05.05.2021 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Außengastronomie kurz vor Öffnung: Wer mitmacht, wer lieber noch wartet

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Ab Montag darf die Gastronomie bei einer Inzidenz unter 100 Außenbereiche öffnen. Nicht alle Wirte in Weiden und im Landkreis Neustadt freuen sich über die Lockerungen. Einige wollen erstmal abwarten.

Noch stehen die Stühle der Gastronomen ordentlich gestapelt an der Hauswand wie hier in der Altstadt Weidens. Ab nächsten Montag könnte sich das ändern. Doch so mancher Wirt hat noch Bedenken.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Wohl jeder sehnt sich nach dem langen Pandemie-Winter nach einem Stück Normalität: Endlich wieder im Café in der Sonne sitzen und Cappuccino trinken, ein kühles Bier im Biergarten genießen oder sich auf der Terrasse des Restaurants mit leckerem Essen verwöhnen lassen. Ab Montag könnte dieser Traum wieder teilweise wahr werden.

Das bayerische Kabinett gab bekannt, dass in Städten und Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 die Außengastronomie wieder öffnen darf. Doch so hoffnungsvoll diese Nachricht auch ist – die Auflagen, die mit einer Öffnung verbunden und aktuell nur zum Teil bekannt sind, schrecken einige Gastronomen ab. Vor allem die Vorstellung, dass wohl nur Menschen mit einem negativen Test oder vollständig Geimpfte an den Tischen Platz nehmen dürfen, bereitet den Wirten Kopfzerbrechen. Wir haben uns umgehört.

Café Ristretto, Weiden

"Wir machen definitiv nicht auf", sagt Martin Sauer vom Café Ristretto in der Weidener Altstadt. "Das Risiko ist uns einfach zu groß, dass Café wieder komplett hochzufahren." Der Warenbestand sei momentan auf Null und das Personal in Kurzarbeit. "Kommen die Leute, wenn sie sich vorher testen müssen?", fragt er sich. Sauer befürchtet, dass die Inzidenz nach ein paar Tagen wieder über 100 ist. "Und was dann?" Er habe auch schon mit Kollegen diskutiert. "Eine Öffnung ist vielen zu heiß", sagt er. "Wir würden eigentlich gerne aufmachen, aber nicht unter diesen Bedingungen."

Café Heinzelmann, Weiden

Heinz Stehbach sieht das anders. „Ich probier’s“, sagt er zuversichtlich. „Das Heinzelmann hat ab Montag von 9 bis 22 Uhr geöffnet.“ Der Gastronom, der in der Altstadt ein Lokal betreibt, werde bei der Stadt auf jeden Fall einen Antrag stellen. Da seine Mitarbeiter noch in Kurzarbeit sind, möchte er zunächst einmal alleine starten. Das heißt, es gibt keine zusätzliche Tageskarte wie gewohnt, sondern nur die normale Karte. Wie genau er den Test kontrollieren soll, weiß er noch nicht. „Aber das wird sich zeigen.“ Natürlich macht sich auch Stehbach Gedanken: „Wenn sich etwa eine Großfamilie infiziert, sind wir schnell wieder über 100, und alle Aufregung ist umsonst.“

Restaurant Pallas, Weiden

Alexandros Smardenkas, Chef des griechischen Restaurant Pallas, freut sich über die Möglichkeit, im Freien wieder Gäste bewirten zu können. „Wir machen ab Montag wieder ganz normal auf“, sagt er. „Wir können einfach nicht länger warten.“ Sechs Monate lang habe man pausieren müssen. „Jetzt bleibt uns nur der Sommer“, blickt der Wirt am Unteren Markt in Weiden zuversichtlich nach vorne. Durch seinen Lieferservice war die Küche auch in den vergangenen Monaten nicht kalt geblieben und müsse daher nicht erst hochgefahren werden. „Die Ware ist ja da, wir kaufen jede Woche frisch ein“, berichtet er.

Café Edelweiß

Etwas vorsichtiger bewertet Alexander Driessen vom Edelweiß die Lage. „Wir werden nächste Woche noch einmal abwartet“, sagt er. „Es wäre deutlicher, wenn die Zahlen einmal 14 Tage lang unter 100 sind“, sagt er. Driessen ist sich durchaus bewusst, was sich ein Außenstehender denken könnte, wenn ein Lokal auf die Öffnung verzichtet. „Aber wir haben schon viel zu viel gelitten“, gibt er zu bedenken. Die Angst sei einfach da, dass sich wegen eines Cappuccinos niemand testen lässt. Die Restaurants hätte durch ihr „To go“-Angebot die Lager voll. „Getränke haben wir alle schon eingekauft, aber verderbliche Ware noch nicht.“ Das Edelweiß am Unteren Markt Weiden will bis nächste Woche Mittwoch oder Donnerstag abwarten und dann entscheiden.

