07.05.2021 - 15:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Biergärten im Landkreis Amberg-Sulzbach: Zwischen Vorfreude und Chaos

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Ab Montag darf die Gastronomie im Landkreis Amberg-Sulzbach ihren Außenbereich wieder öffnen. Viele Wirte wurden von dieser Nachricht überrumpelt. Einige wollen erst noch abwarten. Für andere gibt es bis Montag noch viel zu tun.

Benedikt Michl hofft auf gutes Biergartenwetter.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Die Wirtin Rita Jungbauer vom Kreuzerwirt Spitalgarten in Sulzbach-Rosenberg steht in den Startlöchern. Am Montag möchte sie ihren Biergarten wieder öffnen. Knapp 40 Tische stehen für geimpfte oder negativ getestete Besucher bereit. Trotzdem sind bei der Wirtin noch viele Fragen offen. Sie wartet seit Tagen auf die genauen Auflagen des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). "Momentan kennt sich keiner aus. Es ist ein totales Chaos", kritisiert Jungbauer. "Hätten sie mit der Lockerung noch zwei Wochen gewartet, dann hätten wir auch besser planen können." Laut Allgemeinverfügung des Landratsamtes Amberg-Sulzbach dürfen Personen aus mehreren Hausständen nur gemeinsam an einem Tisch sitzen, wenn sie negativ getestet oder geimpft sind. Außerdem braucht jeder Gast eine Reservierung. Bei der Kreuzerwirtin können aber auch Gäste anrufen, wenn sie fünf Minuten später einen Tisch brauchen. "Ich habe beim Landratsamt nachgefragt, das gilt auch als Termin", erklärt Jungbauer. Außerdem können Biergartenbesucher bei ihr die Luca App verwenden. Das erleichtere die Kontaktpersonennachverfolgung. Ansonsten müsse sie abwarten, welche Auflagen noch von der Dehoga kommen.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Auch Benedikt Michl kann es kaum abwarten seinen Biergarten in Oberleinsiedl bei Ursensollen wieder für Gäste zu öffnen. "Das Gasthaus hatte jetzt sechs Monate lang keinen Betrieb. Wir freuen uns, dass wir endlich wieder öffnen dürfen", sagt der Wirt des Gasthaus Michl. Doch bis zur Öffnung am Montag gibt es noch viel zu tun: Außenbereich bestuhlen, Schirme aufstellen, einkaufen und kochen." Durch die lange Pause habe sich auch viel Staub angesammelt. "Wir müssen alles nochmal komplett reinigen. Die Theke und das ganze Geschirr", sagt Michl. Obwohl sie sonntags immer Essen zum Mitnehmen kochen, müsse alles erstmal wieder auf Vordermann gebracht werden. Der Biergarten öffnet am Montag deshalb erst gegen 17 Uhr. "Den Vormittag brauchen wir noch für die Vorbereitungen. Aber wir schaffen das", sagt der Wirt zuversichtlich. Vier Reservierungen für Montag sind bei ihm schon eingegangen. Außerdem habe er nächste Woche zwei Reservierungen für Hochzeitgäste. "Die Paare haben die ganze Zeit gehofft und gebangt ob sie mit ihrer Familie nach der Standesamtlichen Trauung auch etwas feiern können. Wenn das Wetter passt, wollen wir es ihnen natürlich ermöglichen", sagt Michl. Auf gutes Wetter sei der Wirt mit seinem Biergarten generell angewiesen. "Und darauf, dass sich die Leute testen lassen", sagt Michl.

Die Auflagen der Dehoga fehlen dem Wirt ebenfalls für eine bessere Planung. "Für die Dehoga ist natürlich auch alles schwierig. Wenn die Auflagen einheitlich für jeden Landkreis gelten würden, hätte sie es einfacher. Aber in Amberg oder Neumarkt gilt ja schon wieder etwas anderes", erklärt Michl. So gibt es auch bei ihm noch einige Unklarheiten. Beispielsweise welche Regeln für geschlossene Gesellschaften gelten. Sicher ist aber: Wer einen Tisch reserviert hat kann so lange bleiben wie er will. Es gibt im Gasthaus Michl keine Termine mit bestimmten Zeitfenstern. Die einzige Beschränkung sei die Allgemeinverfügung, nach der um 22 Uhr Schluss ist.

