Eslarn
07.05.2020 - 15:09 Uhr

Trauer um Eslarner aus Berlin

Der begeisterte Hobbymaler Siegmund Witzlau lebte bereits 35 Jahre in Eslarn. Nun ist er mit 95 Jahren gestorben.

Der begnadete Hobbymaler Siegmund Witzlau ist mit 95 Jahren verstorben. Archivbild: gz
Der begnadete Hobbymaler Siegmund Witzlau ist mit 95 Jahren verstorben.

„Ihr lebt ja im Paradies“ waren Gertraud und Siegmund Witzlau nach dem Umzug 1988 von Berlin-Spandau in die herrliche Oberpfälzer Landschaft nach Eslarn überzeugt. Am Dienstag, 5. Mai, starb nun Siegmund Witzlau im Seniorenheim in Oberviechtach mit 95 Jahren, Der Eslarner war Mitglied in zwei Vereinen und einer der ältesten Bürger der Marktgemeinde.

"Der Vater wurde im Ersten Weltkrieg durch schwere Schussverletzungen an beiden Beinen verletzt, kam ins Lazarett, heiratete gleich nach der Entlassung und am 2. Mai 1925 kamen die Zwillinge Sieglinde und Siegmund in Spandau zur Welt“ – so begann die bewegte Lebensgeschichte von Siegmund Witzlau. In Berlin erlebte er bereits mit zehn Jahren die geplanten Vorbereitungen zum Zweiten Weltkrieg, durfte mit 15 Jahren den Motorradführerschein machen und mit 16 Jahren ging es zur Ausbildung zu den Panzerabwehrschützen ins 25 Grad kalte Polen und später ins heiße Südfrankreich. Der Zweite Weltkrieg führte den Berliner zudem nach Russland und anschließend zurück nach Frankreich.

In seinen mehrseitigen Memoiren beschrieb Witzlau ausführlich viele Erlebnisse, von denen vor allem die Schlacht in Italien um Monte Cassino 1944 immer wieder ins Gedächtnis rückte. Nach der amerikanischen und russischen Gefangenenschaft konnte Witzlau als Schwerverletzter am 29. April 1946 zurück in die Heimat. Da herrschte nach dem Krieg Hunger und Armut. Bei der Schultheis-Brauerei in Ostberlin fand Siegmund Witzlau als Industriekaufmann eine Arbeitsstelle. "Meine Mutter musste putzen gehen und erhielt als eine der vielen Trümmerfrauen einen Stundenlohn von 68 Pfennig." Nebenbei studierte der Berliner „Bildende Künste“ und besuchte die Fakultät für Betriebswirtschaft, sodass er bei der Brauerei als Abteilungsleiter angestellt wurde.

1953 heiratete Siegmund Witzlau die Ostberlinerin Gertraud Widenberg und mit dem Bau eines Doppelhauses erfüllten sich beide einen Wunschtraum. Nach dem Mauerbau in Berlin und dem ständigen Fluglärm durch tieffliegende Flugzeuge machte sich das Ehepaar auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Nicht nur der Lärm, sondern auch das Eingesperrtsein durch die Berliner Mauer zwischen der DDR und Westberlin bewegte das Ehepaar 1988 zum Umzug nach Eslarn. Die Ruhe, gute Luft, die schöne Landschaft und ein eigenes Wohnhaus waren für Gertraud und Siegmund Witzlau aus Spandau gute Gründe.

"Die zweite Heimat mit dem schönen Garten bedeutete für uns das Paradies und nach einem Jahr waren unsere Bronchien wieder frei und wir konnten wieder frei durchatmen", beschrieb Witzlau in seinem Buch. Zur Gesundheit und dem Glück kamen zudem viele neue Freunde. Im Ruhestand und vor allem während des 30-jährigen Aufenthalts konnte der Rentner die Malerei voll entfalten. Die Liebe zur Natur zeigte sich in zahlreich gefertigten Zeichnungen, vielen gemalten Landschaftsbildern und vor allem in beeindruckenden Bergmotiven.

2012 starb seine Frau Gertraud Witzlau im Alter von 92 Jahren, mit der er 60 Jahre verheiratet war und die am nahen Friedhof ihre letzte Ruhestätte fand. Die Zeit des Alleinseins füllte Witzlau in bester körperlicher und geistiger Gesundheit tagtäglich mit seinen Hobbys Malen, Kochen, Backen und Lesen aus. Zudem spielte er täglich eine Stunde auf seinem Klavier und nahm sich reichlich für die Unterhaltung mit Freunden Zeit.

Der Eslarner war Ehrenmitglied in der Siedlergemeinschaft und Mitglied im Krieger- und Soldatenverein, die das Mitglied und den Gönner in guter Erinnerung behalten werden. In diesem Jahr kam Witzlau nach mehrmaligen Aufenthalt im Krankenhaus ins Seniorenheim nach Oberviechtach, wo er drei Tage nach seinem 95. Geburtstag am Dienstag, 5. Mai, verstarb. Die Beisetzung findet am Samstag in Eslarn im engsten Familien- und Freundeskreis statt.

 
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