Strobelhütte und Bei Matteo

Matteo Rufo versucht sein Lokal in der Weidener Altstadt und die Strobelhütte am Fischerberg auf jeden Fall zu öffnen. „In der Altstadt könnte ich unter der Woche zunächst einmal alleine starten“, sagt er. Doch bei der Strobelhütte sei das etwas anderes. Das sei auch eine Frage des Wetters. „In der Stadt habe ich große Schirme mit Seitenwänden, da kann es auch mal regnen, doch am Fischerberg ist das schwieriger.“ Bei schlechtem Wetter würde ja niemand wandern gehen. Auch das mit dem Testen sei so eine Sache. Das könne man manchen, wenn man in der Stadt vielleicht erst zum Mittagessen geht und anschließend in einem Café noch etwas trinkt. „Aber lässt man sich testen, wenn man in den Wald geht?“, fragt sich Rufo. „Es steht noch vieles in den Sternen“, klagt er. Dennoch möchte er sich an die Öffnung wagen. „Ich vermisse das Ratschen an der Theke, die sozialen Kontakte“, gibt er zu. Und das würde auch den Leute fehlen.

Raststation Floß, Bocklradweg

„Wir machen ab Dienstag auf, das Wetter soll schön werden“, berichtet Harald Schaller von der Raststation am Bocklradweg in Floß. „Wir haben für Dienstag um 18 Uhr schon eine Reservierung für vier Personen“, erzählt er. Schaller hat bereits einen Fragenkatalog ans Landratsamt geschickt, um alle noch offenen Fragen zu klären. „Wir wissen noch relativ wenig, wie das Ganze genau gehandhabt werden soll. Sollen auch wir einen Schnelltest anbieten? Wie kann ich die Luca-App kontrollieren? Was machen wir mit anderen ohne App? Gibt’s dann wieder Zettelwirtschaft? Was ist, wenn sich vier ältere, bereits geimpfte Damen aus Weiden anmelden, aber eine hat ihren Impfpass vergessen? Das wird nicht einfach.“

Kir Royal und Toucan

„Das Toucan bleibt erst einmal zu“, sagt Julia Höllriegl. Um zu öffnen, sei der Außenbereich in der Judengasse viel zu klein. „Das lohnt sich nicht“, sagt sie. Was mit dem Kir Royal am Unteren Markt geschehen soll, ist noch nicht sicher. Die Tendenz geht zu „eher nein“. „Wir wollen zunächst einmal schauen, wie’s generell läuft“, sagt Höllriegl. „Es gibt noch viel zu viele Ungereimtheiten.“ In einem Restaurant sei das einfacher, da würde man sowieso vorher anrufen, um einen Platz zu reservieren. „Wie soll man das in einer Kneipe machen? Man weiß ja nie, wie lange die Leute bleiben.“

Zoiglstube "Zum Adler" Grafenwöhr

„Natürlich machen wir auf, gar keine Frage“, sagt Christian Biersack von der Zoiglstube „Zum Adler“ in Grafenwöhr. Viel zu lange sei geschlossen gewesen. „Mit Test und Anmeldung ist das doch gar kein Problem“, gibt er sich äußerst zuversichtlich. „Außerdem gehen die Zahlen ja runter, in anderen Ländern geht es auch.“ Für seine Gäste hat der Wirt im Außenbereich genügend Platz. Biersack erwartet am Montag zwar keinen großen Ansturm, aber es sei ein Anfang.

Zahlen, die Mut machen

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Stadt Weiden und Landkreis Neustadt: Voraussetzungen für Öffnung der Außengastronomie noch unklar

  • Beschluss Kabinett am 4. Mai:
  • Öffnung der Außengastronomie bis 22 Uhr in Landkreisen und kreisfreien Städten mit stabiler 7-Tage-Inzidenz unter 100 unter den Voraussetzungen des §27 der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ab dem 10. Mai.
  • Landratsämter und kreisfreie Städte stellen Anträge an Bezirksregierung
  • Das sagt die Stadt Weiden:
  • „Bislang nur vereinzelte Nachfragen“ bezüglich einer Öffnung von Gastronomie.
  • „Die Rahmenbedingungen, unter welchen Voraussetzungen geöffnet werden darf, wurden den Landratsämtern und kreisfreien Städten noch nicht mitgeteilt“, sagt der Pressesprecher.
  • Unklarheit über erforderliche Konzepte wie Hygienemaßnahmen, Tests und Terminbuchungen.
  • Fest steht: Kein Automatismus bei Öffnungen. Die Erteilung von Einzelgenehmigungen ist nicht vorgesehen.
  • Es werde „gegebenenfalls eine Allgemeinverfügung erlassen, von der bei Erfüllung der (noch unbekannten) Voraussetzungen Gebrauch gemacht werden kann“.
  • Gastronomiebetriebe müssten auf alle Fälle die Sondernutzungsvereinbarungen mit der Stadt beachten.
  • Die Chancen für Öffnungen stehen nach Ansicht der Stadt günstig, sie spricht gegenwärtig von einer stabilen Inzidenzentwicklung. Die 7-Tage-Inzidenz liegt am Mittwoch in Weiden neun Tage in Folge unter 100.
  • Das sagt das Landratsamt:
  • Da „noch keine neue, rechtsverbindliche Verordnung“ vorliege, könne man auch noch „keine weitergehenden Auskünfte“ zu den angekündigten Öffnungsschritten geben.
  • Das Landratsamt Neustadt muss auf Mitteilung aus zuständigen Ministerien warten. Weiteres – etwa zu Rahmenbedingungen und Konzepten – noch nicht bekannt. (rca)

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