Eslarn
15.03.2020 - 16:12 Uhr

Tschechien macht Grenze dicht

Auch am ehemaligen Übergang Tillyschanz bei Eslarn ist kein Durckommen mehr.

Die beiden jungen Männer aus Schweinfurt versuchten vergeblich zu Fuß nach Tschechien zu gelangen. Die Polizei verwehrte die Einreise. Bild: gz
Die beiden jungen Männer aus Schweinfurt versuchten vergeblich zu Fuß nach Tschechien zu gelangen. Die Polizei verwehrte die Einreise.

Die Europäische Grenze zwischen Deutschland und Tschechien ist seit kurzer Zeit mit Absperrschildern und querstehenden Polizeiautos total abgeriegelt und wird am ehemaligen Grenzübergang Tillyschanz bei Eslarn von zwei tschechischen Polizisten bewacht. Die Reisenden, ob mit dem Auto oder zu Fuß werden ohne Ausnahme strikt zurückgewiesen und die Einreise nach Tschechien egal ob zum Tanken, zum Speisen oder als Tourist verboten.

Am Samstagnachmittag versuchten zwei junge Autofahrer aus Schweinfurt bei Eslarn über die Grenze nach Tschechien auszureisen. Nach dem dies aufgrund des Durchfahrtverbotschildes nicht gelang, marschierten beiden zu Fuß in Richtung der Absperrschranken und versuchten, wenn sie nicht Tanken durften, zu mindestens zu Fuß zum Nachmittagskaffee oder Abendessen ins grenznahe tschechische Lokal zu gelangen. Aber auch dieses Einreisevorhaben wurde von den tschechischen Polizisten strikt verweigert. Mit dem Ausruf des Notstandes und mit der Grenzabriegelung möchte die tschechische Regierung die Ausbreitung des Coronavirus verhindern, zu mindestens die Verbreitung verlangsamen. Auch den tschechischen Bürgern ist es grundsätzlich verboten, in 15 Staaten zu reisen, die als Risikogebiete eingestuft sind. Diese Bürger aus den Risikogebieten und auch aus Deutschland dürfen wiederum nicht mehr nach Tschechien einreisen.

Der Corona-virus lässt am Eslarner Ortsteil Tillyschanz alte Zeiten aufleben. Für die Älteren erwachen mit der Maßnahme ehemalige Reiseverbote und totale Grenzabriegelungen nach dem Krieg. In den ersten Nachkriegsjahren war die Grenze noch relativ durchlässig, bis das kommunistische Regime der Tschechoslowakei (CSSR) im Jahre 1950 sogenannte Grenzzonen errichtete, die man nur mit Genehmigung betreten durfte. Die Verkehrswege von der CSSR in Richtung Westen wurden verbarrikadiert, viele der einst zahlreichen Grenzübergänge wie in Eslarn bei Tillyschanz für jeglichen Verkehr total geschlossen und entlang der Grenze kontrollierten Grenztruppen zu Fuß oder auf den Wachtürmen . Erst im Zuge der Samtenen Revolutionen von 1989 fand auch in der CSSR ein politischer Umbruch statt, der zur Beendigung des Kalten Kriegs führte und letztendlich die Grenzbefestigungen zum Westen hin überflüssig machte. Am 11. Dezember 1989 wurde damit begonnen die Grenzbefestigungen mit dem zweireihigen Grenzzaun an der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland abzubauen. Am 1. Juli 1991 kam es zur Öffnung des Grenzübergangs in Eslarn, wobei vorerst nur Fußgänger und Zweiradfahrer den Grenzkontrollpunkt passieren durften. Am 21. Dezember 2007 fielen an der bayerisch-tschechischen Grenze die Personenkontrollen und dies bedeutete freie Fahrt in ein freies Europa und in die Tschechische Republik. Die Corona-Krise lässt all diese geschichtlichen Ereignisse wieder erwachen und erinnert mit der aktuellen Grenzabriegelung an diese Zeit. Die vorläufige Grenzabsicherung soll keine Panik verbreiten oder keine dauernde Einschränkung sein, sondern hüben wie drüben rein der Gesundheit der Menschen dienen.

Die Grenze am Eslarner Ortsteil Tillyschanz ist durch Sperrschilder und Polizeiautos abgeriegelt und wird von zwei Polizisten bewacht. Bild: gz
Die Grenze am Eslarner Ortsteil Tillyschanz ist durch Sperrschilder und Polizeiautos abgeriegelt und wird von zwei Polizisten bewacht.
 
Kommentare

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Anonymer Benutzer

Brennend würde mich doch mal interessieren, warum zu Zeiten der "Flüchtlingskrise" ohne Ende gesagt wurde, man könne die Grenzen doch nicht abriegeln, das sei völlig unmöglich, von wegen Europa und so. Wie denn nun? Ich weiß gar nicht mehr, was ich denken soll. Was ist jetzt "fake news" und was nicht? Was hört man jetzt eigentlich von der sogenannten Europäischen Union? Sind die Nationalstaaten, die da so vehement Richtung "rechte Ecke" abgetan wurden, plötzlich doch nicht "out"? Fragen über Fragen, aber unsere allwissenden Oberen werden uns in ihrer Weisheit gnädig an ihrem Wissen teilhaben lassen - oder auch nicht!

22.03.2020
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