31.01.2020 - 14:51 Uhr
EslarnOberpfalz

Bühlermühle besteht seit 390 Jahren

Im 17. Jahrhundert gab es in und um Eslarn acht Mühlen. Die „Mühle auf dem Bühl“, die heutige „Bierlmühle“, wurde erstmals 1630 urkundlich erwähnt und weist auf eine langjährige Familientradition hin.

Die Bühlermühle besteht seit 390 Jahren.
von Karl ZieglerProfil

In den folgenden Jahrhunderten verschwand das traditionelle Müllerhandwerk und die typischen Wassermühlen dienten nicht mehr zum Getreidemahlen, sondern zur Stromgewinnung.

In und um Eslarn befanden sich vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Wassermühlen, in denen das angebaute Korn der Bauern zu Mehl gemahlen wurde. Aber nicht nur Mahlmühlen, sondern auch Hammerwerke, Säge-, Schleif- und Papiermühlen wurden mit Wasserkraft angetrieben.

Zu jedem Bauernhof gehörte damals ein Backofen, in dem regelmäßig der für ein paar Wochen benötigte Vorrat an Brot gebacken wurde. So soll die Mühle von Bruckhof mit weiteren fünf Anwesen schon zur Zeit um 1324 bestanden haben.

Nach den Aufzeichnungen von Geschichtsforscher Josef Hanauer existierten um 1649 bei Eslarn einige Mühlen wie die „Heckermühle“ (Höslmühle) und Roßtränkmühle (Gaismühle). Dazu kam 1792 im Ortsteil Kreuth die Neumühle und nach dem zweiten Weltkrieg die Xantenmühle. Im Ort an der Brennerstraße befand sich die Haberlmühle, die volkstümlich „Petzenmühle“ genannt wurde, die Xantmühle (Neue Mühle) an der Langauer Straße, die „Angermühle“ an der Waidhauser Straße und die „Mühle auf dem Bühl (Stücklmühle und heutige Bierlmühle) im Ortsteil Bühl.

Die Jahrhunderte überdauern konnten nur wenige wie die Bühlermühle, die Jahrzehnte zum Getreidemahlen und heute eben zur Stromgewinnung betrieben wird. An der Hofeinfahrt zur "Bühlermühle" erinnern zwei historische Mühlsteine an das alte Müllerhandwerk. Eingebettet von den Steinen verweist in der Mitte eine Ahnentafel auf das 390-jährige Müllerleben.

Die erste urkundliche Erwähnung der „Mühle auf dem Bühl“ führt ins Jahr 1630 zur Familie Hans und Katharina Stücklmeyer zurück, deshalb auch der Name „Stücklmühle“. Das sogenannte Aufschlagwasser für die Bühlermühle wurde dem Fließgewässer „Loisbach“ entnommen, zur Wassermühle gehört auch eine Landwirtschaft. Von 1640 bis 1860 vererbte die Familie Josef Zimmermann das Mühlsephenhaus von Generation zu Generation. Die Familientradition wurde lediglich 1860 mit der Übernahme durch die Familie Dietl und 1866 durch die Familie Reber unterbrochen.

Nachdem Josef Zimmermann das Anwesen 1883 ersteigerte, kam es wiederholt in den Familienbesitz und wurde von Generation zu Generation weiter vererbt. Die letzten Mühlsteine wurden 1930 durch die Familie Rott ausgebaut und durch Walzenstühle ersetzt. Im Jahre 1949 ersetzte der Eigentümer Irlbacher den Antrieb der Mühle, der durch ein oberschlächtiges Wasserrad gewährleistet war, durch eine leistungsfähigere Turbine.

Viele der Mühlen mussten großen Kunstmühlen weichen und auch die Backöfen in den Bauernhöfen verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg, so dass die Bauern ihr Brot beim Bäcker kauften.

Im Jahr 1952 kam die Mühle zur Familie Josef Kleber und 1959 wurde das Mühlengebäude teilweise neu renoviert und den neuen technischen Anforderungen angepasst. Im Jahre 1963 baute der Besitzer eine Kraftwerksanlage ein, wodurch die zum Mahlen nicht benötigte Wasserkraft wie in anderen ehemaligen Mühlen in elektrischen Strom umgewandelt und ins Netz eingespeist wurde.

Von 1990 an trugen sich Hans und Anneliese Kleber in den Stammbaum der "Bierlmühlen-Besitzer" ein. Inzwischen wurde die Kraftwerksanlage durch den Einbau einer automatischen Rechenreinigungsvorrichtung und 1995 mit der Umstellung auf vollautomatische Turbinensteuerung weiter modernisiert.

Auf die überlieferte Familientradition verweist seit 1994 an der Hofeinfahrt zur „Bierlmühle“ ein nicht zu übersehendes Steindenkmal. Der Schöpfer dieses steinernen Relikts, das aus zwei historischen Mahlsteinen aus dem Jahr 1930 besteht, war der Eslarner Hobbysteinmetz Hans Poingfürst. Die Namen aller Eigentümer der Mühle wurden mit der Jahreszahl in Stein gemeißelt, ganz oben das Jahr 1630 und Hans und Katharina Sticklmeyer.

Der heutige Eigentümer der "Bühlermühle", Hans Kleber, geht sogar davon aus, dass die durch Wasserkraft angetriebene Mühle älter als 390 Jahre ist und bereits viel früher existiert habe. Da Eslarn erstmals 1240 urkundlich erwähnt wurde, ist dies durchaus möglich. Der Müllerberuf und die Mühlen spielten früher in der Volkskultur durch zahlreich überlieferte Sagen stets eine besondere Rolle.

Inzwischen ist der typische Handwerksberuf verschwunden und die Mühle wird in zunehmendem Maß zu einem Ort romantischer Erlebnisse, die in Liedern, Bildern und Heimatfilmen zum Ausdruck kommt. Heute steht der in Mühlen überwiegend aus der erneuerbaren Energiequelle „Wasser“ gewonnene saubere Ökostrom im Fokus. Im Energieatlas wird in und um Eslarn auf einige kleine Wasserkraftanlagen hingewiesen. Der Anteil der Wasserkraft am Gesamtstromverbrauch liegt in Eslarn jedoch nur bei zwei Prozent.

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