22.09.2020 - 09:16 Uhr
EslarnOberpfalz

Fünf Hopfensorten ranken vor dem Kommunbrauhaus Eslarn

Fünf spezielle Hopfensorten bereichern das Kommunbrau-Ensemble in Eslarn. Die Pflanzen ranken im Garten vor dem dem Museum. Geschichtsforscher Josef Hanauer blickt auf die Tradition des Hopfenpflückens zurück.

Am Kommunbrauhaus wachsen fünf verschiedene Hopfensorten gegen den Himmel.
von Karl ZieglerProfil

Der Echte Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse und ist vor allem durch seine Verwendung beim Bierbrauen bekannt. 2017 wurde zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Fünf verschiedene Pflanzen ranken nun an den Hopfenstangen im kleinen Hopfengarten beim Kommunbrauhausmuseum "Biererlebnis" gegen den Himmel.

Im kleinen, von der Gemeinde angelegten Garten, sind die Sorten "Tettnanger" aus Baden-Württemberg, "Merkur" vom Forschungsinstitut Hüller, der amerikanische "Cascade" und der Hallertauer "Mittelfrüher" aus Bayern angebaut. Der bayerische Hopfen, insbesondere aus dem wichtigsten Anbaugebiet der Hallertau, ist als Favorit auch ein Bestandteil im Eslarner Kommunbier. Der Anbau von echtem Hopfen ist sehr arbeitsintensiv und die Instandhaltung der Hopfenplantagen kostet viel Zeit und Geld.

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Im Frühjahr kommen die Stecklinge in den Boden, werden im Uhrzeigersinn um die Kletterhilfe gelegt und wachsen in den Folgemonaten einige Meter empor. Für 0,5 Liter Bier sind etwa 85 Gramm Malzmischung und einige Dolden Hopfen, der dem Bier seine Bitterkeit und sein Aroma gibt, notwendig. Das Sprießen der Dolden am "Biererlebnis" erinnert nicht zuletzt an die früheren Fahrten einiger Eslarner zum Hopfenzupfen.

Laut Geschichtsforscher Josef Hanauer lag das am eigenen Brauhaus und den vielen Hausbrauern. Einen eigene Hopfengarten hatten um 1550 die Eslarner Jorg Kaiser im Lechloe und 1673 der Metzger Stephan Griesl neben der "Fidlpaindt". Im Dezember 1757 bauten Georg Karl in Passenrieth und Wolf Urbanisch in Roßtränk jeweils 100 Hopfenstöcke an. Beim Eslarner Andre Bauriedl waren es über 100 und bei Stephan Bauriedl über 70 Stöcke. Das größte Feld mit 200 Stöcken hatte um das 18. Jahrhundert der Ortspfarrer, der dem Beispiel der Klosterbrauereien folgte und eigenes Bier herstellte.

"Der Anbau geschah allerdings weniger aus eigenem Entschluss der Grundbesitzer, sondern auf Anregung durch die Regierung", begründete Heimatforscher Hanauer. Die Phase des Oberpfälzer Hopfens dauerte allerdings nur recht kurz, da die Hallertau mit ihren ertragreichen Böden in den Wettbewerb eintrat und um 1900 zum deutschen Hopfenzentrum wurde.

Gegen einen Anbau sprachen die spärlichen Erträge und die arbeitsintensive Instandhaltung der Hopfengärten, so dass der Getreideanbau bevorzugt wurde. Die Stecklinge mussten im Frühjahr in den Boden, wurden im Uhrzeigersinn um die Kletterhilfen gelegt und wuchsen bis Ende Juli auf eine Höhe von rund sieben Metern. Der Hopfen will nach Feststellung der Hopfenbauern jeden Tag seinen Herrn sehen.

Um 1860 löste das Hopfenzupfen einen wahren "Goldrausch" aus. Vor allem Frauen aus der Oberpfalz machten sich zu Fuß oder mit dem Rad auf nach Nieder- und Oberbayern, um bei der Ernte mitzuhelfen und ein paar Groschen zu verdienen. Auch während des Krieges versuchten viele beim Hopfenzupfen etwas Geld zu verdienen. Pro Metzen gab es 60 Pfennig. Eine Frau schaffte pro Tag rund 6 Metzen (1 Scheffel) und hatte 3,60 Mark in der Tasche.

Die Tage verbrachten die Zupfer auf einem Strohlager im Stall, dass zwar einfach, aber trocken war. Als am 1. Oktober 1908 die Bahn auch Eslarn erreichte, konnten die Hopfenpflücker aus dem Grenzland mit dem "Eslarner Bockl" zum Pflücken anreisen. Aus Kostengründen nutzten die meisten diese Möglichkeit jedoch nicht.

"Vorm Krieg san d'Leid midn Radl ins Oberboarische zum Hopfazupfa gfoan. Midn Zug hams ned foan kenna, weil des mehr koast häd wies verdeant ham", erläuterten Zeitzeugen. Wenn auch der Hopfenanbau in Eslarn und das Hopfenzupfen in Niederbayern im 20. Jahrhundert allmählich rückläufig war, blieb die Qualität des Bieres in den vergangenen Jahrhunderten erhalten. In Bayern wird seit Jahrhunderten nach dem Reinheitsgebot von 1516 ausschließlich mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe naturreines Bier gebraut.

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