11.05.2021 - 15:53 Uhr
EslarnOberpfalz

Eslarner Ehepaar stirbt innerhalb weniger Stunden

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63 Jahre waren sie verheiratet. Auch der Tod trennte das Eslarner Paar nicht lange. Hildegard Schäffer und ihr Mann Johann starben innerhalb weniger Stunden. Vor kurzem mussten sie noch einen Schicksalsschlag verkraften.

Hildegard und Johann Schäffer waren 63 Jahre lang verheiratet.
von Karl ZieglerProfil

In ihrem Heimatort Eslarn waren sie bekannt und beliebt, nicht nur wegen ihres Tante-Emma-Ladens, in dem sie mit den Kunden gerne Neuigkeiten austauschten. Hildegard und Johann Schäffer waren auch feste Größen in der Vereinslandschaft. Und sie galten als unzertrennlich. 2018 feierten sie Diamantene Hochzeit. 60 Ehejahre – der Anlass wohl für das letzte große Familienfest. Die vergangenen Wochen verliefen tragisch. Das Ehepaar Schäffer erkrankte schwer. Am 28. April starb Hildegard Schäffer, nur zehn Stunden später folgte ihr der Ehemann in den Tod nach. Vor wenigen Wochen, am 30. März, hatten sie einen Schicksalsschlag verkraften müssen – den Tod von Sohn Reinhard. Bereits vor Jahren hatte die Familie um Sohn Clemens getrauert.

Mit der leidgeprüften Familie fühlt der Eslarner Pfarrer Edwin Bauer. "Es fehlen einem die Worte, ja man muss um jedes Wort ringen, wenn man bedenkt, was Ihnen, den Angehörigen, in den letzten Wochen widerfahren ist." Das sagte der Geistliche im Trauergottesdienst in der Pfarrkirche. Mit einem stillen Gruß auf dem Friedhof nahmen die Angehörigen Abschied von Hildegard und Johann Schäffer.

Beim Kirwatanz funkt es

Beim Kirwatanz am Kuchsaal hatten sich die beiden in den 50er Jahren kennengelernt, der waschechte Eslarner Johann, geboren 1929, und die aus dem Sudetenland zugezogene Hildegard, geborene Kreuzer, Jahrgang 1936. Aufgewachsen in Petlarn (Kreis Tachov), war sie über Volkstett 1956 nach Heumaden gekommen. Der damalige Eslarner Bürgermeister Ludwig Landgraf traute sie standesamtlich am 14. Februar 1958, tags darauf folgte im Kloster die kirchliche Hochzeit. Zunächst widmete sich das Paar mit ganzer Kraft der Landwirtschaft. Im Dezember 1961 übernahm es das Anwesen "Schmiedl" (der Hausname wurde 1908 von Josef Schäffer dem Schmied abgeleitet). Nach den Söhnen Clemens, Reinhard und Edgar gab es im Laufe der Jahrzehnte fünf Enkel und sieben Urenkel.

Corona: Lockerungen im öffentlichen Leben

Weiden in der Oberpfalz

Neben seinem beliebten "Schlüter-Bulldog" war Johann Schäffer vor allem auf seine Pferde stolz, die große Auftritte bei Heimatfesten hatten. Mit ihnen half er auch bei der Flurbereinigung und beim Holzrücken im Wald. Zudem lieferte der "Schmiedl-Hans" mit seinem Pferdefuhrwerk jahrelang in Säcken verpackte Kohlen an die Haushalte aus. Im Service inbegriffen war das Schleppen der schweren Säcke in die Keller. Später sattelte der Eslarner auf den Lieferservice von Heizöl um.

Schokolade für "a Zehnerl"

Mit Herzblut bediente Hildegard Schäffer von 1961 bis 1991 Kunden in ihrem Kolonialwarenladen. Die Schulkinder freuten sich über ein Stück Schokolade für 5 Pfennig, und manchmal, wenn es das Taschengeld erlaubte, auch über ein kleines Stück Haselnuss-Schokolade für "a Zehnerl". An der Büchelberger Straße schuf das Paar einen Aussiedlerhof. Zwölf Bürgermeister sah es im benachbarten Rathaus kommen und gehen.

In der Vereinswelt war vor allem Johann Schäffer eine feste Größe. Bei der 125-Jahrfeier ehrte ihn die Kolpingfamilie für 70-jährige Treue mit der Gedächtnismedaille. Seit 2001 war er Ehrenmitglied. Ungefähr ebenso lang gehörte er der Freiwilligen Feuerwehr an. Als Akkordeonspieler und Sänger trat er bei Veranstaltungen auf, nachdem er das Instrument bei Hugo Reißig senior erlernt hatte. Gemeinsam mit anderen Ehejubilaren feierten die Schäffers 2018 nach 60 Ehejahren einen Dankgottesdienst zur Diamantenen Hochzeit. "63 Jahre lang haben beide ihrem Eheversprechen gemäß Freude und Leid miteinander geteilt", stellt Pfarrer Bauer fest. Das Geheimrezept für das Ehepaar, nach seinen Worten: "der Zusammenhalt und die innere Zufriedenheit bis ins hohe Alter".

Trauergottesdienst und Beisetzung der an Corona verstorbenen fanden vergangene Woche im Familienkreis statt. Sohn Edgar Schäffer konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

„Es fehlen einem die Worte, ja man muss um jedes Wort ringen, wenn man bedenkt, was Ihnen, den Angehörigen, in den letzten Wochen widerfahren ist.“

Pfarrer Edwin Bauer

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