nutzen. "Wir haben gemerkt, es braucht einen Anstoß", sagte Integrationslotse Wolfgang Klink. Die Helfer spekulierten, ob sie einen Fahrdienst anbieten sollten. "Die haben Probleme, alleine irgendwohin zu kommen", sagte Monika Brunner.

Laut Bürgermeister Reiner Gäbl seien derzeit 40 Flüchtlinge in der Gemeinde untergebracht. Das sei im Verhältnis zur Einwohnerzahl viel und, die Sammelunterkünfte ausgenommen, der Spitzenwert im Landkreis Neustadt/WN. Der Rathauschef hatte Redebedarf mit Klink als Vertreter des Landratsamts: "Ich bin interessiert, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. Aber ich weiß nicht, wer aufgrund seines Status arbeiten darf. Das kann's nicht sein." Flüchtlinge, die arbeiten wollten, nicht arbeiten zu lassen, sei auch keine gute Botschaft an die Bevölkerung. Klink sicherte hier eine engere Zusammenarbeit zu. "Wir sind darauf angewiesen, dass Sie anschieben", sagte Gäbl in Richtung der Helfer. Er wünschte sich, dass das Angebot zur Beratung angenommen wird, "sonst steht Frau Roupcova alleine da". Dem Bürgermeister war auch der Kontakt zu den Nachbargemeinden wichtig. Waidhaus und Moosbach sollten das Beratungsangebot ebenfalls nutzen.

Obwohl die Herausforderungen seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 weniger geworden sind, gibt es immer noch viel zu tun. "Manche sagen zu mir, Sie kommen drei Jahre zu spät", sagte Integrationslotse Klink. "Ich sage: 'Besser spät als nie.' Man muss unsere Kultur 1000 Mal erklären." Sozialteam-Leiterin Ursula Hösl war dankbar, dass es mit dem Integrationslotsen nun einen Ansprechpartner im Landratsamt gebe. So könnten Herausforderungen Schritt für Schritt gelöst werden.

Lösegeld für Familien

Die acht Eritreer, die in Eslarn leben, möchten laut Weichselmann auch im Grenzort bleiben. "Die kommen vom Land, die suchen Arbeit in der Landwirtschaft, die wollen ihre Familien nachholen." Das sei allerdings schwierig. Die Altphilologin steht mit Kirchen, Botschaften, Post und Flüchtlingslagern in Afrika in Kontakt. Die Familien können durch die Zahlung einer Strafgebühr aus der Eritreeischen Militärdiktatur herausgekauft werden, welche die hier arbeitenden Angehörigen aufbringen. Mittlerweile hat sie einen Weg gefunden, die nötigen Dokumente für die Familienzusammenführungen zu bekommen.

Was Weichselmann nicht versteht: In Eslarn ist eine alleinstehende Frau mit sechs Kindern von zwei bis zehn Jahren angekommen. "Fünf sollten hier in die Schule, bei drei kleinen Klassen." Sie hofft, dass die Familie in Neustadt untergebracht werden kann und hat schon mit Klink gesprochen. Die Eslarnerin kümmert sich auch um weitere Belange der Zuwanderer: "Bei uns gibt es ja keine Fachärzte." Laut eigener Aussage hat sie unter anderem alle Schwangeren regelmäßig zum Frauenarzt gefahren. "Auch nachts um zwei."

Diese vielen Schwierigkeiten soll Roupcova lindern. Die Sozialpädagogin hat 2015 in Weiden die Erstaufnahmeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge geleitet. Inzwischen hat sie am Mittwoch Sprechzeiten in Vohenstrauß, Freitag und Samstag in Weiden und jetzt neu in Eslarn. Auch per E-Mail oder Handy ist die Kontaktaufnahme möglich. Dabei bezeichnete sie die Beratung von Irakern, Afghanen oder Syrern inzwischen gar nicht mehr als größte Herausforderung. Seit einigen Monaten kämen immer mehr EU-Ausländer. Auch Rumänen, Polen und Bulgaren bräuchten dringend Unterstützung, weil sie sich mit Versicherungen und Steuern in Deutschland nicht auskennen. "Da kommt auch der Arzt vom Klinikum", berichtete Roupcova.

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