Als Sicherheitsingenieur für die Flachglas-Baustelle Float-Anlage Weiherhammer wurde er von seinem damaligen Arbeitgeber, der Hoch-Tief Bau GmbH, von Essen ins 585 Kilometer entfernte Weiherhammer geschickt. Seine Firma hatte ihm ein Zimmer im "Gasthof zum Löwen" organisiert, und er sollte voraussichtlich für zwei Jahre die Baustelle zum Aufbau der ersten Linie der Flachglas betreuen.
"Nach einer Abschieds-Fete mit Freunden lud ich meine Koffer ins Auto und machte mich mit sehr gemischten Gefühlen weisungsgemäß zu meiner neuen Aufgabe gen Südosten auf", erzählte Lehmann. Nach ein paar Nächten bei der Familie Riebel erhielt er von der Bauleitung eine Adresse und machte sich mit einem Kollegen zum Privat-Quartier bei Johann und Brigitte Meier auf.
"Am Folgetag schlugen wir zu: Einzelzimmer mit Dusche und WC für 12 D-Mark die Nacht inklusive Frühstück im Aufenthaltsraum mit Küche und Fernsehgerät sowie der Aussicht ab Herbst sogar mit Schwimmbad. Für die damalige Zeit purer Luxus. Als ich dort einzog, ahnte wohl keiner, dass ich heute noch nach Etzenricht komme und von allem schwärmen würde, was sich aus dieser ,fremdgesteuerten' Begegnung ergeben hat." Auch heute, im Alter von 81 Jahren, organisiert Lehmann für eine Gruppe von 10 Personen jährlich eine Reise von Essen nach Etzenricht und begeistert mit seinem Wissen über Sehenswürdigkeiten und versteckte Kleinode in der Oberpfalz, die nicht einmal die Einheimischen schon mal gesehen haben.
Die Verbindung Lehmanns zu Etzenricht liegt aber nicht nur an der Gegend, sondern besonders zu seinen damaligen Vermietern Hans und Brigitte Meier. Deshalb gab es für den Jubilar und seine Begleitgruppe ein Treffen, bei dem Hans Meier in die Vergangenheit blickte und so manche Begebenheit erzählte.
Er erinnerte sich auch noch ganz genau daran, wie Lehmann vor 40 Jahren den Hof betrat und ihm seine Gedanken anzusehen waren: "Was wird mich da wohl erwarten?" Aber durch die Integration in die Familie entstanden innige Freundschaften. "Bei allen Familienfeiern lebte Dietrich Lehmann sein Hobby der Fotografie aus und belegte damit viele Erinnerungen", informierte Meier. Auch Tiefschläge, als der Familienbetrieb, das Sägewerk, brannte, hielt Lehmann in Bild und Ton fest.
Seit fast 10 Jahren bringt er seine "lustigen Preußen" mit zum Gasthof Riebel. Gerhard Riebel überraschte seinen langjährigen Freund Dietrich mit einem Weißwurstfrühstück, zu dem Werksleiter Reinhold Gietl spontan zugesagt hatte. Für beide Seiten war es eine große Freude, über Vergangenheit, gemeinsame Bekannte, Gegenwart und Erlebnisse bei der damaligen Flachglas AG (heute NSG Pilkington) zu erzählen.
Mit dem Versprechen, im kommenden Jahr für die Gruppe eine Betriebsführung zu ermöglichen, lud Gietl Lehmann in sein Auto ein und fuhr zumindest einmal über das Betriebsgelände des heutigen Weltkonzerns NSG Pilkington, womit er beim Jubilar wunderbare Erinnerungen weckte. Gietl und Lehmann, die viele ähnliche Erlebnisse in ihrem beruflichen Werdegang fanden, obwohl sie sich nicht kannten, erlagen auch hier einer "Fremdsteuerung", die beiden in Erinnerung bleibt.
Lehmann und seine Frau Gisela hoffen nun, dass es ihre Gesundheit auch zulässt, 2019 wieder ein kleines Jubiläum mit der Freundesgruppe feiern zu können, die sie in den vergangenen Jahren von der schönen Oberpfalz und den vielen herzlichen Begegnungen mit netten Menschen überzeugen konnten.
Etzenricht
03.06.2018 - 15:41 Uhr
"Was wird mich da erwarten?"
von Autor WLR
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