10.07.2020 - 11:37 Uhr
EslarnOberpfalz

Eisendorfer Verein: Erstmals entfällt Waldkapellenfest

Die Coronapandemie lässt nach 42 Jahren die traditionelle Feier des Heimatvereins "Eisendorf und Umgebung" erstmals ausfallen. Die Gemeinschaft kämpft aber auch mit personellen Problemen.

Eine solidarische Gemeinschafte bildeten in den Vorjahren Ehrenvorsitzender Josef Hoffmann, Heimatpfarrer Monsignore Gerhard Hettler und Vorsitzender Waldemar Hansl, der aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt ankündigte.
von Karl ZieglerProfil

Das Jahr 2020 ist für den Heimatverein "Eisendorf und Umgebung" kein gutes Jahr. Nicht nur, dass der Vorsitzende Waldemar Hansl aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt ankündigte, sondern die Mitglieder durften mit ihren Verwandten und Freunden erstmals seit der Gründung coronabedingt kein Kapellenfest an der "Goldberg-Kapelle" und keine Gedenkandacht in der ehemaligen Heimat feiern. Die Heimatvertriebenen und ihre Nachkommen hoffen, dass der Heimatverein und die Erinnerungen an die böhmische Heimat weiterhin bestehen bleiben.

An der Waldkapelle am "Goldberg" zwischen Eslarn und dem tschechischen Nachbarort Zelezna (ehemals Eisendorf) wollte der Heimatverein am ersten Julisonntag wie in den Jahrzehnten zuvor das Jahrestreffen feiern. Die Wiedersehensfeier und der Austausch der Erinnerungen der ehemaligen "Eisendorfer" mit ihren Verwandten und Freunden musste in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie jedoch entfallen. So bleibt nur die Rückschau auf die bisherigen Gedenkmessen an der Waldkapelle und Andachten am Kriegerdenkmal in Zelezna.

Die Messfeier zelebriert seit Jahren Heimatpfarrer Monsignore Gerhard Hettler aus Passau und die Musiker der Schlossberger und eine Fahnenabordnung des Kriegervereins bereichern mit ihrer Anwesenheit die Gedenkfeier. An diesem Julisonntag war jedoch alles anders, das kleine Gotteshaus war zum ersten Mal verwaist und ohne Leben, da die böhmischen Gäste fehlten. Der Ehrenvorsitzenden Josef Hoffmann ließ es sich nicht nehmen und machte sich trotz der knapp 350 Kilometer weiten Anreise aus Niefern-Öschelbronn von Baden-Württemberg ins bayerische Eslarn auf die Reise.

Der erste Weg führte den ehemaligen Eisendorfer zur Kapelle und Grenze, wo die Erinnerungen an seine böhmische Heimat erwachten. "Wir mussten 1946 mit wenig Hab und Gut unseren Heimatort verlassen und viele fanden entlang der Grenze unteranderen in Eslarn und in der Ferne eine zweite Heimat. "Die Fremde ist mir zur Heimat geworden, doch die Heimat darf nie zur Fremde werden." Diesen Spruch trägt jeder "Eisendorfer" in seinen Herzen. Große Sorgen bereitete die totale Grenzschließung in Eslarn nach dem Krieg durch die Tschechoslowakei und Trauer verbreitete sich beim Einebnen der Häuser von halb Eisendorf.

Die böhmischen Landsleute vom Kirchensprengel Eisendorf sprachen schon Jahre nach der Vertreibung von einem Waldkapellenfest an der tschechischen Waldkapelle bei Smolov (Schmolau). Der "Eiserne Vorhang" machte die Idee zunichte und Karl Hackl aus Regensburg bemühte sich mit weiteren Landsleuten um den Bau einer baugleichen Waldkapelle nahe der Grenze auf bayerischer Seite. Die Kapelle "Maria Heimsuchung" wurde 1975 eingeweiht und vor Ort zur Erinnerung an das "Original" zwei Eingangssäulen der ehemaligen Kapelle aufgestellt. Ein erfreulicher Höhepunkt für die ehemalige Dorfgemeinschaft war die Grenzöffnung 1990 und für die Pionierarbeiten zeichneten die bereits verstorbenen Ortsvorsteher Emil Reimer, Karl Hoffmann, Rudolf Forster und Toni Ziegler verantwortlich.

Nach der Gründung des Heimatvereins 1993 stieg die Mitgliederzahl bis auf 200 und der neue Ortsvorsteher Josef Hoffmann schnitzte als Schreinermeister eine Schautafel, einen Altar und Betstuhl, sowie eine Gedenktafel mit allen aus Eisendorf stammenden Gefallenen. Zudem wurde im tschechischen Zelezna das bestehende Kreuz am Steinock restauriert und vor Ort Stitzbänke aufgestellt, sowie das Kriegerdenkmal samt Anlage im Einvernehmen mit dem tschechischen Bürgermeister Libor Picka aus Belá nad Radbuzou (Weißensulz) restauriert. Seit der Grenzöffnung treffen sich an der Kapelle, dem Denkmal und dem Kreuz die aus dem böhmischen Kirchensprengel stammenden Frauen und Männer mit ihren Verwandten, Freunden und Eslarnern.

Leider kann das Ehepaar Christa und Hans Kaiser die Pflegemaßnahmen an der Kapelle und Denkmal gesundheitlich nicht mehr weiter ausführen. Aus persönlichen Gründen möchte zudem Vorsitzender Waldemar Hansl in einer der nächsten Sitzungen seinen Rücktritt erklären, hofft aber weiterhin auf den Fortbestand des Heimatvereins und dessen Geschichte. "Wir suchen dringend einen Vorsitzenden, ansonsten droht die Auflösung des Heimatvereins, und benötigen auch jemanden für die Pflege der Anlagen", stellte Ehrenvorsitzender Josef Hoffmann bei einem kürzlichen Treffen fest.

Ein Blick auf frühere Veranstaltungen

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