14.06.2020 - 15:39 Uhr
EslarnOberpfalz

Kaugummiautomaten: Spielspaß für ein paar Pfennige

Es gibt nicht mehr viele von ihnen, aber die wenigen können große Geschichten erzählen: Seit 70 Jahren sorgen Kaugummiautomaten für spannende Momente. Auch in Eslarn haben Kinder noch Freude daran.

Der 7-jährige Max freute sich über eine elastische Gummischlange und einen Kaugummi.
von Karl ZieglerProfil

In den ersten Jahrzehnten nach dem Weltkrieg hingen sie in jeder Ortschaft an Hauswänden oder an Mauern: Die kleinen roten Kaugummiautomaten. Die Kinder konnten trotz eines meist spärlichen Taschengeldes nicht widerstehen, lockten doch sichtbar hinter der Plastikscheibe die kleinen Spielsachen. Das Interesse an den Automaten hat auch nach 70 Jahren nicht nachgelassen. Im Juni freute sich der siebenjährige Max über eine elastische Gummischlange für 50 Cent aus dem Automaten.

Der Bubble-Gum kam mit den amerikanischen Soldaten zum Kriegsende nach Deutschland. Die Kinder freuten sich, wenn die eigene Kaugummiblase größer als die der Spielkameraden war und lachten über jeden im Gesicht landenden Kaugummi. Zum Vertrieb folgten in den Jahren die Kaugummiautomaten mit der markanten roten Farbe. Der Apparat funktioniert früher wie heute mechanisch und "ökologisch" ganz ohne Strom. Man braucht nur einmal an der Kurbel zu drehen und schon kommen ein runder Kaugummi, ein kleines Spielzeug oder eine kleine Figur zum Vorschein.

Für ein paar Pfennige

Der Automat mit den vielfältigen Schätzen hinter der Plastikscheibe hatte für die Jüngsten die richtige Höhe und war früher als ortsprägender Warenspender auf so manchem Schulweg nicht zu übersehen. Für die Nachkriegskinder bedeutete das rote Wunderding die erste Gelegenheit, ohne Eltern etwas einzukaufen. Auch wenn das Taschengeld in den Hosentaschen nur spärlich war, landete die ein oder andere Pfennigmünze im Schlitz. Für das Taschengeld gab es ein Rippchen Blockschokolade oder einen Kaugummi oder ein kleines Spielzeug aus dem Automaten. Da man vorher nicht wusste, was der Apparat für zehn Pfennig ausspuckt, konnte man den Versuch auch als "Glückspiel" bezeichnen.

Wenn ein Kind nach der Schule an einem Automaten stand und einen Kaugummi ziehen wollte, versammelte sich die halbe Klasse drumherum. Denn niemand wollte sich so ein wichtiges und spannendes Ereignis entgehen lassen. Für die Mitschüler war interessant, ob ihr Freund für seine letzten Groschen "nur" einen Plastikohrring oder Fingerring aus Kunststoff oder einen kleinen Schlüsselanhänger bekam. Nicht immer war es der gewünschte Gegenstand, so dass je nach Taschengeld meistens ein zweiter Versuch gestartet wurde.

Manchmal kam es vor, dass sich der Automat das Geld einfach nur einverleibte. Da half auch kein Schütteln und so passierte es auch, dass so manche "Verlobung" zwischen einem Buben und einem hübschen Mädchen wegen des fehlenden Plastikrings um eine Woche verschoben werden musste. Nachdem der letzte Groschen im Schacht verschwunden war, musste man sich mit dem Blick durch die Plastikscheibe begnügen und auf das nächste Taschengeld warten.

Beim Automaten gibt es keinen Ladenschluss, so dass Jugendliche zu jeder Zeit noch einen Bubblegum herauslassen konnten. Im Mittelpunkt stand stets die Überraschung, was letztendlich im Schacht lag, ein Kaugummi oder ein Minispielzeug.

Sie hängen immer noch

Einige dieser blechernen roten Zeitzeugen sind in und um Eslarn - wie zum Beispiel am Puppenmuseum - noch in Betrieb. Die typischen Ringe haben im Gegensatz zu den Kaugummis anscheinend ausgedient, so dass heute kleine und gruselige Spaßartikel für 50 Cent oder süßsaure Kaugummis für 20 Cent in Plastikkapseln zum Vorschein kommen. Der 7-jährige Max machte im Beisein seiner Mutter Nicola Hummer für Oberpfalz-Medien zwei Versuche und freute sich über besagte Gummischlange und weniger über den Kaugummi.

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