Etzelwang
15.01.2026 - 15:18 Uhr
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"Liebhaberobjekt": Wie verkauft man ein Schloss?

Seit vergangenem Jahr steht fest: Schloss Kirchenreinbach wird verkauft. Aber wie verkauft man ein Schloss? Bürgermeister Roman Berr und Maklerin Dragana Przina klären nun auf.

„Das Schloss gehört zur Geschichte von Kirchenreinbach“, erklärt Bürgermeister Roman Berr. Trotzdem wird es nun von der Gemeinde verkauft: Es geht ums Geld. Ein Antrag im Gemeinderat der SPD/Freie-Wähler-Fraktion zielte im Dezember darauf ab, den Verkaufserlös zu spenden – doch das ist rechtlich nicht zulässig. Bürgermeister Berr erläutert jetzt, warum.

Die Gemeinde Etzelwang ist seit 2007 Eigentümer des Schlosses. Im Jahr 2020 starb die letzte Bewohnerin. Seitdem ist das Gebäude weitgehend ungenutzt – während die Kommune weiterhin für den Erhalt aufkommen muss. 2025 fasste die Gemeinde den Beschluss, das Schloss zu verkaufen. "Unsere finanzielle Lage lässt keine andere Entscheidung zu", sagt Berr.

Darum wird der Erlös nicht gespendet

"Der Verkauf des Schlosses Kirchenreinbach ist also keine emotionale Entscheidung, sondern eine haushaltsrechtliche Notwendigkeit", erklärt der Bürgermeister. Die Gemeinde erhalte Stabilisierungshilfen: Diese sind laut dem Bayerischen Finanzministerium für Kommunen vorgesehen, die von einer negativen demografischen Entwicklung betroffen sind und sich unverschuldet in einer finanziellen Schieflage befinden oder deren finanzielle Leistungsfähigkeit gefährdet ist.

Durch diese Hilfen ist der finanzielle Spielraum der Gemeinde stark eingeschränkt, wie Bürgermeister Beer erläutert. Der Verkaufserlös sei haushaltsrechtlich eine Vermögensumschichtung. Das bedeute, dass der Erlös dem Vermögenshaushalt wieder zugeführt werden muss. Eine freie Verwendung – etwa als Spende an das Kinderhaus, wie sie die SPD- und die Freie-Wähler-Fraktion vorgeschlagen haben – wäre daher rechtswidrig.

Ein Museum ist keine Option

Bis heute dient der Gerichtssaal des Schlosses als Trau- und Wahlzimmer. Immer wieder wurde in Etzelwang diskutiert, im Schloss ein Museum einzurichten. Bürgermeister Berr erklärt jedoch: „Ein Museum würde hohe Folgekosten für Umbau und Personal verursachen, die durch Eintrittsgelder nicht zu kompensieren sind.“

Weiter sagt Berr, dass in den vergangenen Jahren viel Geld in den Erhalt des Schlosses geflossen sei. Für die Sanierung hat die Gemeinde einen Kredit aufgenommen. Durch den jetzigen Verkauf könnten diese Mittel wieder dem Gemeindehaushalt zugeführt werden.

So verkauft man ein Schloss

Dragana Przina ist als Maklerin nun zuständig dafür, das Gebäude zu verkaufen – sie bezeichnet das Schloss als "Liebhaberobjekt". Das Besondere in Kirchenreinbach ist laut Przina, dass die Gemeinde selbst als Verkäufer auftritt und nicht ein privater Eigentümer. Grundsätzlich unterscheide sich der Verkauf eines Schlosses nicht von dem anderer Gebäude – er sei jedoch mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Zentrale Rollen spielen dabei der Denkmalschutz und die Bausubstanz, die mehrere hundert Jahre alt ist. „Wir haben deswegen Bauhistoriker mit an Bord“, erklärt die Maklerin.

Ein Vorteil von Schloss Kirchenreinbach sei, dass sowohl eine gewerbliche als auch eine private Nutzung möglich sei. Dadurch ist die potenzielle Käuferzielgruppe laut Przina breit gefächert und schließt auch internationale Interessenten ein. Dennoch betont der Bürgermeister: „Schon die Lage des Schlosses mitten im Ort Kirchenreinbach gebietet es, dass die Nutzung verträglich für den Ort und seine Einwohner ist.“

Derzeit gebe es zwei bis drei Interessenten für das Schloss, berichtet Przina. „Für uns Makler ist ein Verkauf erst dann seriös, wenn ein Notartermin feststeht“, stellt sie klar. Wann es tatsächlich zum Verkauf kommt, könne sie nicht abschätzen. „Die Vermarktungszeit bei solchen Immobilien ist oft länger.“

Ein Hindernis bei der Vermarktung stellten zunächst die zahlreichen Möbel und Antiquitäten im Schloss dar. Diese wurden jedoch bereits bei einer Verkaufsaktion im vergangenen Oktober veräußert, sodass Interessenten nun die Substanz des historischen Bauwerks besser beurteilen können.

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