Eslarn
06.05.2026 - 10:15 Uhr
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"Ich lebe zwischen zwei Welten": Magdalena Becher über ihre sudetendeutschen Wurzeln

Magdalena Becher ist Nachfahrin der Karlsbader Becher-Dynastie, lebt und arbeitet heute im Oberpfälzer Grenzland als deutsch-tschechische Kulturvermittlerin. Im Interview spricht sie über ihre sudetendeutschen Wurzeln.

Magdalena Becher in den berühmten Kolonaden in Karlsbad. Archivbild: Marco Meier
Magdalena Becher in den berühmten Kolonaden in Karlsbad.

ONETZ: Magdalena Becher, Sie haben sudetendeutsche Wurzeln. Welche Rolle spielt das in Ihrem Leben?

Eine große, aber nicht immer offensichtliche. Mein Großvater, Walter Becher, stammte aus Karlsbad und musste nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bayern fliehen. Das Thema hat meine Familie stark geprägt.

ONETZ: Wie haben Sie das als Kind erlebt?

Es war immer präsent. Bei meinem Großvater zum Beispiel durch Erinnerungsstücke aus seiner Heimat. Alle möglichen Gegenstände in seinem Haus waren mit Karlsbader Sprudelsteinen verziert. Gleichzeitig gab es innerhalb der Familie unterschiedliche Sichtweisen auf die Geschichte – das hat mich früh geprägt.

ONETZ: Inwiefern?

Mein Großvater hatte eine sehr kritische Haltung gegenüber der tschechischen Seite, während mein Vater stark auf Austausch gesetzt hat. Der ist Kulturhistoriker und hat fast sein ganzes Berufsleben lang in München eine Einrichtung geleitet, die sich aus wissenschaftlicher und historischer Sicht mit der gemeinsamen Geschichte von Deutschen, Tschechen und Sudetendeutschen beschäftigt. Außerdem hat er unmittelbar nach der Wende Schriftsteller und Historiker aus der damaligen Tschechoslowakei auch zu uns nach Hause eingeladen. Ich war damals noch ein Kind, sodass mir das nie fremd war und ich gar keine Möglichkeit hatte, Vorurteile zu entwickeln. Diese Gegensätze haben immer wieder zu Diskussionen geführt. Für mich war dadurch aber auch klar: Geschichte ist nie eindimensional.

ONETZ: Der Name Becher in Verbindung mit Karlsbad - da klingelt doch was...

Mein Großvater stammt aus der Karlsbader Fabrikantenfamilie Becher mit dem Karlsbader Becherbitter, also dem Kräuterlikör, der heute unter dem Namen „Becherovka“ vertrieben wird. Becherovka ist die Bezeichnung in tschechischer Sprache, die der Becherbitter nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakei erhalten hat. Genaugenommen stamme ich aber aus einer Seitenlinie, der sogenannten Engelhaus-Linie. Erfunden und in den Handel gebracht wurde der Becher-Bitter von Johann Vitus Becher und dessen Sohn Jan Becher hat ihn international bekannt gemacht. Das war also die direkte Linie. Von dieser gibt es heute noch eine Nachfahrin, die aber schon anders heißt.

ONETZ: Haben Sie sich immer als Sudetendeutsche gesehen?

Nein, lange Zeit nicht. Ich habe das eher als Teil meiner Familiengeschichte wahrgenommen, aber nicht als meine eigene Identität. Das hat sich erst später verändert. Vor allem durch mein Leben im Grenzgebiet. Ich habe mich beruflich auf Tschechien spezialisiert und lebe heute nah an der Grenze. Durch die Sprache, Kontakte und Freundschaften bin ich sehr tief in beide Welten eingetaucht.

ONETZ: Wie fühlt sich das für Sie an?

Sehr intensiv. Ich habe manchmal das Gefühl, zwischen zwei Welten zu leben. Ich habe mich nie aktiv bei den Sudetendeutschen engagiert und wollte immer, dass die Tschechen mich primär als jemanden kennenlernen, der die Sprache kann und an ihnen und ihrem Land Interesse hat. Ich habe meine sudetendeutschen Wurzeln nie verheimlicht, sie aber auch nicht betont oder in den Vordergrund gestellt. Aber je länger ich hier lebe, desto intensiver merke ich, dass diese Gegend auch was mit mir macht und mich innerlich auch ziemlich bewegt um nicht zu sagen fast aufwühlt. Das ist etwas sehr Schönes, kann aber auch melancholische Seiten haben. Diese Region bewegt mich stark.

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