15.03.2019 - 08:24 Uhr
EslarnOberpfalz

Bier-Hype in Eslarn seit fast 500 Jahren

Nicht nur der Glaube an den überlieferten Spruch "Jeder Tag ohne Bier ist ein Gesundheitsrisiko", sondern auch die Liebe zum gebrauten Lebenselexier versetzt die Menschen seit rund 500 Jahren in einem wahren Bier-Hype

Auf einem Plakat im Biererlebnis zeigt der Kommunbraumeister Georg Zierer senior seit 1951 wie´s gemacht wird.
von Karl ZieglerProfil

Seit Jahrhunderten halten Brauer und Verbraucher in Eslarn an der überlieferten Brautradition von Kommunbier, Rebhuhnzoigl und Zoiglbier fest und versuchen mit dem Genuss in Maßen dem Spruch über dem Eingang zum Kommunbrauhaus gerecht zu werden. Das Lebensmittel Bier wurde in der Oberpfalz seit der Besiedelung gebraut und war mit den 1516 von Herzog Wilhelm IV. vorgegebenen Rohstoffen Gerste, Hopfen und Wasser eher ein Nahrungs- als ein Genussmittel.

Eslarner Bier seit 1522

Nach den Überlieferungen der Heimatforscher Hans Schlemmer und Josef Hanauer soll in Eslarn bereits seit 1522 ein Brauhaus unterhalb des Eslarner Rathauses beim "Wasserschmied" existiert haben. Der erste Biergenuss dagegen wurde erst 1529 aktenkundig. Der damalige Pfarrer Matthias Holzprobst sorgte als leidenschaftlicher Bierbrauer für Aufsehen, da er beim Brauen das Malz nicht messen ließ und wegen dieser Verfehlung eine Geldbuße von drei Schilling bezahlen musste.

In den ersten Jahrzehnten wurde sogenanntes "braunes Bier" nur für den Eigenbedarf gebraut. Nach dem früheren mittelalterlichen Wirtschaftsverständnis bekamen auswärtige Wirte für den Ausschank kein Bier geliefert, um eine Konkurrenz ausschließen zu können. Nach der Verleihung der Marktrechte 1613 verfügte Pfalzgraf Johann zu Heidelberg, dass die aus dem Braurecht erhaltenen Einnahmen unter anderem zum Erhalt der Bräu- und Malzhäuser verwendet werden sollen. In den Überlieferungen wird 1779 von einer Braumenge von 1717 Eimer Bier und 300 Eimer Kofent (Dünnbier) geschrieben.

Brauhaus Hofweiherwiesen geht in Betrieb

Nach der Aufhebung der Grundherrschaft verfielen die herrschaftlichen Gebäude und die Gemeinde erwarb 1755 das Bräuhaus an der Hofweiherwiese für 150 Gulden. Im Jahr 1868 brannte das kommunale Brauhaus am "Schellenbach" ab und 1900 wurde das Brauhaus am Südrand der "Hofweiherwiesen" in Betrieb genommen. Das Nebengebäude verkaufte die Gemeinde in den 1950er Jahren an die Raiffeisengenossenschaft, die vor Ort einen Malzbetrieb und ein Lagerhaus errichteten. Nach Aufgabe des Standorts erwarb der Markt den Gebäudekomplex zurück, doch weder die Kommunbrauer noch die Marktgemeinde konnten die Kosten für die Sanierung des baufälligen Brauhauses aufbringen. Mit finanzieller Unterstützung durch den damaligen Darlehenskassenverein konnte das Gebäude instandgesetzt und Neuanschaffungen bewältigt werden. Die Brauberechtigten verpflichteten sich das gewährte Darlehen über das Kesselgeld abzuzahlen.

