17.01.2019 - 18:49 Uhr
Etsdorf bei FreudenbergOberpfalz

Bayerns Grüne sind Fans der Glyptothek Etsdorf

Die Grünen-Landtagsfraktion besucht das Etsdorfer Tempelmuseum. Und ist so begeistert, dass sie sich gleich zur Einweihung der Glyptothek einlädt. Auch wenn dieses Projekt von Wilhelm Koch bislang nur als Modell existiert.

Kein Blick in die Glaskugel – sondern auf Ausstellungsstücke im Etsdorfer Tempelmuseum, in diesem Fall von verschiedenen Künstlern gestaltete Metall-Schatullen. Die Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Katharina Schulze (Zweite von rechts) und Ludwig Hartmann (Vierter von links), sowie ihre Kollegen sind begeistert von dem, was Museumschef Wilhelm Koch (rechts) über das Museum und die geplante Glyptothek erzählt.
von Heike Unger Kontakt Profil

Eine Klausurtagung in Regensburg bot den Grünen um die Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze und Ludwig Hartmann sowie Geschäftsführer Jürgen Mistol Gelegenheit zu diesem Ausflug nach Etsdorf. Und mitten ins Herz Europas, wie die rund 50-köpfige Besuchergruppe schnell feststellte: Das, was Initiator Wilhelm Koch, der Chef des Etsdorfer Tempelmuseums und des Amberger Luftmuseums, und sein Mitstreiter, der Münchener Architekt Peter Haimerl, über die geplante Glyptothek Etsdorf erzählten, war auch eine Hommage an Europa und seine Vielfalt. In launigen Worten gab Koch einen Rückblick auf die lange Geschichte des Projekts, die im Jahr 2000 begonnen hat. "Ein transnationales Denkmal für 2500 Jahre Demokratie und für den europäischen Gedanken" soll die Glyptothek werden - direkt an der wichtigen Magistrale E 50, die von Paris über Nürnberg nach Prag führt. Anfangs im Ort nicht unumstritten, überwiege in Etsdorf inzwischen eher die Einstellung, die sich in der oft gehörten Fragen "Wann wird's jetzt endlich was?" zeigt, wie Koch berichtete.

Seit 2009 gibt es eine Baugenehmigung, inzwischen stehen auch die nötigen 11 000 Quadratmeter Grund zur Verfügung - und unzählige Mitstreiter, die unter anderem in über 2000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden das Tempelmuseum als das Kultur- und Sportzentrum im Dorf geschaffen haben. Zu den Unterstützern gehört auch Panik-Rocker Udo Lindenberg, der offizieller "Tempelpate" ist - und, wie Koch hofft, "auch irgendwann mal vorbeikommt". Die Grünen waren jetzt schon da. Und hörten in einem Video-Vortrag und bei einem Rundgang durchs Tempelmuseum viel über das Projekt. "Wir haben schon viel erreicht, aber noch nicht geschafft, dass wir's bauen können", bilanzierte Koch und warb auch um grüne Unterstützung: "Wenn Sie irgendjemanden kennen, der schon immer mal einen Tempel kaufen wollte oder nicht noch ein Schiff kaufen will - schicken Sie ihn zu uns."

Beeindruckt und sehr interessiert zeigten sich die Grünen, die in einer Fragerunde intensiv nachhakten, dabei aber auch selbst Anregungen gaben - etwa die, über die Verwendung von Recycling-Beton, eventuell aus alten DDR-Plattenbauten, sowie über Verbindungen nach Tschechien nachzudenken oder eine EU-Förderung zu nutzen.

"Was Sie hier schon alles geschaffen haben, ist ja der Wahnsinn. Sie haben ganz sicher bei uns was ausgelöst", lautete das Fazit von Fraktionsvorsitzender Katharina Schulze, die dann auch gleich Nägel mit Köpfen machte: "Ich lade uns jetzt schon mal selber zur Eröffnung ein: Wir würden gerne kommen."

Info:

Wilhelm-Koch-Zitate

„Unser Tal ist noch nicht verhunzt. Unser Nachbardorf schaut bald aus wie Las Vegas – mit Autobahnauffahrt, Tankstelle und Casino.“

„Meine Frau sagt, das wirst du nie schaffen. Ich glaub’ schon.“

„Wir haben kein Budget. Aber Geld verdirbt den Charakter. Und mit Geld kann jeder etwas machen.“

„Schön, wenn so etwas entsteht, mitten in einem Bauerndorf.“

„Wir sind auch Europa-Wahllokal: Einen besseren Ort kann es nicht geben.“

„Wenn Sie nachts herkommen, dann blendet Sie Europa“ (zur Leuchtschrift am Tempelmuseum)

„Was das kostet? Es kostet nichts, weil wir das geschenkt haben wollen.“

„Das Problem ist: Architekten haben sehr wenig Erfahrung im Tempelbau.“

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