24.09.2021 - 16:17 Uhr
EslarnOberpfalz

Zwangspause für Kirchenorgel

Die markante barocke Saalkirche mit dem Zwiebelturm inmitten der Marktgemeinde ist das Eslarner Wahrzeichen. Auch ihre Orgel ist etwas besonderes. Nun wird das gewaltige Klanginstrument bis Weihnachten generalsaniert.

Die Generalsanierung der Kirchenorgel liegt in den bewährten Händen von Orgelbauer Rainer Kilbert und seinem Mitarbeiter Stefan Himmelstoß (von rechts).
von Karl ZieglerProfil

Um das gewaltige, 266 Jahre alte Musikinstrument in der Eslarner Pfarrkirche für die nächsten Jahrzehnte klangvoll zu erhalten, führt derzeit Orgelbauer Rainer Kilbert aus Hönighausen bei Lappersdorf mit Mitarbeiter Stefan Himmelstoß umfangreiche Maßnahmen durch. "Dies ist die einzig mir bekannte zweigeteilte Orgel von Andreas Weiß in der Oberpfalz", stellte Orgelbauer Kilbert beeindruckt fest. "Auch das Zusatzwerk im Rücken des Orgelspielers aus der Barockzeit ist sehr selten."

Nach einer Voruntersuchung verdeutlichte der Orgelbauer der Kirchenverwaltung um Pfarrer Erwin Bauer und Kirchenpflegerin Nicola Hummer die dringend nötige Überholung der Kirchenorgel, so dass sich die Verwaltung für eine Generalsanierung entschied. Derartige Orgeln mit einem derartig auffallenden Prospekt gebe es laut Kilbert nur wenige. Die meisten Schwierigkeiten beim Orgelspielen bereite das Pedal, die mit den Füßen gespielte Klaviatur einer Orgel. Instandgesetzt werden müsse der Spieltisch mit der Traktur, die Windlade und das Pfeifenwerk. Ein neuer Motor samt neuer schalldämmernder Kiste wurde in die Orgel bereits eingebaut.

Schönerer Klang durch neue Ventile

Zudem soll eine aufwendige und komplizierte Dispositionskorrektur durchgeführt werden. Damit werden schadhafte Teile ausgetauscht, die Technik überholt und eine Grundreinigung durchgeführt. Bei den Arbeiten spiele laut Orgelbauer Kilbert zwei große Komponenten eine gewichtige Rolle. Durch den Austausch der Register und die Überarbeitung wird der klangliche Teil verbessert. Da die Orgel bisher mechanisch funktionierte – beim Tastendruck machen über ein Gestänge die Ventile auf –, arbeitete das Tasteninstrument bei diesem System aufgrund der anfälligen und zerbrechlichen Kunststoffteile unzuverlässig und sehr schwerfällig. Nach der Generalüberholung werden die Ventile künftig mit kleinen Elektromagneten betätigt, die Orgel ist bei drei Manualen leichter zu spielen und klingt noch schöner. Wie vereinbart wurde mit dem Orgelumbau noch vor dem Herbst begonnen, so dass die Arbeiten am größten aller Musikinstrumente voraussichtlich an Weihnachten abgeschlossen sein werden. Bis dahin übernimmt Martina Brenner auf der Heimorgel aus dem Pfarrheim und wie gewohnt klangvoll der Chor die musikalische Begleitung der Messfeiern.

1757: Sieben Fuhrwerke für neue Orgel

Am 1. Juli 1755 unterzeichnete der Nabburger Orgelbauer Andreas Weiß (1722–1807) den Vertrag über den Bau einer Orgel mit zwei Manualen, einem Pedal und 18 Registern. Das Werk konnte 1757 nur mit Hilfe von sieben Fuhrwerken von Nabburg nach Eslarn transportiert werden. Für den reich verzierten Orgelprospekt zeichnete Bildhauer Peter Hirsch und Altarschreiner Peter Bacher aus Amberg verantwortlich. Weiß umspielte das vorhandene Fenster durch die Zweiteilung des Hauptgehäuses. Wegen Geldmangel wurde die Orgel erst 1775 durch Kunstmaler Johann Wild farblich gestaltet.

Seither begleitet die Kirchenorgel die Eslarner und ihre Gäste von der Taufe bis zum Tod, aber vor allem bei den Messfeiern. Eine Orgelreparatur führten 1784 Thomas Kraupa aus dem böhmischen Kladrau und 1862 und über 30 Jahre später die Orgelbauer Franz Anton und Joseph Ehrlich Bärnau aus Bärnau durch. 1900 baute Franz Borgias Maerz aus München (1848–1910) ein neues Orgelwerk mit 10 Registern auf einem Manuel und Pedal in das bestehende Gehäuse ein. Als 1909 die Kirche nach Westen verlängert wurde führte Albert Schönle mit seinen Orgelbauern Georg Waldenmeier und Georg Meier den nötigen Ab- und Wiederaufbau der Orgel aus.

Die Orgelbauer restaurierten mit Unterstützung von Schreinermeister Sebastian Dünkl und seinem Sohn das Gehäuse und bauten das Orgelwerk wieder ein. "Einen rechten Begriff von der schwierigen Arbeit der angeführten Herren kann sich eigentlich nur derjenige machen, der die vielen, zum Teil ganz morschen Stücke des alten Gehäuses liegen sah", ist auf einem bis heute erhaltenen Zettel im Orgelinneren überliefert. Einen weiteren Umbau erfuhr die Orgel 1933 durch Michael Weise aus Plattling und 1973 wurde das stillgelegte Rückpositive wieder mit klingenden Pfeifen bestückt. Die Orgel von Robert Kaulmann aus Wegscheid bei Passau hatte nun drei Manuale, 25 Register und 2062 Pfeifen.

Aufgrund der geschätzten Gesamtkosten von rund 79.841,50 Euro, eine neue Orgel würde 500.000 Euro kosten, bittet die Kirchenverwaltung mit dem Vermerk "Orgelspenden" auf das Konto der Raiffeisenbank Eslarn, IBAN 63753631890002515156 oder der Sparkasse Eslarn, IBAN DE26753519600570302158 oder als Barspende im Pfarrbüro um finanzielle Unterstützung. Für jede Spende dankt Pfarrer Erwin Bauer und Kirchenpflegerin Nicole Hummer mit einem "Vergelt´s Gott". Seit 2017 sind Orgelmusik und Orgelbau durch die UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt und 2021 wurde das tiefste und höchste, lauteste und leiseste Instrument zum Instrument des Jahres gekürt.

Eslarner Kirchorgel wird neu gestimmt

Eslarn
Das größte Tasteninstrument wird grundlegend saniert.
Zudem wurden die großen Orgelpfeifen der Kirchenorgel ausgebaut.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.