10.05.2021 - 17:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens Wirte öffnen wieder: Ein bisschen Leben und viel Vorsicht

Ob Biergarten oder Fußgängerzone, die Weidener Wirte atmen auf. Nach langen Monaten des kompletten Stillstands dürfen sie wieder die ersten Gäste empfangen. Und doch mischt sich in die Erleichterung eine Portion Vorsicht.

Die ersten Gäste ließen sich am Montag wieder in der Weidener Fußgängerzone bewirten.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Das Leben ist zurück. Zumindest ein bisschen. Seit Montag dürfen in Weiden wieder Gaststätten öffnen und Kunden im Freien bedient werden. Die 7-Tage-Inzidenz liegt seit knapp zwei Wochen unter 100, deshalb erlaubt die Stadtverwaltung ihren Gastronomen seit dieser Woche die Öffnung der Außengastronomie.

"Augen zu und durch", kommentiert Heinz Stehbach vom Café Heinzelmann die Lage. Seit 6 Uhr morgens ist er unterwegs, damit der Betrieb reibungslos läuft. Bis zum frühen Montagnachmittag sei das Interesse aber "sehr, sehr, sehr verhalten" gewesen. Drei Gäste aus verschiedenen Hausständen habe er bislang bewirtet. "Die trinken auch nur was, weil sie sich noch zu unsicher fühlen. Allesamt geimpft." Die Freude, endlich wieder auswärts etwas trinken zu dürfen, sei aber spürbar. "Wie die Bürstenbinder", lacht Stehbach. Die Impfpässe hat er wie vorgeschrieben kontrolliert. Alles in Ordnung. Freilich bereiten ihm die steigenden Infektionszahlen in Weiden Sorge. Am Montag betrug die 7-Tage-Inzidenz in der Stadt 91,2. Die Gastro-Freude könnte schnell wieder vorbei sein.

"Immer die Leidtragenden"

Der Blick auf die Zahlen macht Hans Kellner "schon etwas nervös", gibt er zu. "Uns hat ja komplett der Umsatz gefehlt, irgendwie müssen wir überleben." Der Geschäftsführer im italienischen Restaurant "La Vita" jubelt dennoch: "Endlich ist das Leben zurück. Die Leute können wieder raus und bei uns Sonne tanken." Sieben Monate ohne Gäste: "Das war schon echt eine lange Zeit. Wir waren immer die Leidtragenden in den letzten Monaten", sagt er und meint seine gesamte Branche. Nun soll es aufwärts gehen. Eine ganze Reihe Reservierungen habe er schon entgegengenommen. Und in Sachen Tests? "Da wissen wir, was wir zu tun haben, wir sind von der Stadt informiert worden." Ärgerlich wäre in erster Linie, wenn bald wieder Schluss wäre und damit die ganzen Lebensmittel-Einkäufe umsonst wären. "Hoffentlich können wir alles verwerten."

Für Mario Bruner vom L´Italiano hieß es am Wochenende: einkaufen, alles auf Vordermann bringen. Es scheint sich zu lohnen. Für den Abend vermeldet er "ausgebucht". Etwas Verwirrung gab es zunächst um die Testpflicht. Wie einigen anderen Wirten war ihm zunächst nicht klar, wer wann welchen Test nachweisen muss. "Nachdem sich die Gäste in die Kontaktlisten eingetragen haben, frage ich jetzt immer nach den Hausständen." Ein Hausstand bedeutet: kein Test nötig. Die Antwort läuft selbstredend auf Vertrauensbasis. "Nachprüfen kann ich es natürlich nicht." Was er explizit ausschließt, sind Tests vor Ort. Ein Nasenabstrich unter Aufsicht des Wirts wäre regeltechnisch erlaubt, "aber dafür fehlt mir wirklich die Zeit", sagt Bruner. Ein zuhause durchgeführter Selbsttest reicht als Nachweis nicht aus.

Vorsicht bei Gästen und Wirten

Und die Biergärten in der Stadt? Bei Ralf Möhrles Biergarten im Stadtbad hätten um die Mittagszeit schon etliche Besucher vorbeigeschaut. Manche mit Test, manche ohne. Möhrle will nur Gäste mit Negativtest einlassen. "Ich bin da sehr vorsichtig und will nichts falsch machen", begründet er. "Bisher hat mich dafür noch keiner angegriffen." Damit aber möglichst viele Gäste in den Biergarten dürfen, hat er sich extra einige Packungen Schnelltests gekauft, die Besucher ohne Nachweis direkt am Eingang kaufen und nutzen könnten. Also den Test unter Aufsicht des Wirts. Warum die Außengastronomie mit Testpflicht nicht schon viel länger möglich war, kann Möhrle gar nicht nachvollziehen. Dennoch: "Wir sind einfach froh und die Leute freut´s auch." Freilich könne er noch nicht die ganze Speisekarte anbieten. Auch ihm ist das Risiko, auf Lebensmitteln sitzen zu bleiben, zu groß. Für Bier, Bratwürste und Steaks in der Frühlingssonne reicht es aber allemal.

Eine brisante Randnotiz: Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass Weiden in seinem Amtsblatt zwar schon die Öffnung der Gastronomie erlaubt, vom Ministerium aber noch gar keine Genehmigung dafür erhalten hatte. „Ein Versehen“, hieß es aus dem Rathaus. Inzwischen sei der Antrag unterwegs. Am Sonntag hatte ein Stadtsprecher gegenüber Oberpfalz-Medien noch geäußert, die Genehmigung aus München liege bereits vor.

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Hintergrund :

Diese Regeln gelten jetzt für Gäste

  • Bei stabiler Inzidenz zwischen 50 und 100: Anmeldung sowie Vorlage eines negativen Corona-Tests, wenn Personen verschiedener Haushalte an einem Tisch sitzen möchten.
  • Sitzen nur Personen eines Haustands an einem Tisch, ist kein Corona-Test nötig.
  • Bei stabiler Inzidenz unter 50: Kein Corona-Test nötig
  • Grundsätzlich gilt: Vollständig Geimpfte und von einer Corona-Erkrankung Genesene müssen ebenfalls keinen Corona-Test mehr vorlegen.
  • Zuhause durchgeführte Selbsttests zählen nicht als Nachweis.
  • Abgesehen vom Sitzplatz ist stets eine FFP-2-Maske zu tragen.
  • Maximale Öffnungszeiten: 5 bis 22 Uhr
  • Übersteigt die 7-Tage-Inzidenz drei Tage in Folge den Wert 100, müssen die Gastronomen ab dem übernächsten Tag wieder schließen.

 

 

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