23.07.2020 - 12:07 Uhr
EslarnOberpfalz

Besonderer Geschichtsunterricht für Eslarner Senioren

Einen besonderen Fernsehnachmittag Art bot Fritz Möstl. Die Bewohner der AWO-Tagesstätte schwelgten 90 Minuten in Erinnerungen und hatten Gelegenheit, auf den rund 60 Jahre alten Aufnahmen andere und sich selber zu entdecken.

Die Aufnahme von 1937 zeigt die Kirche nach dem Brand mit dem neuen Turm und am Tillyplatz auf der linken Seite die Tankstelle und das Geschäftshaus Müller (Waldmüller) und rechts die Anwesen Lang (Alisn), Wild (Gougl) und Meckl (Pöiterlsimmer).
von Karl ZieglerProfil

Die Senioren trafen sich in der AWO-Tagesstätte zu einem besonderen Geschichtsunterricht. Die Bilderreise des AWO-Vorsitzenden Fritz Möstl durch verschiedene Epochen bis zur aktuellen Zeitrechnung war ein kleiner Vorgeschmack auf das Heimatfest 2021. Auf den Beginn des 20. Jahrhunderts wiesen alte Autos und Ochsengespanne hin. Im Bild zu sehen waren zahlreiche Mütter mit ihren neugeborenen Kindern, die sich mit Doktor Wilhelm Fahr, der von 1919 bis 1962 in Eslarn als Arzt tätig war, zu sogenannten Mütterberatungen trafen. Das Gegenüberstellen der Bilder von früher und heute verdeutlichte zudem die Fortentwicklung der Marktgemeinde. "Alle Aufnahmen mit dem alten Zwiebelturm stammen vor dem Großbrand 1895."

Möstl erzählte von einem Türmer auf dem Kirchturm, der Ausschau nach Feuerstellen hielt und von Aktionen des Theater- und Faschingsvereins. Die Bilder zeigten Veranstaltungen mit Ehrenbürgern wie den Geschichtsforscher Hans Schlemmer, Pfarrer Johann Wagner, Geschäftsmann Justin Braun (Justl) und den Brauereibesitzer Karl Bauriedl (Breier). Im Fokus stand unter anderen auch Unternehmer, Komponist und Zitherspieler Ludwig Müller (Waldmüller), der bevor er nach München zog ein Kaufhaus und eine Tankstelle am Tillyplatz betrieb. Viele erinnerten sich an die Umbenennung der Regensburger in die Ludwig-Müller-Straße und an die Litfasssäule am Tillyplatz, an der Bekanntmachungen und Werbeplakate aufgeklebt waren. Die Schule befand sich früher in Ortsmitte und hieß Ratzenburg, wurde 1936 abgerissen und eine neue gebaut.

Am Standort des alten Hammerlanwesens steht heute unsere AWO-Tagesstätte.

AWO-Vorsitzender Fritz Möstl

Ein Rätsel gab eine Luftaufnahme auf, die ein Dach mit der Aufschrift "J. Rauch 1903" zeigte. Inmitten des Ortes standen noch die Häuser mit den Hausnamen Scharm, Kuhlballer, Zacherl, Dirscherl, Justl und Hammerl. An vielen Anwesen wie beim "Pöiterlsimmer" und "Kilian" war der Zoiglstern angebracht und wies auf den Ausschank von Kommunbier hin. Der anwesende Hobbymusiker Josef Maier konnte sich an einen Birnbaum direkt am Tillyplatz, von dem sich die Kinder so manche Birne sicherten, und an die Jugendblaskapelle, aus der viele Musikgruppen hervor gingen, erinnern. Die Heimatfeste bereicherten alle fünf Jahre die Mitglieder der Heimatvereine aus München mit dem Münchner Kindl und Nürnberg mit dem Meistersinger Hans Sachs. Ein Foto zeigte die Ansammlung von Menschen mit beladenen Leiterwagen am Tillyplatz. Laut Möstl handelte es sich dabei um Familien, die wegen befürchteten Unruhen aus dem Nachbarort Eisendorf geflüchtet waren.

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Eslarn

In den Jahren verschwanden alte Häuser und Neues entstand. Das ehemalige Forsthaus am Bühl wurde vom neuen Besitzer saniert und an der Stelle der abgerissenen Sauervilla entsteht ein Neubau. "Am Standort des alten Hammerlanwesens steht heute unsere AWO-Tagesstätte." Die Senioren zeigten während der 90 Minuten reges Interesse und brachten sich mit Hinweisen rege in den Vortrag mit ein. Zum Ende führte Möstl die Senioren zurück in die aktuelle Zeit, zeigte Bilder vom Bau der AWO-Tagesstätte und einen Kurzfilm über die Störche. Um das umfangreiche Wissen auch den nachfolgenden Generationen zu erhalten, sollen in den nächsten Monaten auf den Bildern alle abgebildeten Personen und Gebäude mit Namen benannt werden. Zum nächsten Bildervortrag "Kirche und Entwicklung" soll Pfarrer Erwin Bauer eingeladen werden.

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