Das an diesem Donnerstag, 23. April, an „Georgi“ im Kommunbrauhaus anberaumte Kommunbierfest findet nicht statt. Mit dem Bierfest erinnert alljährlich die Gemeinde an die fast 500-jährige Brautradition. Das Brauchtum des Brauens von Bierspezialitäten und das Einhalten des Bayerischen Reinheitsgebotes wird nicht nur seit 123 Jahren von der Kommunbrauerei, sondern wurde bis 1998 von der "Schlaffer-Brauerei" und wird seit 1874 von der "Bauriedl-Brauerei" aufrecht erhalten.
Das Bierbrauen hat in Eslarn eine lange geschichtliche Tradition und die Marktgemeinde feiert seit der Einführung des „Tag des Bieres“ am 23 April 1994 durch den Deutschen Brauerbund den Jahrestag.
An dem Tag trat 1516 die Bayerische Landesverordnung zum Bier in Kraft, wonach Bier nur mit den Inhaltsstoffen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut werden und nur 1 Pfennig kosten durfte. Seit 1897 stellt die Kommune mit Brauern zum Motto "Jeder Tag ohne Bier ist ein Risiko" um Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) zweimal im Jahr das kostbare Lebensmittel her. Das Deutsche Patent- und Markenamt München hat mit Urkunde vom Juli 2004 der Marktgemeinde auf Antrag die Markenrechte für "Kommunbier" gesichert. Der erste aktenkundige Genuss von untergärigen "braunen" Bier geht auf das Jahr 1529 zurück und beschreibt ein illegales Bierbrauen durch den damaligen Pfarrer Matthias Holzprobst, der wegen seiner Vergesslichkeit das Malz messen zu lassen, zu einer Strafe von drei Schilling verurteilt wurde.
Nach einer urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 1583 befand sich am „Ratschin“ in der Nähe der heutigen Pfarrer-Bayer-Straße das Herren- und Malzhaus von Hofmarksherren Hieronymus Stöckl von Rottach zu Eslarn, sowie eine Taverne mit Namen "Wirtshaus auf dem Ratschin". Nach einem Großbrand entstand auf dem "Wenzelsberg", dem heutigen Schloßberg, ein neues Herrenhaus und am Südrand der „Hofweiherwiesen“ ein neues Malz- und Brauhaus. In einem Bericht um 1777 heißt es: "Nach altem Herkommen ist in Eslarn ein jeder Bürger berechtigt, Bier zu brauen und bei Haus auszuschenken oder in Fässern abzugeben". Zu der Zeit existierten in Eslarn zwei Tavernen mit den Namen „Zum weißen Rößl“ und „Zum Goldenen Löwen“. Das Löwenwirtshaus wurde 1919 vom Markt angekauft und zum Rathaus umgebaut.
Im Jahr 1844 gab es im Markt 166 Bierbrauer. Aber auch das "herrschaftliche" Brauhaus wies im Laufe der Zeit immer größere Bauschäden auf und wurde vom Markt Eslarn samt Grund für 150 Gulden erworben. Aus dem einst "herrschaftlichem" Altbau wurde 1897 ein dreigeschossiges bürgerliches Brauhaus. Der Antrieb der Motoren folgte noch mit Dampf und gebraut wurde mit alter Technik. Erst nach 1928 nahm die Elektrizität ihren Einzug. Da zum Bierbrauen bekanntlich Hopfen benötigt wurde, begaben sich viele Eslarner alljährlich zum Hopfenpflücken, teilweise zu Fuß, in die Hallertau oder bauten örtlich selbst Hopfen an.
Die Schankwirte gaben ihre Öffnungszeiten mit einem ausgehängten Zoiglstern oder Reiserbesen zu erkennen. In den Jahren nach 1946 gab es in Eslarn noch 15 Zoiglwirte, die "braunes Bier" ausschenkten. Auf Antrag der Marktgemeinde verbriefte das Deutsche Patent- und Markenamt München 2004 die Markenrechte für das Alleinstellungsmerkmal "Kommunbier". Nach einer umfassenden Sanierung des Brauhauses entstand 2015 das "Biererlebnis Kommunbrauhaus", in dem die fast 500-jährige Geschichte der Kommunbrauerei und der Werbeschlager "Kommunbier" und "Rebhuhnzoigl" auch für die Nachwelt erlebbar bleibt.
Noch heute wird im dreigeschossigen Kommunbrauhaus nach alter Tradition mit Holz und Kohle geheizt und im Frühjahr und Herbst für rund 70 Brauberechtigte etwa 32 Sud (1120 Liter) gebraut. Eine wichtige Voraussetzung für den Gärvorgang sind die mit 7 bis 8 Grad konstant kalt bleibenden Keller, wie beispielsweise die Felsenkeller am Schlossberg. Ein Garant für ein leckeres Kommunbier so wie Rebhuhnzoigl ist seit 20. Januar 1951 der 92-jährige Kommunbrauer Georg Zierer senior, der im Volksmund "Fritzn Schorsch" genannt wird und mit seinen Söhnen Hans und Georg zwei bewährte Helfer an seiner Seite hat.
In Eslarn ist der Kommunbrauer wie das patentierte Kommunbier in jeder Hinsicht einzigartig, vielseitig und traditionell. Das Brauchtum wird vor allem beim Ausschank in den Zoiglwirtschaften "Beim Strehern" am Tillyplatz und "Zepferten" in Bruckhof sowie von den Privatbrauern alljährlich mit Leben erfüllt und für die Nachwelt erhalten. In diesem Jahr zwingt Corona die Marktgemeinde hinsichtlich Kommunbierfest zu einer Auszeit.
















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