Große Verantwortung lastet auf den Wirten

Andreas Kopf, der Wirt des Gasthaus Kopf in Poppenricht, steckt ebenfalls mitten in den Vorbereitungen. Wenn das Wetter passt, will er am Montag seine Terrasse und den Biergarten für Gäste öffnen. "Für Montag baue ich noch nicht alle Tische auf", sagt der Wirt. Je nachdem wie viele Reservierungen er habe, möchte er seine Außenbestuhlung im Laufe der Woche erweitern. Am Vatertag wurden schon einige Tische reserviert. "Aber wenn das Wetter schlecht ist haben wir nichts davon. Wir dürfen die Gäste ja nicht in die Innenräume lassen", sagt Kopf. Außerdem brauche er zusätzliches Personal, um die Auflagen des Landratsamtes umzusetzen. Denn bei jedem Besucher müsse am Tisch der Impfpass oder ein Corona-Testergebnis kontrolliert werden. "Da spielt dann der Datenschutz keine Rolle mehr", kritisiert Kopf. Die Biergartenbesucher müssen ihm schließlich sehr private Dokumente vorzeigen. Außerdem fehlen ihm noch genaue Angaben, auf was er bei der Kontrolle achten soll: "Muss ich mir auch den Ausweis zeigen lassen? Woran erkenne ich, ob der Impfpass echt ist? Schließlich wird bereits vor gefälschten Impfpässen gewarnt." Durch die Auflagen laste eine große Verantwortung auf den Wirten, kritisiert der Wirt. Trotz all dem möchte er öffnen. Die Nachfrage sei schon bei seinem Essen zum Mitnehmen sehr groß gewesen. Er hofft, sie ist im Biergarten dann genauso groß. "Die Menschen saßen jetzt sehr lange Zuhause rum. Sie wollen raus", sagt der Wirt zuversichtlich.

Erstmal abwarten

Anders sieht es in Dietersberg aus. Das Gasthaus Michl dort hat keinen Biergarten, nur eine Terrasse. "Da könnten wir nur wenige Tische aufstellen", bedauert die Wirtin Rita Michl. "Wir werden weiterhin Essen zum Abholen anbieten. Aber alles andere rentiert sich für uns unter der Woche einfach nicht." Am Vatertag nächste Woche möchte sie eventuell ein paar Tische im Garten aufstellen. "Wenn das Wetter mitspielt", sagt die Wirtin.

Das Landhotel Aschenbrenner in Paulsdorf hat sich gegen eine Öffnung des Außenbereichs entschieden. "Das Wetter ist am Montag noch zu unbeständig", sagt die Angestellte Simone Rebel. Mit den Auflagen vom Landratsamt würde es sich für das Hotel zudem einfach nicht rentieren. Auch die Gastwirtschaft Waldhaus in der Gemeinde Ursensollen öffnet am Montag noch nicht. Die ganzen Auflagen seien für das Wirtshaus sehr schwer umsetzbar, sagt die Wirtin Beatrix Saller: "Das ist viel zu kompliziert". Das Waldhaus will erst noch abwarten und, wenn überhaupt, nur sonntags öffnen. "Wenn wir öffnen, teilen wir es unseren Gästen dann rechtzeitig mit", sagt Saller.

Biergärten in Amberg-Sulzbach dürfen ab Montag öffnen

Amberg

Vor Öffnung: Auch Wirte aus Weiden und Neustadt/WEN sind skeptisch

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Mit Termin in Biergarten

Das gilt laut Landratsamt ab Montag für die Gastronomie im Landkreis Amberg-Sulzbach:

  • Die Öffnung der Außenbereiche ist bis 22 Uhr möglich.
  • Gäste müssen vorher einen Termin vereinbaren und zudem die Daten für eine mögliche Kontaktverfolgung angeben.
  • Sofern an einem Tisch Personen aus mehreren Hausständen sitzen, ist von jedem ein negativer PCR-Test (höchstens 48 Stunden alt), Selbsttest oder ein Schnelltest (höchstens 24 Stunden alt) mit negativem Ergebnis erforderlich.
  • Keinen Test vorlegen müssen vollständig geimpfte und genesene Personen. Ausgenommen von der Testpflicht sind auch Kinder bis zum sechsten Geburtstag.
  • Als geimpfte Personen gelten Menschen, die vollständig gegen Covid-19 geimpft sind, über einen Impfnachweis verfügen und bei denen seit der abschließenden Impfung mindestens 14 Tage vergangen sind.
  • Genesene Personen müssen eine vorherige Infektion nachweisen. Hier gilt ein PCR-Test, der mindestens 28 Tage, höchstens aber sechs Monate zurückliegt.

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