Eslarn
07.11.2019 - 10:54 Uhr

"Ihr bleibt unvergessen"

Blick in die Eslarner Geschichte: Die Idee, ein Kriegerdenkmal am Tillyplatz als Mahnmal für den Frieden zu errichten, entstand vor allem wegen der beiden Kriege zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Das Kriegerdenkmal bei der Bäckerei Fürtsch, dem ehemaligen Zacherlhaus, wurde am 28. Juni 1914 zentral am Tillyplatz installiert. Bild: gz (Archiv)
Das Kriegerdenkmal bei der Bäckerei Fürtsch, dem ehemaligen Zacherlhaus, wurde am 28. Juni 1914 zentral am Tillyplatz installiert.

Die Idee, ein Kriegerdenkmal am Tillyplatz als Mahnmal für den Frieden zu errichten, entstand vor allem wegen der beiden Kriege zum Ende des 19. Jahrhunderts. Im "Deutschen Bruderkrieg" 1866 wurden 28 Eslarner zu den Waffen gerufen, von denen glücklicherweise alle, fünf mit Verwundungen, wieder in ihre Heimat zurück kehren konnten. In den "Deutsch-Französischen Krieg" 1870/71 zogen 43 Eslarner, von denen zwei gefallen und zwei verwundet wurden. Bereits zehn Jahre nach dem letzten Krieg gründeten mehr als 30 Heimkehrer den „Veteranen- und Kriegerverein“, aus dem später der heutige „Krieger- und Soldatenverein 1881 Eslarn“ hervorging.

Bei der Fahnenweihe übernahm die ebenfalls 1881 gegründete „Soldatenkameradschaft 1881 Weiden“ die Patenschaft. Als nächstes Wunschprojekt der heimgekehrten Veteranen und vieler Eslarner sollte zum Gedenken an die Gefallenen, Verwundeten und an alle Kriegsteilnehmer ein Ehrenmal errichtet werden. Das Denkmal sollte für die folgenden Generationen eine bleibende Erinnerung an die gefallenen und vermissten Eslarner Söhnen und für die Lebenden ein Mahnmal für den Frieden sein.

Mit den detaillierten Planungen befassten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts insgesamt 14 Veteranen im neugegründete "Krieger-Ehrenmal-Komitees". Aufgrund der finanziellen Voraussetzungen für das ehrgeizige Projekt vergingen noch einige Jahre. Das "ganz besondere Ehrenmal" sollte in unmittelbarer Nähe der Bäckerei Fürtsch, dem ehemaligen Zacherlhaus zentral am Tillyplatz stehen. Nach einigen Debatten einigte man sich auf einen bayerischen Krieger auf einem massiven Steinsockel.

Die erhabene herausgearbeitete Steinfigur aus Sandstein mit Fahne, Schwert und Siegerkranz stammte aus Frankreich und der massive Granitsockel mit den Inschriften war ein Werk von Steinmetz Josef Gäbl. Im Sockel wurden die Namen der Kriegsteilnehmer der beiden Kriege des 19. Jahrhunderts und die Namen des Komitees verewigt. Bei der feierlichen Enthüllung am 28. Juni 1914 standen die Eslarner Soldaten Rudolf Kick und Andreas Lindner am neuen Denkmal Ehrenwache. Nach den Überlieferungen bereicherten viele Bürger/innen und Vereine, wie auch der Veteranen- und Kriegerverein 1881 mit Musik die Einweihungsfeier. Anwesend waren auch Abordnungen aus dem benachbarten böhmischen Regionen und die Festrede hielt der damalige Bürgermeister Jakob Lang (1912 bis 1919).

Niemand ahnte zu der Stunde, dass am selben Tag der Einweihung in Sarajewo (Bosnien) der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet werden. Der Freude über das installierte Denkmal folgte genau 30 Tage nach der Einweihungsfeier am 28. Juli 1914 der erste Weltkrieg, der in der Bevölkerung wiederum Angst und Schrecken verbreitete. Die Inschrift der Gedenktafel „Den tapferen Kriegern von 1866 und 1870-71 – Ihr bleibt unvergessen R.I.P – In Treue fest“ war noch nicht lange getrocknet und schon wieder begann ein Krieg. Aus Eslarn kehrten 124 Männer nicht mehr von den Schlachtfeldern zurück und andere erlitten schwere Verwundungen.

Nach dem Ersten Weltkrieg existierten in Eslarn drei Kriegerkameradschaften. Neben dem bestehenden "Veteranen- und Kriegerverein" vereinten sich 1918 einige Gleichgesinnten zum Militärverein Bavaria Eslarn (Veteranen- und Kriegerbund) und zum Bund der treuen Bayern und Frontkämpfer Eslarn. Auch der Zweite Weltkrieg ging an Eslarn nicht spurlos vorüber. Insgesamt 254 aus Eslarn stammende Väter und Söhne kehrten in ihre Familien nicht mehr oder mit schweren Verwundungen von den Schlachtfeldern zurück. "Je länger der Krieg dauerte, umso öfter traf in der Heimat eine Schreckensnachricht über einen gefallenen Sohn in den Familien ein" schrieb der Eslarner Chronist Josef Hanauer. Nach dem Vereinsverbot durch die Nationalsozialisten hielt die US-Militärregierung das Verbot nach dem Krieg aufrecht. Da die amerikanische Besatzungsmacht das allgemeine Vereinsverbot erst 1951 lockerte, kam es erst nach dem Zeitpunkt zu den ersten Aktivitäten einzelner Vereine.

In dem Jahr fand auch die erste Gedenkfeier zu Ehren der gefallenen Kameraden statt. "Kurzentschlossen nahm Ehrenmitglied Hans Lang die noch vorhandene Fahne und marschierte mit einem Häuflein Kameraden zum Ehrenmal." Dies spornte viele Kriegsteilnehmer an, den Kameradschaftsbund 1881 Eslarn unter Vorsitz von Josef Lindner wieder aufleben zu lassen. Die eigentliche Wiedergründung des Kameradschaftsbundes 1881 fand am 6. Januar 1952 im Vereinslokal "Wienerhof" statt. Drei Jahre später taufte man den Verein in Krieger- und Soldatenverein 1881 (KSV) um. Zur 75-Jahr-Feier im Jahre 1956 fertigte der Eslarner Steinmetz August Karl zwei Schrifttafeln mit den Namen der Kriegsopfer aus beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts für das Ehrenmal an und die Segnung übernahm Pfarrer Johann Wagner.

Im Sockel am Ehrenmal wurden die Namen der Veteranen der Kriege im 19. Jahrhundert und das Krieger-Ehrenmal-Komitees in Stein gemeißelt. Bild: gz (Archiv)
Im Sockel am Ehrenmal wurden die Namen der Veteranen der Kriege im 19. Jahrhundert und das Krieger-Ehrenmal-Komitees in Stein gemeißelt.
 
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