30.10.2020 - 11:09 Uhr
EslarnOberpfalz

Markt Eslarn: Bewegte Geschichte in 780 Jahren

Mit dem 25. Heimatfest im Sommer wollte Eslarn eigentlich 780. Geburtstag feiern. Wegen der Corona-Pandemie wird das ab 31. Juli 2021 nachgeholt. Im Lauf der Jahrhunderte hat die Gemeinde einiges erlebt.

Die Hofmarksherren Bunzinger und Stöckl zu Eslarn hatten seit Jahrhunderten ihre eigenen Wappen und der Ort seit 1598 nach der Verleihung des Wappenbriefes.
von Karl ZieglerProfil

In den 780 Jahren hat die Gemeinde Eslarn einiges erlebt. Der Ort wurde erstmals 1240 als Weideplatz mit Namen "Eslaern" urkundlich erwähnt. Die in der Gegend gegründeten Ortsteile entstanden vermutlich aus der Rodungszeit zwischen dem 1. und 12. Jahrhundert. Nach Ansicht der Geschichtsforscher Josef Hanauer und Hans Schlemmer soll "Eslern" oder "Eslaern" bereits im neunten Jahrhundert existent gewesen sein. Urkundlich lässt sich das nicht belegen.

Im Rahmen des Besitzwechsels des Klosters Reichenbach tauchte in einer Urkunde, die von der wissenschaftlichen Kommission der Bayerischen Akademie für bayerische Landesgeschichte ausfindig gemacht wurde, ein Zeuge mit Namen "Sigebot de Eselharn" auf. Der Vorsitzende Peter Garreiss vom Förderverein "Schloss Burgtreswitz e.V." in Moosbach übersetzt den Namen mit "Sigbot von Eslarn" und sieht darin einen Zusammenhang mit der örtlichen Geschichte.

Auch die Meinungen über die Bedeutung des Ortsnamens gehen bei den Heimatforschern auseinander. Ein Weideplatz nahe der böhmischen Grenze soll früher Reitern und Fuhrwerksbesitzern als Rastplatz und den Tieren zum Äsen gedient haben. In den Bezeichnungen "Es" oder "Ez", die mit dem Äsen des Viehs verbunden werden und in der Ansiedelung von Menschen durch den Grundbesitzer am "Es" (Weideplatz) vermutet man die ersten Anzeichen für die Entstehung eines neuen Weilers.

Eine weitere Annahme bringt den Ortsnamen mit einer als "Eßling" bezeichneten Fischart in Verbindung, die sich später auch im Gemeindewappen wieder fand. Die erste nachgewiesene urkundliche Belegung erfolgte 1240, wobei der Ort im Jahr 1255 als herzoglich bayerischer Besitz erscheint.

Bei einer Schenkung an die Kirche in Böhmischbruck werden 1255 als Zeugen die Brüder Wolvelin und Heinrich de Eselaern genannt. So soll 1271 Herzog Ludwig von Oberbayern den Ort gekauft und der Weiler in der Mitte des 13. Jahrhunderts aus 23 Anwesen bestanden haben. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte der Grundeigentümer. Danach hat hier das Amt Eslarn (in officio Eslaern) der Wittelbacher bestanden, das spätestens 1326 aufgegangen ist.

Richter- und Pflegamt Treswitz

In einem Verzeichnis der Pfarreien des Bistums Regensburg wird 1326 Eslarn auch als Pfarrei genannt. In der Mitte des 13. Jahrhunderts zählte der Ort elf Höfe, eine Mühle und elf Wohnstätten, zu denen nur ein kleiner Grundbesitz gehörte. Mitte des 14. Jahrhunderts wird das Richter- und Pflegamt Treswitz geschaffen, dem auch das Urbaramt Eslarn angehörte. Der nächste bekannte Kleinadelige zu Eslarn war Ruger der Punzinger, der als Richter 1384 auch in Eslarn ansässig gewesen sein soll.

Die Familie der Stöckl hatte ein eigenes Wappen und ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts in Eslarn als Inhaber der zum Schloss gehörenden Besitzungen nachweisbar. Noch heute weist an der Kirche ein Grabstein aus dem Jahre 1542 und ein Wappen mit einem Reiher, der einen Fisch im Schnabel hält, auf die Familie Stöckl hin.

Pest und Hussiten

Schwere Zeiten erlebten die Ansiedler um 1450 aufgrund vieler Opfer durch die Pest und Jahre später durch dem Einfall der Hussiten. Mit großer Not und furchtbarem Elend hatten die Menschen vor allem in der Zeit zwischen 1443 bis 1588 auf dem Land zu kämpfen. Dass auf einer Anhöhe nördlich an einem Hang befindliche Schloss brannte ab und wurde nicht mehr aufgebaut.

Um das 16. Jahrhundert wurden außerhalb von Eslarn einige Bauernhöfe gegründet und bis in die zweite Hälfte befand sich im Süden der Ortschaft auf dem früher bezeichneten Wenzelsberg, dem späteren Schloßberg, eine kleine Kapelle, die dem heiligen Wenzeslaus geweiht war. Das Kirchlein war Anlaufpunkt zahlreicher Wallfahrtsgruppen aus der Region.