Seit 1951 übt Georg Zierer das Amt des Kommunbraumeisters aus und sorgt nunmehr seit 68 Jahren durch seinen unermüdlichen Einsatz und sein handwerkliches Geschick für den Fortbestand der seit Jahrhunderten überlieferten Tradition. Das beliebte Kommunbier aus dem Kommunbrauhaus und die in den beiden örtlichen Privatbrauereien "Breier" seit 1877 und "Schlaffer" seit 1948 gebrauten Biere wurden damals in rund 15 existierenden Gasthäusern ausgeschenkt. Die große Auswahl an Wirtshäusern, sich entweder beim "Stachl", "Kuhlballer" oder "Scharm" zu einem Kartenspiel oder gemütlichen Beisammensein zu treffen, machte es den Stammtischfreunden nicht leicht. Wichtige Garanten für die erforderliche konstante Kühle des Gerstensaftes waren vor allem die am Schlossberg oder auch in manchem Anwesen existierenden Kellergewölbe. Ab 1963 wurde das Kommunbier überwiegend nur noch für den Hausgebrauch gebraut und seit 1988 lädt der "Strehern" in die Zoiglstum ein.

Zoigl heißt in Eslarn Kommune

Inzwischen kredenzen der "Zäpfert" in Bruckhof und weitere Wirte den Gästen wieder Zoiglbier. 60 Haus- und Hobbybrauer, so viele wie in keinem anderen Oberpfälzer Kommunbrauort, lassen in Eslarn noch gegen Kesselgeld die Würze für den eigenen Haustrunk kochen und treffen sich traditionsgemäß am Josefitag, in diesem Jahr am Dienstag, 19. März, zur Jahresversammlung. Der naturtrübe Gerstensaft Zoigl heißt in Eslarn übrigens schlicht „Kommune“ und diese Besonderheit ließ der Markt 2004 vom Deutschen Patent- und Markenamt in München schützen. Mit dem aus Dinkel, Emmer und Einkorn bebrauten Rebhuhnzoigl kommt aus dem Kommunbrauhaus eine weitere ungewöhnliche Bierspezialität.

Am 9. Mai 2015 wurde das „Biererlebnis Kommunbrauhaus“ eröffnet und den Besuchern die Brautradition in Texten, Bildern und Akustisch erlebbar präsentiert. Gleichzeitig sanierte der Markt das historische Kommunbrauhaus und sicherte damit das althergebrachte Handwerk für die Zukunft. Die rührigen Zoiglliebhaber schrieben vor allem im vergangenen Jahr die Erfolgsgeschichte weiter.

Zoigl ist "Immaterielles Kulturerbe"

Das "Biererlebnis Kommunbrauhaus" wurde vom Bayerischen Brauerbund mit der Goldenen Bieridee ausgezeichnete, in dem Brauer den weiß-blauen Bier-Oscar sehen. Zudem schaffte es der Zoigl aktuell auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Bayern- und Bundesliste, wobei die Verantwortlichen bereits die nächste Stufe zur Unesco-Liste anstreben.

Während vor und nach dem Krieg im Kommunbrauhaus rund 1500 Hektoliter Bier gebraut wurden, sank die Nachfrage 1988 auf 600 Hektoliter. Heute kann jeder Kommunbier brauen, wobei die rund 70 örtlichen und überörtlichen Bierbrauer 2017 mit 30 Sud rund 900 hl Kommunbier herstellten. Gelegenheit in gemütlicher Runde wie vor 490 Jahren den Zoigl zu genießen, gibt es nicht nur in einigen örtlichen Wirtschaften, sondern heute um 20 Uhr beim Starkbierfest der Feuerwehr und der Schlossberger in der Schulturnhalle.

Der geschmückte Besen an der Zoigl-Stub´m weist auf den Ausschank von Zoigl hin.
Eine besondere Bierfreundschaft verbindet die kommunale Brauerei in Eslarn mit der westböhmischen Familienbrauerei Chodovar, stellten Bürgermeister Reiner Gäbl, Kommunbrauer Georg Zierer senior und Brauer Jiri Plevka junior (v.l.) übereinstimmend fest.
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