16.01.2020 - 09:33 Uhr
EslarnOberpfalz

Nur noch Drei

Die Geschichte der Eslarner Bäckereien reicht einige Jahrhunderte zurück. Seit Anfang des Jahres hat der Ort eine weniger.

Im Zacherlhaus am Tillyplatz befand sich 1901 die Bäckerei mit Café von Fürtsch.
von Karl ZieglerProfil

Die damals rund 3000 Einwohner in der Marktgemeinde hatten vor und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit zwölf Bäckereien eine enorme Auswahl. Nachdem am 1. Januar die Bäckerei Meier in der ehemaligen Kaiserbäckerei den Betrieb einstellte, bieten in einer fast 300-jährigen Familientradition noch die Bäckereien Landgraf (Mulzerballer) am Marktplatz und Karl (Boderbeck) an der Brennerstraße Backwaren. Als dritte Bäckerei versorgt seit 2002 die Filiale von Ernst Schmid die Bevölkerung und Gäste.

In den schriftlichen Überlieferungen in Eslarn taucht das Handwerk bereits vor einigen Jahrhunderten auf. „Am 16. Mai 1631, während des Dreißigjährigen Krieges, hatten die Weißbäcker zu Moosbach, Waidhaus, Burgtreswitz und Eslarn auf ihr Ansuchen hin eine Handwerksordnung erhalten“ schreibt Heimatforscher Josef Hanauer. Einer der erstgenannten Bäcker am Marktplatz soll 1640 Michael Weigl und der erste Weißbäcker 1681 Johann Wolf Bauritl gewesen sein. Erst 1722 gründete sich aus den Handwerken Bäcker, Müller und Fleischhacker eine zusammengesetzte Zunft, die von sieben die erste Zunft war.

Am 9. Dezember 1722 sollen Vertreter des vereinigten Handwerks laut Heimatforscher Hans Schlemmer nach einem Gottesdienst im Haus des Weißbäckers Andre Bauriedl, Haus-Nummer 16 erstmals zusammen gekommen sein. Inzwischen führt Hans Landgraf am Marktplatz 6 (früher 16) die Tradition des Bäckerhandwerks weiter fort.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wiesen auch sogenannte Zunftstangen, die auch Engelsstangen genannt werden und heute noch in der Pfarrkirche stehen, auf die einzelnen Handwerkszünfte hin. Die Stangen wurden früher bei Beerdigungen, Fronleichnamsprozessionen und bei Jahrestagen in der Öffentlichkeit getragen. Die Bäckertradition der Weißbäcker von Johann Karl (1736) und Georg Karl (1768) führten die Bäcker Josef (1841) und Johann (1876) sowie ab 1977 bis heute Erhard und ab 2018 Sohn Matthias Karl (Boderbeck) fort.

1825 erfolgte die Auflösung und Umwandlung in Handwerks-Vereine. In den folgenden Jahrzehnten eröffneten mehrere Bäckereien unter anderen 1845 „Mulzerballer“ (Utz, später Landgraf), 1864 „Matthiersl“ (Karl), 1901 „Koiserpeter“ (Kaiser), 1907 „Greiwonger“ (Johann Merold, später Riedmann), 1925 „Lahmschneider“ (Leipold), 1934 „Zacherl“ (Fürtsch), 1947 „Wulfadl“ (Brenner) und 1953 „Gougl“ (Wild). An einige Bäckereien erinnern noch Bilder im Heimatbuch „Eslarn – Ein Blick zurück“ von Autor Willi Kleber.

Nicht nur die Bewohner vom Ortsteil Bühl waren über die nahegelegenen Einkaufsmöglichkeiten wie ab 1958 beim ehemaligen „Wulfadl“ (Brenner) in der Kapellenstraße erfreut. Besonders begehrt bei den Kindern war eine halbe "Schloass-Semme" mit Blockschokolade. Reichlich für Absatz sorgten ab 1950 die auf 3492 angestiegenen Einwohner.

Die Bäckerei Meier ist seit 1. Januar 2020 geschlossen.
Das Bäckerhandwerk ist seit über 300 Jahren bei der Familie Karl zu Hause.
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