Ritter Hieronymus Stöckl

Der Eslarner Hofmarksherr, Ritter Hieronymus Stöckl von Rottach zu Eslarn, nahm um 1567 die Kapelle als Grundstock für ein neues Herrenhaus und ließ im Schlosshof als Herr vom Wenzelberg und Besitzer der Hofmark Eslarn einen Brunnen bohren und gewölbten Keller, sowie unterhalb des Herrenhauses ein Malzhaus bauen.

In Eslarn bestand vom 15. bis 18. Jahrhundert das Richteramt und die Hofmark noch bis 1591. In dem Jahr hatte die Witwe des Hieronymus Stöckl alle Güter in und um Eslarn verkauft. Die Hofmarksherren mit ihren Untertanen lebten im Mittelalter vom Handel und Verkauf eigener Produkte. Auf den Ödstellen ließen sich zwar bereits in den früheren Jahren Siedler nieder, diese verschwanden vermutlich wegen der geringen Erträge und des kargen Bodens aus wirtschaftlichen Gründen wieder.

Die Bevölkerung von Eslarn wuchs im Laufe der Jahre nur langsam, so dass man 1588 insgesamt 153 Anwesen zählte. Erst 1598 erhielt das Dorf die Erlaubnis ein Wappen zu führen und 1619 verlieh Pfalzgrafen Johann als Administrator der Oberpfalz offiziell die Marktrechte. Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648, den protestantische böhmische Stände mit dem Prager Fenstersturz auslösten, war eine normale Bewirtschaftung der Felder und Wiesen nicht mehr möglich, da sich der Grundbesitz in einem desolaten Zustand befand.

Brauereigasthaus stand lange leer

Vohenstrauß

Bereits in den Vorjahren entfachten Auseinandersetzungen zwischen den Getreuen des Kaisers der Katholischen Liga und der Protestantischen Union. Deshalb wurde bereits 1611 auf Befehl der Amberger Regierung nicht nur am Ortsteil Tillyschanz zum Schutz gegen Überfälle aus Böhmen sogenannte Bodenschanzen errichtet.

Plünderungen im Dreißigjährige Krieg

Der Feldherr Johann t’Serclaes von Tilly stand während des Dreißigjährigen Krieges 1621 den Truppen des Grafen Ernst von Mansfeld gegenüber. Im Jahr 1621 haben Soldaten von Mansfeld das Schloss völlig geplündert und mit der Kapelle zur Ruine gemacht. Nach ihrem Abzug waren weder Fenster noch Türen oder Öfen mehr zu finden, sogar Grund und Boden waren umgegraben, weil die Soldaten verborgene Schätze vermuteten.

Der letzte Eigentümer, Gabriel Köferl, war nicht mehr in der Lage, den Bestandszins aufzubringen und nach ihm ließ sich für längere Zeit kein neuer Verwalter für die Schlossgüter mehr finden. Da der Dreißigjährige Krieg hohe Blutzolle forderte, zählte man um 1650 in Eslarn nur noch 120 Besitztümer. Mit dem Wiederaufbau wurde 1685 auch die Pfarrkirche vollendet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm in der politischen Gemeinde mit dem Bau der Eisenbahnstrecke auch die Industrialisierung Einzug. Der Eslarner Bockl verband Eslarn auf der Schiene mit der westlichen Welt und wurde zur Lebensader der Region. In der Zeit von 1809 bis 1880 stieg die Einwohnerzahl von 1535 auf 2525 Einwohner.

Mehrere Großbrände

Schwer geprüft wurde die Bevölkerung vor allem durch mehrere Brände um 1900 und vor allem durch dem Großbrand im Jahre 1895, der 147 Wohn- und 247 Nebengebäude ein Raub der Flammen werden ließ. Schwere Zeiten erleben musste die Menschen während der beiden Weltkriege 1914 bis 1918 und 1938 bis 1945 Uhr. Viel Kraft erforderte auch der bevorstehende Wiederaufbau.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Aufwärtsentwicklung kontinuierlich voran. Die Bevölkerung wuchs im Jahre 1945 bis 1947 auf über 4000 Personen an, was wiederum die Sorgen um einen Arbeitsplatz aufkommen ließ. Viele Eslarner wanderten in bayerische Städte, nach Nordrhein-Westfalen und Sachsen, sowie nach Amerika aus und gründeten in Nürnberg, München einen Heimatverein, in Zwickau und Crimmitschau eine Landsmannschaft und in Gelsenkirchen-Buer den Bayernverein Weiß-Blau.

Lange Jahre "Eiserner Vorhang"

Nicht zuletzt vereinten sich die ehemaligen Eisendorfer zu einem Verein, die 1946 aus dem böhmischen Nachbarort ausgewiesen wurden. Erst nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" 1989 war über die Grenze bei Tillyschanz wieder ein ungehinderten Verkehr von und nach Tschechien möglich. Die Heimatvereine führten regelmäßig Heimfahrten nach Eslarn durch, so dass 1891 das erste offizielle Heimatfest gefeiert wurde.

Heute zählt der nahe der tschechischen Grenze, im Oberpfälzer Wald in einer Talsohle und südöstlich im Landkreis Neustadt/WN gelegene Ort rund 2700 Einwohner.

Die historischen Grabsteine an der Pfarrkirche erinnern noch an die Hofmarkherren.
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