11.10.2019 - 13:10 Uhr
EslarnOberpfalz

Aus Eslarn in die ganze Welt

Fast jeder hat sie schon gegessen - gekocht, gebraten oder als Chips: Kartoffeln aus Eslarn und Umgebung. Dafür sorgt seit 50 Jahren eine speziell dafür gegründete Organisation.

Die vorgenommene Vertragsaufstockung machte in Eslarn 2002 den Bau einer neuen Lagerhalle für 2500 Tonnen Kartoffel mit Kühlungsmöglichkeit erforderlich.
von Karl ZieglerProfil

Die Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln feiert heuer 50-jährige Bestehen. Zur Gründungsversammlung am 8. Dezember 1969 im Gasthof der Brauerei Bauriedl kamen 70 Landwirte. Im Vorstand waren Vorsitzender Georg Ebnet aus Thomasgschieß, die Stellvertreter Josef Zielbauer aus Heumaden und Johann Völkl aus Burgtreswitz. Dem Aufsichtsrat gehörten Vorsitzender Karl Bauriedl, Stellvertreter Franz Rupprecht, beide aus Eslarn, sowie Johann Wallner aus Grünhammer, Hermann Kleber aus Spielhof, Michael Feil aus Ragenwies und Johann Voit aus Oberaltmannsrieth an.

54 Landwirte traten der Genossenschaft bei und zeichneten 170 Anteile. Einer der Urheber der Eslarner Genossenschaft war der damalige Benefiziat Josef Schart, der von 1967 bis 1972 in Eslarn wirkte und die Kontakte zur Firma Flessner nach Neunburg vorm Wald knüpfte. Unterstützung bei der Umsetzung leisteten mit den Landwirten der Landtagsabgeordnete Franz Weig, Bürgermeister Ludwig Landgraf und vor allem der damalige Geschäftsführer Wilhelm Kleber von der Raiffeisenbank Eslarn, der sich um Zuschüsse und Finanzierung kümmerte. Die für den Bau einer Kartoffelhalle notwendigen Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 1,31 Hektar am Brennerweiher stellten die Eslarner Landwirte Johann Kleber, Josef Frischholz und Josef Forster zur Verfügung. Mit der Firma Flessner in Neunburg wurde am 11. März 1970 ein Vertrag geschlossen. Sie baute die modernste Chipsproduktionsstätte Europas und arbeitete ab 1. Oktober 1968 mit der Familie Bahlsen zusammen.

Zwischen Eslarn und Putzenrieth entstand eine Kartoffelhalle für 930 000 D-Mark. Das Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten 1970 gewährte einen Zuschuss von 351 000 Mark (40 Prozent). In der Halle konnten 5400 Kisten mit rund 3000 Tonnen Kartoffeln gelagert werden. Bereits 1978 folgte eine Erweiterung auf 6500 Kisten mit 3600 Tonnen Lagervolumen. Nachdem Bauriedl 1980 als Aufsichtsratsvorsitzender ausschied, folgte Franz Rupprecht. 1983 wurde ein Erweiterungsbau für 129.417,50 D-Mark (Zuschuss 14.000 D-Mark) errichtet. Nach 17 Jahren im Aufsichtsrat übernahm für Vorsitzenden Rupprecht Johann Voit. Josef Zielbauer aus Heumaden wurde als Lagerhalter eingestellt.

Nach 21 Jahren übergab Ebnet, der Ehrenvorsitzender wurde, den Vorsitz an Josef Lang aus Spielhof. 1990 gab es ohne Zuschuss eine Erweiterung der Halle und den Einbau einer Waage für 638 734 D-Mark. Unter dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Johann Zimmermann wurde für 35.823 D-Mark eine Sortieranlage und Absackvorrichtung in die Lagerhalle eingebaut. Die zusätzlich benötigte Kartoffel-Flachsortieranlage kostete weitere 41 158 D-Mark. Durch die Vereinbarungen nahm Eslarn bei der Kartoffellieferung stets eine Vorreiterrolle ein. Das Einlagerungsvolumen stieg 1997 von 5888 Tonnen um 42 Prozent auf 7958 Tonnen . Für das Füllen der vier Hallen sorgten 26 Kartoffelbauern. Neuer Lagerhalter wurde 1995 Josef Kleber. 1997 kam Johann Hanauer auf den Posten als Vorstandvorsitzender. Nach 28 Jahren als Geschäftsführer schied Wilhelm Kleber 1997 aus. Die Geschäfte der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffel Eslarn übernahm kurze Zeit Manfred Klug und danach Franz Schön, beide aus Eslarn.

Zu Änderungen kam es auch beim Vertragspartner Flessner durch den Einstieg der Lorenz-Bahlsen-Snack-Gruppe. Die Vertragsaufstockung machte in Eslarn 2002 den Bau einer neuen Lagerhalle für 2500 Tonnen Kartoffeln mit Kühlungsmöglichkeit und neuer Einlagerungstechnik für 540 000 D-Mark (Zuschuss 100 000 D-Mark) erforderlich. 2003 mussten 100.000 Euro in die Dachsanierung investiert werden. 2009 stand bereits die Sanierung der 1970 erbauten ersten Kistenhalle an.

2010 produzierten 32 aktive Anbauer, 17 aus Moosbach mit 308, 8 aus Eslarn mit 87, 3 aus Waidhaus mit 74, 2 aus Vohenstrauß mit 33, einer aus Oberviechtach mit 9 und einer Pleystein mit 21 Anteilen auf einer insgesamt 230 Hektar großen Fläche rund 9000 Tonnen Kartoffeln. Eine wesentliche Steigerung gegenüber 1970, wo 49 Landwirte auf 75 Hektar 2500 Tonnen erwirtschafteten. Damit ging in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Landwirte um 17 zwar zurück, aber der Kartoffelertrag verdreifachte sich. Seit 50 Jahren existiert die Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffel und die noch lebenden Gründer erinnern sich an den Spruch von ihrem ehemaligen Geschäftsführer und Chronisten Wilhelm Kleber „Das Beste kann nur erreicht werden durch ein großes Opfer“. In der Chronik der Erzeugergemeinschaft stellte der neue Geschäftsführer fest: Ohne die Weitsicht und das Öffnen für Neues hätte es die Eslarner Kartoffel nicht auf die Wohnzimmertische der Welt geschafft.

Nun ernten 26 Kartoffelbauern auf rund 240 Hektar in den Landkreisen Neustadt und Schwandorf insgesamt 8000 Tonnen Kartoffeln und lagern sie in der Halle ein. Damit versorgen aus der Region die drei Oberpfälzer Genossenschaften aus Waldau, Floß und Umgebung sowie Eslarn auf kurzen Transportwegen den Chipshersteller Lorenz-Bahlsen Snack-World in Neunburg vorm Wald mit der Knolle aus der Oberpfalz.

Die Gründerväter: Aufsichtsratschef Karl Bauriedl, Geschäftsführer Wilhelm Kleber, Georg Ebnet (vorne, von links), Hermann Kleber, Josef Zielbauer, Michael Feil, Franz Rupprecht,, Johann Voit, Johann Völkl (hinten, von links).
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