20.10.2021 - 11:01 Uhr
EslarnOberpfalz

Mit sieben Enkeln zum Erdäpfelklauben auf den Acker

Die Kartoffeln sind zumeist geerntet. Heute geschieht das weitgehend automatisiert mit modernen Maschinen. Josef Füssl aber drehte die Zeit für seine sieben Enkel zurück.

Geschichtsunterricht zu im Feuer gegarten Kartoffeln mit Butterbrot auf dem Erdäpflacker gab Opa Josef „Feierer“ Füssl der Enkelschar.
von Karl ZieglerProfil

In der Oberpfalz werden Kartoffeln schlicht Erdäpfel genannt. Die meisten Felder sind jetzt bereits abgeerntet. Doch für Josef Füssls Enkelkinder Angelina, David, Felix, Leonie, Marie, Philipp und Tim als Jüngsten bleiben genug Knollen zum Aufsammeln auf dem Feld zurück.

Auf einem großen Kartoffelfeld im Ortsteil Teufelstein gab der in und um Eslarn unter dem Namen "Feierer" bekannte Opa dem Nachwuchs einen Einblick in vergangenen Zeiten. "Die Kartoffel ist eines unserer wichtigsten Grundnahrungsmittel, doch die Ernte der Knolle hat sich stark verändert." Einige Jahrzehnte erst ist es her, da waren auf den Äckern noch schlichte Kartoffelschleuderroder und einscharige Pflüge, die von einem Pferd oder einer Kuh gezogen wurden, unterwegs. Beim Erdäpflklauben wurden die Knollen mit den Händen in Körben gesammelt.

In dieser Zeit hieß es für die gesamte Familie, Verwandte und Bekannte richtig anpacken. Am Abend jammerte der ein oder andere vor lauter Bücken über Kreuzschmerzen. Das Einsammeln der Kartoffel auf dem Acker war für Menschen, aber auch für die Zugtiere eine mühselige Arbeit. Bereits vor der Ernte mussten die unerwünschten Unkräuter mit einer Hacke entfernt werden.

Der Feierer-Opa hatte zwar weder Zugtiere noch Pflugschar parat, präsentierte aber als Oldtimer-Liebhaber einen alten Fendt Fix, Baujahr 1960. Spaß hatten die Kinder beim Mitfahren auf dem Bulldog, vor allem aber auch beim Herausbuddeln der Erdäpfel mit den Händen. Die Arbeiten, die früher viele Arbeitsgänge von Hand erforderte, werden heute auf großen Feldern von einem Vollernter in einem Arbeitsgang zügig erledigt. Auf den Maschinen sortieren einige Erntehelfer die Steine und beschädigten Kartoffel aus.

Für Landwirte mit weniger Grund lohnt sich der Anbau nur noch zum eigenen Verzehr. Viele Kartoffelbauern haben sich zu Gemeinschaften wie die Erzeugergemeinschaft zusammen geschlossen und liefern die Knolle an Konzerne. Bei der Tour rund um die Kartoffel erhielt "Feierer" von Ehefrau Berta, den Kindern Manuela, Nicole mit Thomas und Markus mit Annika kräftige Unterstützung.

Bestens Bescheid über die frühere Plackerei bei der Kartoffelernte wussten auch die langjährigen Landwirte Gunda und Hans Hartung aus Passenrieth. Der Höhepunkt beim Erdäpfelgrom war die deftige Brotzeit und der Verzehr der im Kartoffelfeuer gegarten Erdäpfel mit Butterbrot. "Wie früher bei den Großeltern", waren sich alle einig. Kennen lernen durfte der Nachwuchs beim Festschmaus auch die Unterschiede zwischen Speise- und Süßkartoffel. Die sonst so beliebten frittierten Pommes gerieten zumindest für diesen Tag in Vergessenheit.

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Eslarn
Einst brachte eine Kartoffelschleuder mit Sitzgelegenheit die Erdäpfel aus dem Boden ans Tageslicht.
Früher wurden die Kartoffel mit den Händen gesammelt, heute geht es mit dem Vollernter durch den Acker.
Stichwort:

Kartoffel

  • Herkunft aus Südamerika
  • Kultivierung in den Anden seit etwa 7000 v. Chr. belegt
  • Inkas nannten sie "Papas"
  • Mitte des 16. Jahrhunderts erstmals in Europa
  • Preußenkönig Friedrich II. verhalf der Kartoffel in Deutschland zum Durchbruch als Volksnahrungsmittel
  • Heute werden in 130 Ländern rund 5000 Sorten kultiviert
  • Hinter Weizen und Reis auf Platz drei der weltweit am meisten produzierten Nahrungsmittel

Quelle: www.agropa.de

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